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Polizei warnt vor Staus und Unfall-Risiko

Region Rosenheim vor Chaos-Wochen im Transitstreit: Blockabfertigung gefährdet Leben im Inntal

Chaos bei Blockabfertigung: Auf den Autobahnen der Region Rosenheim wie auch in den Orten des Inntals sorgen Staus immer wieder für Gefahr.
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Chaos auf der Autobahn: Im Zusammenhang mit der Blockabfertigung knallt es immer wieder. Besonders schwer im Januar auf der A8 nahe Bad Aibling.
  • Michael Weiser
    VonMichael Weiser
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Den Menschen im Inntal und unzähligen Autofahrern stehen Chaos-Wochen bevor: Von Montag, 23. Mai, bis 17. Juni verordnet Tirol 13-mal Blockabfertigung. Die Polizei warnt vor Staus und Unfall-Risiko. Was muss passieren, bis der Wahnsinn endet? Aus der CSU kommen drastische Forderungen.

Rosenheim – Es ist der 7. Januar dieses Jahres, kurz nach zehn Uhr vormittags. Seit einigen Stunden lässt Tirol Lastwagen nur schubweise durch. Mittlerweile stauen sich Fahrzeuge auf der Inntalautobahn und zurück auf die A 8. Bis in die Nähe der Anschlussstelle Bad Aibling. Ein Lastwagen nähert sich dem Ende des Staus. Doch der Fahrer bremst nicht, oder vielmehr viel zu spät – er hat das Ende des Staus nicht wahrgenommen.

Es bricht Chaos aus. Der LKW rauscht in einen Sattelzug aus Ungarn, mit solcher Wucht, dass der ungarische Laster in weitere Autos geschoben wird. Trümmer regnen auf die Straße, neun Menschen werden verletzt, zwei davon schwer. Bis in den späten Nachmittag hinein dauerte es, Wracks und Trümmer von der Fahrbahn zu schaffen.

Oberaudorfs Bürgermeister: „lebensgefährliche Situationen“

Es ist die Blockabfertigung, die bestimmte Strecken im Landkreis Rosenheim an manchen Tagen zu besonders gefährlichen Orten macht. Wenn die Lastwagen dicht an dicht auf der rechten Spur stehen, gleicht das Auffahren auf die Autobahn einem Glücksspiel. Die Autofahrer müssen sich durch schmale Lücken quetschen. Und sie haben so gut wie keine Sicht auf die mittlere und linke Spur mit viel schnellerem Verkehr. „Lebensgefährliche Situationen“ hat Oberaudorfs Bürgermeister Matthias Bernhardt dabei schon erlebt.

Aber auch die Fahrer selbst sind ein Risikofaktor. Zeitdruck und Abstumpfen in stundenlangen Staus „wirken sich nicht gut auf die Fahrtüchtigkeit aus“, sagt Alexander Kreipl vom ADAC. Und auf den Autobahnen in der Region müssen sich die Fahrer besonders lange gedulden. 200 Staustunden registrierte der ADAC im vergangenen Jahr zwischen Inntaldreieck und Kiefersfelden, insgesamt also volle acht Tage im Stillstand. Gar 264 Stunden waren es im Jahre 2019. Ganze 37 Stunden waren es hingegen 2020 – Folge der harten Beschränkungen im ersten Corona-Jahr.

„Regelmäßig Tohuwabohu“ in den Ortschaften entlang der Autobahn

Im Jahr 2021 ereigneten sich nach Auskunft von Martin Emig, Sprecher des Polizeipräsidiums Oberbayern Süd, im Zusammenhang mit der Blockabfertigung drei Verkehrsunfälle mit mehreren Verletzten und 13 Verkehrsunfälle mit Sachschaden. In den ersten fünf Monaten des Jahres haben sich wiederum bei drei Verkehrsunfällen Menschen verletzt; acht Verkehrsunfälle gingen mit Sachschaden aus.

„Regelmäßig Tohuwabohu“ stellt Reiseunternehmer Kurt Margreiter in den Orten entlang der Autobahn fest. Schuld ist der Ausweichverkehr. Margreiter hat bei der Blockabfertigung zuletzt Ende April seinen Schulbus unter Polizei-Eskorte durch Brannenburg gelenkt. Um auf der Gegenfahrbahn die LKW-Staus überholen und seine Schützlinge halbwegs pünktlich abliefern zu können.

