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Bereits ein schwerer Unfall

Die Blockabfertigung ist zurück - Warum Tirol sogar zusätzliche Sondertermine ankündigt

Hilft bei Blockabfertigung zumindest den Gemeinden im Inntal: Mit Kontrollen verhinderte die Polizei auch am Dienstag, dass Laster von der Autobahn abweichen.
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Hilft bei Blockabfertigung zumindest den Gemeinden im Inntal: Mit Kontrollen verhinderte die Polizei auch am Dienstag, dass Laster von der Autobahn abweichen.
  • Michael Weiser
    VonMichael Weiser
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Der Sommer ist rum - auch nach dem Blockabfertigungskalender: Am Dienstag (4. Oktober) „dosierten“ die Tiroler nach acht Wochen Sommerpause wieder. Eine Maßnahme mit Folgen: Ein Porschefahrer rauschte ins Stau-Ende. Nächste Woche droht Chaos in größerem Ausmaß.

Rosenheim - Am Dienstag (4. Oktober) war‘s noch ein geplanter Termin gewesen: Denn am Tag nach einem Feiertag mit Fahrverboten verhängen die Tiroler nun einmal bevorzugt Blockabfertigungen, um den zu erwartenden Nachhol-Güterverkehr einzubremsen.

Nächste Woche kommt es anders. „Dringende Sanierungsmaßnahmen“, so heißt es seitens des österreichischen Autobahnbetreibers Asfinag, machten voraussichtlich vier weitere Termine für „Dosierungstage“ notwendig. Damit steht unerwartet auch in der kommende Woche auf der Autobahn im Inntal Chaos auf der Tagesordnung.

Ein Trost für die Menschen in den Inntal-Gemeinden: Bayerns Abfahrverbot für den Transit-Güterverkehr scheint zu wirken. Damit blieben die Gemeinden vom Ausweichverkehr offenbar weitgehend verschont. „Ich hab vom Rathaus aus nichts mitbekommen“, sagte ein erleichterter Raublinger Bürgermeister Olaf Kalsperger den OVB-Heimatzeitungen. „Es scheint also zu funktionieren.“ Eine gute Sache, meint Kalsperger. Auch wenn er bedauert, dass die „Lastwagenfahrer die Leidtragenden“ sind.

Die längste Brücke der Brenner-Autobahn ist marode

Nächste Woche wird der Druck nochmals steigen. Wegen der Sanierungen, die die Österreicher schon länger ankündigen. Schauplatz der aktuell Arbeiten ist die Luegbrücke auf der Brenner-Autobahn. Auf 1200 Quadratmetern wird neuer Asphalt verlegt. Ab Sonntagabend, 22 Uhr, wird die Brücke daher für mehrere Tage nur einspurig befahrbar sein. Die Arbeiten dauern nach Auskunft der Asfinag bis Freitagmorgen, 5 Uhr an. Blockabfertigung wird es am Montag, Dienstag, Mittwoch und Donnerstag, 10. bis 13. Oktober, geben.

Die Sanierungsarbeiten werden Tirolern und Bayern einen Vorgeschmack auf die zu erwartenden Strapazen in den kommenden Jahren geben. Denn die Luegbrücke, die längste Autobahnbrücke Nordtirols, ist nach gut 60 Jahren marode. Sie wird daher im Jahr 2025 sogar abgerissen und muss neu errichtet werden. Für den Verkehr sind dann weit übers Inntal hinaus schwere Behinderungen zu erwarten.

Am Dienstag bis zu zwölf Kilometer Stau

Am Dienstag sorgte die Blockabfertigung wie gewohnt für Behinderungen auf der Inntalautobahn - und für einen schweren Unfall. Ein Porschefahrer fuhr ins Stau-Ende, verursachte mindestens 150.000 Euro Schaden und verletzte sich leicht.

Die Tiroler hatten um 5 Uhr begonnen, Lastwagen nur noch in Blöcken von 100 Fahrzeugen pro Stunde über die Grenze zu lassen. Bis zum Ende der Maßnahmen um 10 Uhr wurde die Zahl bis auf 300 Lkw pro Stunde gesteigert. Der Lkw-Rückstau erreichte gegen 7.20 Uhr seine Höchstlänge von etwa zwölf Kilometern und ging somit bis über die Anschlussstelle Oberaudorf hinaus. Gegen 9 Uhr war der Rückstau bereits um gut einen Kilometer kürzer geworden. Da ereignete sich im Gemeindegebiet von Flintsbach der Verkehrsunfall.

