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So lautet das Urteil der Experten

Fehlende Bunker und drohende Blackouts: Region Rosenheim ist miserabel für Krisenfall gerüstet

Sirenen warnen vor Gefahr. Was aber, wenn die Gefahr in Gestalt eines Stromausfalls so nah ist, dass sie nicht mehr funktionieren?
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Sirenen warnen vor Gefahr. Was aber, wenn die Gefahr in Gestalt eines Stromausfalls so nah ist, dass sie nicht mehr funktionieren?
  • Michael Weiser
    VonMichael Weiser
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Der Krieg in der Ukraine macht auch den Deutschen klar, wie brüchig die Normalität ist. Was tun im Falle einer Krise oder gar eines Krieges? Die Region scheint nur bedingt fit für die Katastrophe zu sein. Doch kann auch jeder Einzelne etwas tun.

Rosenheim – Von 1977 bis 2002 hielt die Bundeswehr dort Stellung mit Hawk-Raketen, für den Fall, dass russische Kampfjets angreifen. Jahre später zog das Medizinische Katastrophen-Hilfswerk auf dem Gelände der längst abgerüsteten Raketenstellung Lampferding bei Tuntenhausen ein.

Nun bereitet man sich dort erneut auf Kriege und Krisen vor. In der MHW-Akademie können Bürger den „Selbsthilfekurs für die Bevölkerung“ belegen. „Enorm“, sei die Nachfrage, sagt Florian Brummer vom MHW. Der nächste Kurs Anfang Mai sei schon überbucht.

Auch weil die Vorbereitung auf die nächste Katastrophe unter den Nachwirkungen der aktuellen Krise leidet: Aufgrund der Abstandsregeln wegen der Corona-Pandemie gibt es weit weniger Plätze als Interessenten. „Die thematische Nachfrage spiegelt in erster Linie das aktuelle Weltgeschehen wieder“, sagt Brummer. Auch 2011, nach dem GAU im Atomkraftwerk Fukushima, sei die Nachfrage groß gewesen.

Stromausfall wäre für Landkreis Rosenheim eine Großkatastrophe

Im Landkreis Rosenheim erschüttert Putins Krieg gegen die Ukraine die Menschen. Seit dem Ende des Kalten Krieges war die Angst vor dem ganz großen Schlagabtausch nicht mehr so groß.

Wer in der Region aber auf sicheren Unterschlupf auch gegen Bomben und Granaten hofft, wird sich im Kriegsfall womöglich enttäuscht sehen. „Luftschutzräume befinden sich derzeit noch in zehn Gemeinden im Landkreis“, heißt es aus dem bayerischen Innenministerium. „Für diese läuft jedoch seit 2020 teils die Rückabwicklung oder die Auflösung.“

Regie bei der Rückgabe oder Umwidmung der Bunker führt die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben: „Die funktionale Erhaltung öffentlicher Schutzräume wurde aufgrund der geänderten Sicherheitslage nach Ende des Kalten Krieges bereits im Jahr 2007 eingestellt“, heißt es lapidar auf der Homepage der Behörde.

Allerdings könnten einige Räumlichkeiten mit einer Vorlaufzeit von „einigen Tagen“ in Schutzräume verwandelt werden, heißt wiederum seitens der Stadt Rosenheim. Solche „Schutzraumbauwerke“ gebe es noch in der Fachhochschule und im Finanzamt sowie an einer Wohnanlage.

Gegen einen konventionellen Krieg wie in der Ukraine wäre man zunächst mäßig geschützt. Auch sonst sehen Experten die Region und Deutschland auf Krisen großen Ausmaßes miserabel vorbereitet. Vor allem die Energieversorgung ist anfällig, Katastrophenschützer sehen Stromausfälle als besonders großes Risiko.

Im Landkreis gab es unter der Leitung von Kreisbrandrat Richard Schrank kürzlich eine Klausurtagung. Thema: Was tun im Falles eines großräumigen Stromausfalls? Fazit: Es besteht dringender Handlungsbedarf.

