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Inzidenzzahlen steigen weiter

RoMed-Chefarzt warnt vor Höhepunkt der vierten Welle in der Region: „Uns ist angst und bange“

Dr. Hanns Lohner, Chefarzt Neurologie und Pandemie-Beauftrager des Romed-Verbunds.
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Dr. Hanns Lohner, Chefarzt Neurologie und Pandemie-Beauftrager des RoMed-Verbunds.
  • Michael Weiser
    VonMichael Weiser
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Die vierte Welle der Corona-Pandemie ist da, sie baut sich immer weiter auf. Währenddessen stoßen die Krankenhäuser allenthalben in Bayern, vor allem aber an Hotspots wie Rosenheim an ihre Grenzen. Mit dem Neurologie-Chefarzt und RoMed-Pandemiebeauftragten sprachen wir über den drohenden Scheitelpunkt der Welle, über Wege aus der Krise und den Ruf nach der Bundeswehr.

Die meisten Menschen wähnten sich wohl auf der Schlussgeraden der Pandemie. Hätten Sie mit einer solch heftigen vierten Welle gerechnet?

Dr. Hanns Lohner:Nein, das hätten wir vor drei Monaten noch nicht gedacht. Vor zwei Monaten gab es mit den Reiserückkehrern so etwas wie eine Vorwelle, einen Vorgeschmack. Ab Oktober war klar, dass uns die vierte Welle mit Macht trifft. Sie hat auch viel früher eingesetzt als vergangenes Jahr.

Worauf führen Sie den frühen Zeitpunkt und die besondere Heftigkeit der vierten Welle zurück, die noch schlimmer als die zweite Welle Ende 2020 ist?

Lohner: Das kann ich nicht wirklich sagen. Vielleicht hat sie schon mit den Reiserückkehrern angefangen. 2020 hatten wir außerdem den Lockdown, den hatten wir jetzt nicht mehr. Die Delta-Variante hatten wir 2020 auch noch nicht, sie hat eine deutlich höhere Ansteckungsfähigkeit und zieht schwerere Krankheitsverläufe nach sich. Der Ausmaß der Impfungen jedenfalls reichte nicht aus, um diese Welle zu verhindern.

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Wären Sie für eine Impfpflicht?

Lohner: Das ist ein schwieriges Thema. Ich bin da skeptisch. Ich habe die Befürchtung, dass ein Riss durch die Gesellschaft gehen würde. Soweit ich das übersehe, haben wir auch in keinem westeuropäischen Land eine Impfpflicht.

Wenn Sie die jetzigen Inzidenzwerte anschauen, sich dann vorstellen, dass sich diese Höchstmarken erst mit ein, zwei Wochen Verzögerung im Grad der Hospitalisierung ausdrücken – wird Ihnen da angst und bange?

Ja, da ist uns angst und bange. Wir sind jetzt gerade in einer Situation, wo wir mit allen Kräften und Einschränkungen die Versorgung gerade noch schaffen. Die Maßnahmen der Politik haben bislang nicht ausgereicht. Und ich habe große Sorgen, ob 3 G und 2 G ausreichen, die Welle grundsätzlich und so schnell wie möglich zu brechen. Ich bin sehr skeptisch, dass wir damit allein eine dramatische Überlastung des Gesundheitswesens vermeiden können. Die Überlastung des Personals ist jetzt schon deutlich. Ich mag mir nicht ausmalen, wie es in zwei Wochen aussieht. Ich mache mir riesige Sorgen.

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Wie ist die Auslastung auf den Stationen, wohin verlegen Sie Patienten gerade?

Lohner: Man muss unterscheiden zwischen Covid auf Normalstationen, die behandeln wir mittlerweile auf allen vier Standorten, also nicht mehr nur in Rosenheim und Wasserburg, sondern auch in Bad Aibling und seit dem Wochenende auch in Prien. Wir haben insgesamt in den RoMed Kliniken etwa 120 Patienten, knapp achtzig davon in Rosenheim. Und wir müssen natürlich die Patienten mit anderen Erkrankungen auch noch versorgen. Es darf nun nichts mehr dazukommen.

Steten Schrittes neuen Höhen entgegen: Die Inzidenzkurven in Stadt und Landkreis während der vergangenen sieben Tage.

In den Romed-Intensivstationen: „Deutliche Höchststände“

Und wie sieht es auf den Intensivstationen aus?