Ein 22-Jähriger Österreicher war mit einem Porsche auf dem linken Fahrstreifen unterwegs. Als er sich dem Stauende näherte, kam er aus bisher unbekannten Gründen zu weit nach rechts ab und prallte gegen das linke hintere Eck des Anhängers eines slowakischen Lkws, der mit eingeschalteter Warnblinkanlage direkt am Stauende stand. Der Porsche geriet ins Schleudern und prallt dann noch gegen einen polnischen und deutschen Lkw.

Große Menge Diesel gelangte ins Erdreich

Der Fahrer des Porsches wurde leicht verletzt in ein Krankenhaus eingeliefert. Die Fahrer der Lkw im Alter von 46, 50 und 58 Jahren blieben unverletzt. Es entstand ein Gesamtschaden von mindestens 150.000 Euro. Am polnischen Lkw wurde durch den Zusammenstoß der Tank aufgerissen, weshalb eine große Menge Diesel auf die Fahrbahn und ins Erdreich neben der Fahrbahn lief.

Bis zum Ende der Bergungs- und Reinigungsarbeiten sperrte die Polizei die Fahrbahn Richtung Kufstein bis 11.40 Uhr komplett. Zu diesem Zeitpunkt hatte sich der Rückstau durch die Dosierungsmaßnahme bereits abgebaut. Da das mit Diesel verschmutzte Erdreich ausgebaggert werden musste, blieb der rechte Fahrstreifen noch bis gegen 15 Uhr gesperrt. Im Einsatz waren Beamte der Verkehrspolizeiinspektion Rosenheim mit Unterstützungskräften der Zentralen Ergänzungsdienste. Der Verkehr staute sich bis auf die A8 zurück, über eine Länge von insgesamt über 15 Kilometer. Einen Beleg für die Gefährlichkeit der Blockabfertigung sieht darin Daniel Artmann, CSU-Landtagskandidat für Rosenheim Ost: „Das ist einfach unfallträchtig.“

Hoffen und Bangen beim Thema Blockabfertigung

Seit 2017 haben die Tiroler die Blockabfertigungsschraube immer weiter angezogen. Nun ist der „Erfinder“ der Blockabfertigung, Tirols Landeshauptmann Günther Platter, endgültig in den Polit-Ruhestand gewechselt. Die Wahlen vor gut zehn Tagen brachten kein eindeutiges Ergebnis, eine Koalition der Wahlverlierer ÖVP und SPÖ besitzt aber einige Wahrscheinlichkeit. Damit dürfte der als pragmatisch bekannte ÖVP-Wirtschaftsexperte Anton Mattle Landeshauptmann werden. Gibt das Hoffnung für den Transit-Streit zwischen Bayern und Tirol?

Bayerns Verkehrsminister Christian Bernreiter verteidigte zwar Bayerns Abfahrverbot, sagte aber auch: „Das ist keine langfristige Lösung.“ Er sei nach wie vor überzeugt, dass eine Lösung nur „im gemeinsamen Dialog aller Anrainerländer“ gefunden werde. Bernreiter beobachtet gespannt die Koalitionsverhandlungen: „Ich hoffe, dass die neue Tiroler Landesregierung hier gesprächsbereit sein wird.“ So äußert sich auch Artmann: „Die Hoffnung bleibt.“

Daniela Ludwig rechnet mit noch mehr Terminen

Eine grundsätzliche Abkehr von der Blockabfertigung schätzt die Rosenheimer Bundestagsabgeordnete Daniela Ludwig (CSU) als unwahrscheinlich ein. „Ich sehe nicht, dass eine andere Koalition die grundsätzliche Haltung von Tirol zum Thema Güterverkehr auf der Inntalautobahn verändern wird.“ Sie hoffe aber auf eine „andere Art des Dialoges mit einem neuen Landeshauptmann“.

Insgesamt rechnet sie mit einer weiter steigenden Anzahl von Blockabfertigungen. „Tirol hat bereits angekündigt, weitere Dosiertage anzusetzen, wenn es Baustellen auf der Autobahn gibt“, sagt sie und meint die aktuellen Probleme auf der Luegbrücke. „Mit solchen „baustellenbedingten“ zusätzlichen Blockabfertigungen werden wir leider wohl auch in Zukunft rechnen müssen.“  
 

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