Fußgänger und Radfahrer wegen der Blechlawinen in Gefahr

Auch an anderen Stellen gerät der Kreislauf ins Stocken. „Unsere Sozialdienste, die sich um pflegebedürftige Menschen kümmern, schaffen ihre Touren nicht mehr in der dafür vorgesehenen Zeit“, hat Brannenburgs Bürgermeister Matthias Jokisch festgestellt. Fahrräder können praktisch gar nicht mehr auf der Straße fahren, die Radler wichen daher auf die Gehwege aus, berichtet er. „Fußgänger müssen sich zwischen dem Schwerlastverkehr durchschlängeln – immer mit der Gefahr, übersehen zu werden.“

Besserung ist nicht in Sicht. Die Tiroler bezeichnen die Blockabfertigung als Notwehr gegen den überhand nehmenden Verkehr. Doch seit der Einführung der Drosselung hat sich die Zahl der Termine verdoppelt. 13-mal werden die Tiroler allein in den kommenden drei Wochen den Verkehr an der Grenze einbremsen. Von den Urlaubern wird ab Montag viel Geduld verlangt werden.

In den kommenden Jahren könnten es sogar noch mehr Termine werden. Im Interview mit den OVB-Heimatzeitungen hat die Landeshauptmanns-Stellvertreterin Ingrid Felipe erst kürzlich vor zahlreichen Sanierungsmaßnahmen auf österreichischer Seite gewarnt; die Bauarbeiten machten immer wieder Einschränkungen nötig. „Was muss eigentlich passieren, dass das mal aufhört“, fragt daher Kurt Margreiter. „Muss erst jemand überrollt werden?“

MdB Daniela Ludwig attackiert Günther Platter hart

Die Rosenheimer Bundestagsabgeordnete Daniela Ludwig (CSU) sieht die Verantwortung für diese Gefahr bei Tirols Landeshauptmann Günther Platter. Der habe die Eskalation zu verantworten, er schiebe in „grenzenlosem Egoismus“ die Transit-Probleme in die Nachbarländer ab. Die Untätigkeit der EU-Kommission gegenüber diesen Regelverstößen mache sie „wütend“, sagt sie. Sie appelliert daher an Bund und Bayern, ein Vertragsverletzungsverfahren in Gang zu bringen.

Nach Auskunft des bayerischen Verkehrsministeriums hat sich Minister Christian Bernreiter bereits an die EU gewandt. Aber auch Bundesverkehrsminister Wissing solle sich „schleunigst ein Bild von der Lage“ machen. Daniela Ludwig stellt eine drastische Forderung in den Raum: Sollte nichts helfen, müsse man auch an eigene „Dosiertage“ denken.

Ob die EU da mitmacht? Bislang hat die Kommission kein Wohlwollen für den Klageweg signalisiert. Im Gegenteil. „Die Lage ist rechtlich und faktisch nicht so schwarz-weiß, wie sie aus bayerischer Sicht zuweilen gesehen wird“, sagte Jörg Wojahn, Vertreter der Kommission in Deutschland, den OVB-Heimatzeitungen.

Polizei stellt sich auf anstrengende Wochen ein: Die Termine

Die Verkehrspolizeiinspektion in Raubling wird in den kommenden drei Wochen mehr Beamte als sonst im Einsatz haben. Für solche Einsatzlagen werde die Verkehrspolizeiinspektion Rosenheim durch umliegende Dienststellen, andere Verkehrspolizeidienststellen oder geschlossene Einheiten unterstützt, berichtet Präsidiumssprecher Martni Emig. Eine besondere Herausforderung für die Einsatzplanungen stellen kurzfristig anberaumte Blockabfertigungen außerhalb des Dosierkalenders dar.

Offiziell eingetragen für die Blockabfertigung sind diese Termine: Montag, 23. Mai, Dienstag, 24. Mai, Mittwoch, 25. Mai (Tag vor Christi Himmelfahrt) Freitag, 27. Mai (Tag nach Christi Himmelfahrt) – Freitag, 3. Juni, Samstag, 4. Juni (Tag vor Pfingsten), Dienstag, 7. Juni (Tag nach Pfingsten), Mittwoch, 8. Juni, Donnerstag, 9. Juni, Montag, 13. Juni, Dienstag, 14. Juni, Mittwoch, 15. Juni (Tag vor Fronleichnam), Freitag, 17. Juni (Tag nach Fronleichnam).

Hinweis

In einer früheren Version war von einem Toten in Verbindung mit Stau und Blockabfertigung die Rede gewesen. Der Fahrer starb tatsächlich bei einem Auffahrunfall auf stehende Autos. Doch hatte sich der Stau nicht wegen der Blockabfertigung, sondern wegen der Pandemie-Kontrollen gebildet.

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