Ausgangssperre?

Landkreis Rosenheim nicht von harter Einschränkung betroffen

Gleich drei Schilder mit der Aufschrift „Bitte hier nicht stehen!“ hängen vor einem geschlossenen Glühwein-Stand auf dem Viktualienmark. Ab Mittwoch (09.12.2020) gilt eine Ausgangssperre zwischen 21.00 und 5.00 Uhr in der bayerischen Landeshauptstadt. 
+
Symbolbild: Gleich drei Schilder mit der Aufschrift „Bitte hier nicht stehen!“ hängen vor einem geschlossenen Glühwein-Stand auf dem Viktualienmark. Ab Mittwoch (09.12.2020) gilt eine Ausgangssperre zwischen 21.00 und 5.00 Uhr in der bayerischen Landeshauptstadt. 
  • Michael Weiser
    vonMichael Weiser
    schließen

Rosenheim – Endstation für den Adventsbus, Ungewissheit für den „Winter in Rosenheim“: Die Stadt Rosenheim tut sich schwer mit der Entscheidung über ihren „Weihnachtsmarkt light“, trotz der entschiedenen Aufforderung von Innenminister Joachim Herrmann (CSU) an die Adresse der bayerischen Bürger: „Bleiben Sie daheim!“

Update, 10.12.20

Rosenheim - Dabei gehört die Stadt Rosenheim mit einer Sieben-Tage-Inzidenz von 217 zu den 27 Landkreisen und Städten in Bayern, für die als Corona-Hotspots zusätzlich zu den landesweiten Beschränkungen noch eine Ausgangssperre zwischen 21 und 5 Uhr morgens gilt. Auch die Landkreise Traunstein (Sieben-Tage-Inzidenz von 238,6), Mühldorf (201,9) und Altötting (227,8) zählen zu den Hotspot-Regionen mit Ausgangssperre. Nicht betroffen ist der Landkreis Rosenheim, der eine Inzidenz von 173 aufweist.

Die Zahlen sind hoch, zu einer Absage des „Winters“ aber wollte sich die Stadt auch gestern nicht durchringen. Für die Verkaufsstände auf dem Max-Josefs-Platz gelte aber, das man wenigstens das Einkaufen noch zu einem freudigen Erlebnis machen wolle, sagte Wirtschaftsdezernent Thomas Bugl, „wir brauchen auch die Akzeptanz der Menschen.“ Das Gesundheitsamt halte den „Winter“ für unbedenklich. Was den Adventsbus angeht, sei er der Meinung der Kanzlerin, dass im ÖPNV das Ansteckungsrisiko zu hoch sei. Daher habe man den Shuttle nunmehr eingestellt.

Die Polizei bereitet sich nicht nur in Rosenheim auf noch mehr Kontrollen auch in der Nacht vor. „Wir werden mit ausreichend Personal alles daran setzen, die geltenden Regeln zu überwachen und zu kontrollieren“, sagt Alexander Huber, Sprecher des Polizeipräsidiums Oberbayern Süd.

Auf problematische Punkte wie im Stadtzentrum Rosenheims will die Polizei besonderes Augenmerk legen. 

Original-Artikel vom 8.12.20:

Stadt und Kreis Rosenheim müssen Corona-Zügel anziehen: „Furchtbar, aber eine Ausnahmesituation“

Temperatur und Stimmung nähern sich dem Nullpunkt.

Rosenheim – Die Stadt Rosenheim knapp vor der Ausgangssperre, eine Region, der die Nachbarn abhanden kommen: Die Corona-Regelungen unterziehen Stadt und Landkreis einem Stresstest. Doch es gibt auch Verständnis für Söders harten Anti-Pandemie-Kurs.

Passanten ohne Maske, zu große Gruppen von Menschen ohne ausreichenden Abstand: Das Treiben am vergangenen Wochenende auf dem Max-Josephs-Platz in Rosenheim löste bei manchen Menschen Kopfschütteln aus. Etwa bei Johanna Schildbach-Halser. „Verärgert und entsetzt über das Verhalten zahlreicher Passanten“ zeigte sie sich nach ihrem Besuch bei „Winter in Rosenheim“: „30 Prozent der Leute auf dem Platz waren ohne Maske.“

Beobachtungen von Mitarbeitern der OVB-Heimatzeitungen untermauern diesen Bericht. Vor allem am Nepomukbrunnen sah man Menschen, die essen, trinken oder rauchen oder zumindest so tun – um ihre Maske abnehmen zu können.

Das Hochamt des Leichtsinns

Ein Hochamt des Leichtsinns an dem Wochenende, an dem der bayerische Ministerpräsident in Sachen Corona den gestrengen Knecht Ruprecht gibt? Der „Winter in Rosenheim“ könnte dank leichtfertiger Besucher zu den ersten Dingen zählen, die der neuen, noch strengeren Corona-Richtlinie zum Opfer fallen.