Lohner:Heute (Stand Mittwoch, 17. November, Anm. der Red.) haben wir 19 bestätigte Corona-Fälle auf der Intensivstationen unseres Verbunds. So viele hatten wir am Scheitelpunkt der zweiten Welle nicht. Wir können auch nicht mehr alle Covid-Intensivpatienten selbst versorgen. Zum Glück haben wir eine gute Zusammenarbeit im Rettungsdienstbereich. Die Schön-Klinik Bad Aibling kann auch noch intensivpflichtige Patienten übernehmen. Wir haben mit den Kollegen vereinbart, dass sie Patienten in einem früheren Stadium übernehmen, wenn sie noch infektiös sind. Vogtareuth unterstützt uns auch sehr. Im gesamten Rettungsdienstbereich, also in der Region Rosenheim und dem Landkreis Miesbach, haben wir 36 Covid-Intensivpatienten. Das ist ein deutlicher Höchststand.

Wie ist die Verteilung in den Stationen? Sind mehr ältere auf der Intensivstation, oder mehr Jüngere? Und verschiebt sich der Anteil?

Lohner: Das kann ich nicht ganz exakt sagen. Es ist bunt gemischt. Wir haben Patienten ab 30, aber natürlich auch noch Patienten mit über 80 Jahren. Auf der Normal- wie auf der Intensivstation kommt es vor, dass wir Menschen nicht retten können. Bislang sind in den RoMed Kliniken seit Beginn der 4. Welle ca. 40 Patienten mit bestätigter Corona-Infektion verstorben. Die Situation spitzt sich zu. Im Moment könnten wir weder bei uns noch im gesamten Rettungsdienstbereich alle intensivpflichtigen Patienten unterbringen. Deswegen sind wir seit Wochen bereits zu überregionalen Verlegungen in ganz Bayern gezwungen.

Auch Personal ist von Covid betroffen

Wie ist die Stimmung bei den Ärzten und Pflegern?

Lohner: Wir haben da ein Riesenproblem, weil auch bei uns massive Ausfälle durch Krankheit zu verzeichnen sind. Von Covid betroffenes Personal haben wir auch. Auch geimpfte Mitarbeiter sind darunter, die aber leichter erkrankt sind. Sie fallen aber natürlich trotzdem aus. Durch die andauernde dramatische Überlastung kommen Ausfälle hinzu. Wir haben also insgesamt immer weniger Mitarbeiter, die in der Lage sind, die Versorgung aufrecht zu erhalten. Das ist mit unser größtes Problem.

Viele Ansteckungen ereignen sich noch immer in Senioren- und Pflegeheimen. Geht die Booster-Kampagne nicht schnell genug voran?

Lohner: Das kann ich nicht beurteilen. Ich bin klar der Meinung, dass wir sehr, sehr schnell möglichst viele Menschen mit Booster-Impfungen versorgen müssen. Natürlich sollte man mit den am stärksten gefährdeten Menschen anfangen. Aber ich bin auch klar der Meinung, dass wir allen Geimpften möglichst zügig Auffrischungsimpfung anbieten müssen. Das wird dazu beitragen, die Kurve zu senken.

Die Impfzahlen steigen ja im Moment wieder. Ist das ein Zeichen für ein Umdenken?

Lohner: Das kann ich so nicht sagen. Dazu habe ich mein Ohr nicht nah genug an der Bevölkerung. Auch bei uns sind Mitarbeiter noch ungeimpft, wenn auch gottseidank nur wenige. Wir werden auch für unsere Mitarbeiter wieder Erst- und Zweitimpfungen anbieten. Den Booster bieten wir schon seit Wochen an.

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Welcher Anteil ist denn geimpft?

Lohner: Deutlich über achtzig Prozent, davon gehe ich aus. Das Erfassen des Impfstatus unserer Mitarbeiter – nötig wegen der Testpflicht - braucht seine Zeit.

Das drängende Problem mit dem Personal, wie kann man es lösen?

Lohner: Mehr Intensivpersonal würde uns gewaltig helfen, auch weil die Verlegung von Patienten zunehmend schwierig wird. Wir haben Kontakte zur Bundeswehr aufgenommen. Es muss weiter darum gehen, Intensivkapazitäten auszubauen.

Was könnte sonst passieren?

Lohner: Wir sehen uns nicht mehr weit von dem Punkt, an dem wir Patienten nicht mehr adäquat versorgen können. Planbare Behandlungen haben wir schon abgesagt. Wir machen zur Zeit nur das Dringliche. Aber selbst da müssen wir mittlerweile noch genauer abwägen, wer unbedingt auf die Intensivstation muss und wer noch auf die Normalstation gelegt werden kann.

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