Ein Blackout stellte die Region vor einen Rattenschwanz von Problemen. Ampeln, private Haushalte, Rettungsdienste – unterschiedlichste Einrichtungen wären entweder abgeschnitten oder gleich ganz lahmgelegt. „Daraus haben wir einen großen Fragen- und Aufgabenkatalog zusammengestellt, den wir Stück für Stück abarbeiten“, sagt Schrank. „Momentan liegt der Schwerpunkt auf Kommunikation.“

Thomas Bugl: „Sind total abhängig von Strom“

Nachvollziehbar. Denn ohne Stromversorgung fällt Stück für Stück die Technik für den Austausch aus: Computer und Festnetztelefone, wie auch Funkgeräte und Handys. Gewarnt werden könnte über Sirenen – aber auch nur, so lange die noch von Hand betrieben werden.

Um Deutschland den Stecker zu ziehen, braucht es keinen Krieg, nicht einmal russische Hacker. „Man setzt auf erneuerbare Energien. Das ist schön“, sagt Schrank. „Doch die Versorgung für Grundlast kann nur aus einer Energiequelle kommen, die rund um die Uhr verfügbar ist.“ Denn Schwankungen toleriert das moderne Stromnetz kaum. Weil aber Kohle- und Kernkraft passé sind, sei Deutschland extrem anfällig.

„Vom Strom sind wir total abhängig“, sagt auch Thomas Bugl als Sprecher der Stadt Rosenheim. Die Stadt arbeite – anders als sonst bei der Krisen- und Katastrophenvorsorge – an eigenen Konzepten. Man werde versuchen, eine Stromversorgung auch der Bevölkerung wenigstens für Stunden am Tag zu gewährleisten, sagt Bugl.

Auch die Kommunikation sei gesichert, mittels „Roter Telefone“, die vom normalen Stromkreis unabhängig funktionierten. „Wir arbeiten außerdem an einem Messengerdienst, kompatibel mit der Polizei“, sagt Bugl.

Richard Schrank plädiert für Rettungsstützpunkte

Wie die Retter vom MHW auch pocht nicht nur Richard Schrank auf die Eigenverantwortung der Menschen. Und auf mehr Realismus. Kaum noch jemand könne sich vorstellen, was eine richtige Katastrophe sei. Der Extrem-Schneefall im Januar 2019, das Hochwasser im vergangenen Sommer – „das sind regionale Ereignisse, die wir als katastrophal bewerten“, sagt er. „Das hat aber nicht entfernt mit den Auswirkungen von drei oder fünf Tagen ohne Strom zu tun.“

Daher plädiert er auch für „Rettungsstützpunkte“ in jeder Gemeinde, mit ausgebildeten Rettern, vielleicht sogar eigenen Spritvorräten, um Rettungswagen in Gang zu halten, wenn – mangels Strom – Zapfsäulen nicht mehr bedient werden können.

Aber auch die Menschen müssten lernen, sich selbst zu versorgen, meint Schrank. Krisen nicht nur dem Staat überlassen, sich selbst zu helfen, um andern helfen zu können - das bedeute: „Wir müssen aus unserer Komfortzone raus.“

So bereitet man sich im Romed-Klinikum auf Krisen vor

Bei einem Stromausfall stellt sich die Lage im Romed-Klinikum wie folgt dar: Die Notstromaggregate laufen nach einem Spannungsabfall selbstständig an und versorgen die Sicherheitsstromversorgung des Klinikums. Während des Anlaufens der Notstromaggregate – das dauert nach Auskunft des Klinikverbunds weniger als 15 Sekunden - übernehmen die batteriegepufferten Ersatzanlagen die Versorgung der sensiblen Bereiche wie OP, Intensivstation und Notaufnahme.

Das Bereitschaftspersonal wird über die Leitzentrale automatisch informiert und begibt sich zu den Anlagen. Das Personal prüft, ob Fehler an internen Anlagen oder bei der Stromversorgung der Stadtwerke vorliegen.