Die Region Rosenheim macht Corona-Zwangspause: Alles, was nicht nötig ist, fährt runter

„Passen Sie auf sich auf“:Nina Gstatter, (Bild) Managerin des Golfclubs bedauert die Schließung. Reisner

Das öffentliche Leben in Bayern fährt auf Sparflamme runter, alles, was nicht notwendig ist, macht wegen COVID-19 dicht: Geschäfte, Sportstätten, Touristenattraktionen. Die Region Rosenheim verabschiedet sich auf ungewisse Zeit vom Normalzustand.

Rosenheim – So weit weg von den Menschen konnte Ludwig II. gar nicht bauen, dass das Coronavirus nicht den Weg dorthin finden würde. Konsequenz: Auch die zugkräftigsten Touristenattraktionen wie Schloss Herrenchiemsee sind dicht.

Nur noch Notbetrieb

Gärten und Parkanlagen im Bereich der Schlösserverwaltung bleiben zwar bis auf weiteres geöffnet, Touristen am Chiemsee aber werden kaum etwas davon haben: Seit gestern ist der Fahrplan von Prien und Gstadt zur Herren- und Fraueninsel auf einen zweistündigen Rhythmus reduziert. Die Fahrten dienen der Versorgung der Inselbewohner, ausdrücklich nicht zum Transport von Touristen. Denen bleibt zum Trost das Reisen im Internet. Auf den Internetseiten der Schlösserverwaltung findet man virtuelle Rundgänge durch Schlösser und Burgen, Bildergalerien und Bastelbögen und Puzzles für Kinder.

ADAC hilft noch bei Pannen

Auch der ADAC läuft nur noch gedrosselt. 18 Geschäftsstellen und Reisebüros des ADAC Südbayern werden geschlossen, auch die in Rosenheim. Telefonisch aber sind Reisebüros und Geschäftsstellen weiter erreichbar. Geholfen wird auch dem, dessen Fahrzeug liegenbleibt. „Die Pannenhilfe ist von den behördlich angeordneten Schließungen ausgenommen“, sagte ein Sprecher des ADAC auf Anfrage, „und zwar unter vom Robert-Koch-Institut empfohlenen Hygieneregeln.“

Einzelhandel beliefert Kunden

Die Konzernzentrale in Essen war nicht zu erreichen, vor Ort aber war zu erfahren: Karstadt in Rosenheim schließt auf unbestimmte Zeit, ebenso wie alle Geschäfte, die nichts dringend Erforderliches verkaufen.

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Der Rosenheimer Einzelhandel reagiert unter Federführung des City-Managements: Dutzende Geschäfte beliefern, von der Aivee Trauring-Manufaktur bis Ulla Popken.

Bergbahn bleibt im Tal

Auf Anordnung der Staatsregierung bleiben die Kampenwand-Seilbahn und Sonnen-Alm daher bis auf weiteres geschlossen. Die Ostereiersuche sowie alle Berg-Brunch-Termine bis 19. April sind ebenfalls betroffen. Geschlossen sind auch Berg- und Zahnradbahn am Wendelstein.

Nicht extra geschlossen werden muss die Hochriesbahn. Im Winter stellt diese Bergbahn ohnehin ihren Betrieb ein, die Wiederaufnahme der Fahrten im Frühling hätte in diesem Jahr auch ohne Corona wegen Sanierungsarbeiten bis nach Ostern gedauert.

Coronafall bei Stiftung Attl

Einen ersten Coronafall meldet die Stiftung Attl. Ein Mitarbeiter wurde positiv auf das Virus getestet. Ab heute seien die Inntal-Werkstätten für Menschen mit Behinderung, die Förderstätte sowie die Freizeitangebote der Offenen Behinderten-Arbeit geschlossen. „Wir begleiten in diesen Bereichen viele Personen, die zu einer Hochrisikogruppe gehören“, erklärt Stiftungsvorstand Jonas Glonnegger. „Die freiwerdenden Mitarbeiter werden ihre Kollegen im Wohnbereich in der Betreuung unterstützen“, sagt sein Vorstandskollege Franz Hartl.

Verwaiste Greens

Wer golft, betreibt seinen Sport meist im Freien und in einiger Entfernung von anderen Menschen. Was die Golfclubs nicht vor der Zwangspause bewahrt, ob in Höslwang, in Maxlrain, in Pfaffing, in Feldkirchen oder in Riedering. Wie zum Beispiel der Club in Höslwang mitteilte: „Der organisierte Spielbetrieb ist während dieser Zeitspanne auszusetzen.“ Was das bedeutet, darüber herrschte gestern Unsicherheit. Ist damit auch der Einzelgolfer ausgesperrt?

Auf der Homepage vom Golfclub Feldkirchen hieß es: „Wenn ein Golfer trotz der Empfehlung der Staatsregierung, das Haus nur in dringenden Fällen zu verlassen, meint, dazu gehöre seine tägliche Golfrunde, so ist diese seine Sache.“

Keine Erlaubnis, aber auch kein ausgesprochenes Verbot – davon war auch beim Golflcub Patting die Rede. Die Unschärfe ist gewollt: Eine vom Verband verhängte Platzsperre würde die Clubs vor unlösbare Kontrollaufgaben stellen. Und beim Kajak-Klub-Rosenheim? Der organisierte Betrieb samt Training ruht. „Einzeln unterwegs sein – das darf man“, sagt Toni Prijon, Vorsitzender des Kajak-Klubs. „Aber es gibt eine schriftliche Anweisung vom Sportamt, an alle Vereine, dass die Sportheime geschlossen sein müssen.“

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