Was Thomas Bugl schade fände. Der Wirtschaftsdezernent der Stadt Rosenheim freute sich zumindest an einer „gewissen Anmutung von vorweihnachtlicher Stimmung“ im Herzen Rosenheims. Andererseits sah auch er nicht nur das Licht der Weihnachts-Illumination, sondern auch Schatten. Man habe umgekehrt „die betrübliche Feststellung machen müssen, dass sich eine Reihe von Menschen nicht an die Regelungen für die Fußgängerzone gehalten hat.“ Diese Beobachtungen werde man in die Entscheidung einfließen lassen. „Es gilt, eine abgewogene Lösung zu finden, die einerseits den Anforderungen verschärfter Infektionsschutzregeln Rechnung trägt, auf der anderen Seite die vorweihnachtliche Stimmung nicht ganz abtötet.“

Weitere aktuelle rund um die Coronakrise finden Sie jederzeit auf unserer OVB-Themenseite.

Die Stimmung oder das, was davon noch übrig ist – schon jetzt ist dieser Advent für viele Menschen eine allzu stade Zeit. Und Ministerpräsident Markus Söder (CSU) schwor die Bayern auf noch grimmigere Zeiten ein. „Die Lage ist leider ernst“, sagte er am Wochenende nach der Kabinettssitzung, „es reicht einfach nicht, wir müssen mehr tun, wir müssen handeln.“

Was tun? Dazu gehört zum Beispiel eine Ausgangssperre für die Zeit zwischen 21 und 5 Uhr in Kommunen, die eine Siebentagesinzidenz von über 200 haben. Rosenheim stand am Montag laut Robert-Koch-Institut bei 218.

Unklar, was genau auf die Menschen zukommt

Alle nicht nötigen Besuche und Gänge einzustellen – die Menschen in der kreisfreien Stadt werden kaum darum herumkommen. „Alles steht unter der Überschrift Daheimbleiben, einfach Daheimbleiben, Kontakte reduzieren, Kontakte vermeiden“, sagte Söder. Eine Schock-Rede, so kann man das sehen. Nur mit welchen Folgen genau? Das war gestern noch nicht bekannt. Maßgeblich ist, was online im Bayerischen Ministerialblatt veröffentlicht ist. Und da stand erstmal – nichts.

Ausgangsbeschränkungen, Sperren, eine Pause für den „kleinen Grenzverkehr“ mit Tirol: All das konnte man Markus Söders Ansprachen entnehmen. Doch wie genau die Bestimmungen aussehen, war gestern noch nicht bekannt. Bei der Polizei darf man sich darauf einstellen, noch mehr Aufwand bei Kontrollen zu haben. Denn auch für die Ausgangssperre gibt es viele Ausnahmen. Aus beruflichen oder medizinischen Gründen beispielsweise darf man die Wohnung sehr wohl verlassen. „Wir kontrollieren intensiv, schon jetzt“, sagt dazu Alexander Huber, Sprecher des Polizeipräsidiums Oberbayern Süd. „Grundsätzlich können wir mehr noch nicht sagen, weil noch nichts beschlossen wurde.“

Der kleine Grenzverkehr dünnt weiter aus

Was bereits feststeht: Der kleine Grenzverkehr zwischen Bayern und Tirol wird mehr und mehr abgeschnürt. Für die Einreise nach Bayern gelten schon jetzt strenge Quarantäne-Auflagen. Allerdings nur für Menschen, die sich länger als 24 Stunden in Tirol aufgehalten haben. Besuche aus sportlichen oder touristischen Gründen sollen unterbleiben, der Einkauf ist noch möglich – für Bayern in Tirol, nicht aber umgekehrt. Und auch das nur noch heute. Ab Mittwoch ist auch ein solcher Besuch nicht mehr erwünscht und zieht Quarantänepflicht nach sich, eineinhalb Wochen, bevor Österreich die Schotten dichtmacht. Auch Skifahren bei den Nachbarn geht nicht mehr.

Corona teilt das Inntal – Bürgermeister Gruber äußert Verständnis für Söder

Betroffen ist davon besonders das Inntal. Getrennt zu Weihnachten? Eine schreckliche Vorstellung für den ÖVP-Politiker Walter J. Mayr von „Euregio Inntal“. Er hat den Tiroler Landeshauptmann Günther Platter in einem Brief um Milde für die Weihnachtsfeiertage gebeten: „Eine 24-Stundenregelung ohne folgende Quarantäneverpflichtung wäre ein gangbarer Weg, der aber viel Verständnis bei der Bevölkerung finden würde.“

Das OVB auf Facebook: Folgt uns und diskutiert mit anderen Lesern über Themen, die die Region bewegen.

Hajo Gruber ist Bürgermeister von Kiefersfelden und ein begeisterter Verfechter eines geeinten Europa. Er findet einerseits die Einschränkungen „furchtbar“, hätte sich vor allem Differenzierungen gewünscht. Auf der anderen Seite versteht er Söder. „Es ist nun einmal die oberste und vornehmste Pflicht des Staates, die Menschen zu schützen“, sagt er. Kiefersfelden mit seinen 7000 einwohnern habe 13 Tote, sagte er. „Ich unterschätze Corona ganz sicher nicht.“

Mehr zum Thema

Kommentare