Neue Methoden sollen Wert verbessern und Kosten senken

In der Rinderzucht steht eine "Revolution" bevor

Innerthann/Beyharting - "Aktuelles aus der Rinderzucht" lautete der Titel für die Informationsveranstaltung für Landwirte, zu der die staatliche Ökoberatung vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Ebersberg in das Gasthaus Hüttl in Innerthann eingeladen hatte.

Der Referent, Hubert Anzenberger von der Landesanstalt für Landwirtschaft, erläuterte zu Beginn mit einigen Zahlen den Milchkühebestand, der bundesweit mit allen Rassen zirka 4,21 Millionen und davon in Bayern zirka 1,26 Millionen betrage. Während die durchschnittliche jährliche Milchleistung bei schwarz-bunten Kühen bei rund 8000 Litern liege, belaufe diese sich bei Braun- und Fleckvieh bei zirka 7000 Litern. In Bayern liege der durchschnittliche Milchkühebestand bei rund 35 pro Betrieb, davon entfielen etwa 80 Prozent auf Fleckvieh. Die Anzahl der Bullen betrage in Bayern zirka 2000, es seien (inklusive Kalbinnen) 1,695 Millionen Besamungen durchgeführt (somit pro Bulle 842 Kühe) worden.

Anschließend erläuterte der Referent den konventionellen Werdegang der Zuchtbullen, der mit etwa 16 Monaten in einem Prüfeinsatz bei 600 Erstbesamungen eingesetzt werde, danach erfolge die Einlagerung von 15000 Samenportionen, Mit 18 Monaten werde er in den sogenannten "Wartestand" überstellt.

In der Folgezeit würden die ersten Kälber geboren und nach gut vier Jahren lägen die ersten Ergebnisse über die männlichen und weiblichen Nachkommen vor. Mit fünfeinhalb Jahren folge dann die Zuchtwertschätzung und der Bulle werde fortan eingesetzt. Die Selektionsquote für Zuchtbullen liege bei zirka 20 Prozent, das heiße, nur jeder fünfte Bulle finde in der Besamung Verwendung. Als wichtigste oberbayerische Bullenstationen nannte der Referent Meggle und Grub.

Zuchtwerte schon beim Embryo bekannt

Nach Anzenbergers Einschätzung kann es in naher Zukunft durch die Idee der genomischen Selektion zu einer "Revolution in der Rinderzucht" kommen. Bei diesem Verfahren, das unter anderem in den USA bereits angewendet werde, seien durch Gentypen-Bestimmungen (SNP-Gentypen) die Zuchtwerte schon beim Embryo bekannt. Dadurch soll auf die herkömmliche "Nachkommensprüfung" verzichtet werden. "Einen gänzlichen Verzicht auf die Leistungsprüfungen halte ich nicht für möglich" erklärte Anzenberger, "veränderte Formen sind aber denkbar".

Nach dem neuen Verfahren würden die Stiere bereits im einjährigen Alter für 300 Erstbesamungen eingesetzt und anschließend nicht in den Wartestand überführt. Durch diese deutliche Verkürzung des Generationsintervalls gegenüber dem herkömmlichen System könnte eine Verbesserung des Zuchtwertes und eine Kostenersparnis erzielt werden. Die bayerischen Fleckviehzüchter würden jedoch nicht kurzfristig den neuen Weg beschreiten, da noch zahlreiche offenen Fragen der Klärung bedürfen wie zum Beispiel Auftragserteilung und Kostenübernahme für die Typisierung sowie deren Auswertung oder eine eventuelle Steigerung der Inzucht oder der Verbreiterung des Linienspektrums. "Der Fleckvieh-Zuchtverband wird hierzu als Koordinator auftreten" kündigte der Referent an. Zweiter Schwerpunkt des Vortrags war die Vorstellung der derzeit 30 interessantesten unter den in Bayern, Baden-Württemberg und Österreich insgesamt nach dem ökologischen Gesamtzuchtwert eingestuften rund 100 Fleckviehbullen. Die Spitzenreiter sind derzeit Vanstein (Zuchtwert 142) sowie Wal und Hupsol (je 139). bjn

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