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Landratsamt verschnupft - was ist dran am Projekt?

Neues Riesenterminal sorgt für Aufsehen: Droht der Region Rosenheim der nächste Verkehrshammer?

Lösung im Transitstreit? Lastwagen werden auf die Bahn verladen, um umweltschonend über den Brenner transportiert zu werden.
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Wenn Sattelschlepper Bahn fahren: Abfahrt für die Rollende Landstraße bei Wörgl.
  • Michael Weiser
    VonMichael Weiser
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Autobahnen, Schienen, Bundesstraßen: Die Region Rosenheim leidet stark unterm Verkehr. Nun könnte noch ein Hammer hinzukommen: Auf Wunsch Tirols sucht Bayern nach einem Standort für ein Terminal der Rollenden Landstraße. Was ist dran an dem Projekt?

Rosenheim – Droht der Region der nächste Verkehrshammer? Der Freistaat sucht in der Umgebung von Rosenheim nach einem Standort für ein Verladeterminal für die Rollende Landstraße. Und das offenbar ohne offizielle Ankündigung an die Politik im Landkreis. Im Landratsamt äußert man sich dementsprechend verschnupft.

Die Idee klingt ja eigentlich gut: Damit Sattelschlepper die Straßen nicht mehr verstopfen und die Umgebung mit Abgasen verstänkern können, verlädt man sie auf die Bahn. Und zwar als Ganzes, nicht nur mit Fracht, sondern auch mit Fahrzeug und Fahrer. Rollende Landstraße nennt sich das System, mit dem Straßen und Umwelt entlastet werden sollen. Von Staus, Abgasen, Lärm. Die Österreicher sehen darin den Weg, den Streit über den Brenner-Transit zu entschärfen, der dem Inntal gerade aktuell hohe Belastungen durch die Blockabfertigung beschert.

Ein Problem daran: Die Rollende Landstraße, kurz RoLa, benötigt nicht nur Schienen, die ohnehin schon verlegt sind. Sie benötigt auch Platz. Die Verlagerung von der Straße auf die Schiene geschieht in Stationen mit Zufahrtswegen und Parkplätzen, auf denen Dutzende Lastwagen abgestellt werden können. Und schließlich braucht man auch Rampen, auf denen die schweren Fahrzeuge auf spezielle Waggons bugsiert werden (siehe Infokasten).

Und genau so ein Terminal soll möglicherweise in der Gegend von Rosenheim gebaut werden. Eine diesbezügliche Anfrage der OVB-Heimatzeitungen bestätigte der Freistaat: Das bayerische Staatsministerium für Wohnen, Bau und Verkehr suche den Standort für ein Terminal für die Rollende Landstraße im Raum Rosenheim. Und zwar auf Wunsch Tirols.

Landrat Otto Lederer (CSU) weiß von dem Projekt, wurde aber nicht offiziell angesprochen. Unabhängig vom Ergebnis der Standort-Prüfung derzeit werde man ein solches Ansinnen „wohlbegründet ablehnen“, lässt Lederer über Sprecher Michael Fischer ausrichten.

RoLa hat Fans vor allem in Österreich

Was die Suche nach einem Standort einengt, sind die speziellen Voraussetzungen für so ein Terminal. „Der Raum Rosenheim kommt in Betracht, weil nördlich von Rosenheim Schiene und Autobahn nicht mehr parallel laufen“, sagte eine Sprecherin des Ministeriums. Zu weit nördlich von Rosenheim sind Schienen und Autobahn also zu weit voneinander entfernt. Heißt, dass bei der Verlagerung von Fracht von der Straße auf die Schiene zu viel Zeit liegen bleibt. .

Zu weit südlich von Rosenheim geht‘s offenbar auch nicht. Dort nehme die Staugefahr bei Blockabfertigung zu, „wodurch das Terminal seinen Sinn, nämlich die kurzfristige Verlagerungsmöglichkeit auf die Schiene, auch bei Stau durch Blockabfertigung, verlieren würde“.

Die RoLa hat ihre Befürworter vor allem in Österreich. Sprecher der ÖBB Rail Cargo Group (RCG) heben hervor, wie viele LKW-Kilometer eingespart werden. „Jede RoLa-Fahrt Wörgl–Brenner ist 35-mal umweltfreundlicher als eine Fahrt auf der Straße“, heißt es im Internet-Auftritt des Unternehmens. Die RoLa sei ein wichtiger Bestandteil des Vorhabens, den Brenner zu entlasten, sagt die grüne Verkehrspolitikerin Ingrid Felipe, Stellvertreterin von Tirols Landeshauptmann Günther Platter.

Wirtschaftlich ist die Rollende Landstraße offenbar nicht

Die Rollende Landstraße ist für die Österreicher jedoch ein Zuschussgeschäft. Mit 30 Millionen Euro fördert der Staat den Verladeverkehr. Die Wirtschaftlichkeit ist ein Thema auch aus bayerischer Sicht. „Eine RoLa auf dieser kurzen Strecke von Rosenheim zum Brenner ist für die Transportunternehmer zu teuer, weil Laufzeit und Streckenentfernung wirtschaftlich nicht zusammenpassen“, sagt Georg Dettendorfer von der Spedition Johann Dettendorfer in Nußdorf. „Volks- wie betriebswirtschaftlich Blödsinn“, sagt Karl Fischer vom Logistik-Kompetenzzentrum Prien. 

Lange Strecken könnten die Fahrer für ihre gesetzlich vorgeschriebenen Ruhepausen nutzen. Sinnvoll wäre in dieser Hinsicht eine Verbindung von Regensburg nach Trient, für die die Infrastruktur bereits vorhanden sei. Allerdings, so meldet wiederum das Verkehrsministerium: Diese Möglichkeit habe man geprüft und verworfen. Sie sie nicht wirtschaftlich, das Potenzial sei beschränkt, die Betriebskosten zu hoch.

München scheint nicht recht an die Rollende Landstraße zu glauben

Überhaupt macht man in München kein Hehl daraus, dass man den unbegleiteten Güterverkehr wegen der niedrigeren Personal- und Wartungskosten und wegen der höheren Nutzlast gegenüber der Rollenden Landstraße vorziehen würde. Außerdem habe man sich zum Ziel gesetzt, Güter nicht nur über ein kurzes Teilstück der Strecke auf die Schiene zu bringen.

Die Überzeugung, bei der Standortsuche in der Gegend von Rosenheim fündig zu werden, könnte sich vielleicht auch deswegen in engen Grenzen bewegen. Die technischen Anforderungen an einen Standort seien in der Umgebung von Rosenheim schwer zu vereinbaren. „Wir werden daher erst nach Abschluss der technischen Prüfung, soweit diese positiv ausfällt, die Öffentlichkeit und die lokale Politik beteiligen“, erfährt man aus dem Haus von Verkehrsminister Christian Bernreiter (CSU).

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