Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für . Danach können Sie gratis weiterlesen.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf
  • Jetzt für nur 0,99€ im ersten Monat testen
  • Unbegrenzter Zugang zu allen Berichten und Exklusiv-Artikeln
  • Lesen Sie nahezu werbefrei mit aktiviertem Ad-Blocker
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.


Umstrittene Corona-Maßnahme vertreibt Pfleger

Gerät Gesundheitssystem ins Wanken? Sorge in Region Rosenheim wegen Corona-Impfpflicht

Pflegefachkräfte sind jetzt schon begehrt. Betreiber rechnen damit, dass die partielle Impfpflicht ab 16. März den Druck noch verschärft.
+
Pflegefachkräfte sind jetzt schon begehrt. Betreiber rechnen damit, dass die partielle Impfpflicht ab 16. März den Druck noch verschärft.
  • Michael Weiser
    VonMichael Weiser
    schließen

Sie soll in der Region Rosenheim die besonders gefährdeten Menschen in Krankenhäusern und Altenheimen vor Corona schützen. Stattdessen könnte die Impfpflicht für Gesundheitsberufe Kliniken und Heime stressen. Betreiber fürchten um ihr Personal, das Gesundheitsamt rätselt über die Umsetzung.

Rosenheim – Die „einrichtungsbezogene Impfpflicht“ könnte Betreiber in der Region Rosenheim vor große Probleme stellen. Schon jetzt kommen Heimen und Krankenhäusern offenbar Mitarbeiter abhanden, wohl auch wegen der Belastungen durch die Pandemie oder wegen der Gesetzesänderung.

In Dezember 2021 und Januar 2022 waren insgesamt 251 Beschäftigte aus der Stadt und dem Landkreis Rosenheim bei der Agentur für Arbeit arbeitsuchend gemeldet, 165 mehr als in Dezember 2019 und im Januar 2020. Aus den Bereichen Gesundheits- und Krankenpflege sowie Altenpflege haben sich im gleichen Zeitraum 134 Beschäftigte gemeldet, 100 mehr als in denselben Monaten vor der Pandemie. Bei insgesamt rund 8000 Pflegekräften in der Region hält sich die Zahl zwar immer noch in Grenzen – aber der Anstieg ist dramatisch. Und er könnte erst der Anfang sein.

Gespanntes Warten auch in den Krankenhäusern. Die Kündigungen bewegten sich im üblichen Rahmen, heißt es aus dem Romed-Verbund, wegen der Impfpflicht habe man nur wenige Abgänge erlebt. „Noch keine Kündigung wegen der Impfpflicht“, sagt Heiko Leske, Sprecher des Verbunds Medical Park.

Allerdings: Laut den immer noch laufenden Abfragen liegt die Impfquote derzeit bei Romed und Medical Park jeweils um die 80 Prozent.

Impfpflicht: „Wir sind nicht glücklich damit“

Somit sorgt die Impfpflicht bei Betreibern für lange Gesichter. „Wir sind nicht glücklich damit“, sagt beispielsweise Hennig Löffler, Leiter des Caritas-Altenheims in Rosenheim. „Noch hat bei uns deswegen noch niemand gekündigt, aber einige haben schon gesagt, dass sie es tun werden.“

Jubel über die neuen Regeln hört man bei niemandem. Ab 16. März müssen Pflegeheime, Kliniken und andere Einrichtungen des Gesundheitswesens melden, wer vom Personal nicht geimpft oder genesen ist oder belegen kann, dass medizinische Gründe gegen eine Impfung sprechen. Die Klinikverwaltungen werden manche Vorgänge öfter bearbeiten müssen. Denn Nachweise einer überstandenen Corona-Infektion verlieren nach Auskunft des Landratsamtes 90 Tage nach dem positiven PCR-Test ihre Gültigkeit.

Das Gesundheitsamt ist schon jetzt überlastet

Alle Meldungen laufen beim Gesundheitsamt zusammen. Es soll jeden einzelnen Fall überprüfen und kann, muss aber nicht die Rote Karte zücken. „Wir stellen Mitarbeiter dementsprechend dann ohne Bezahlung frei“; sagt Heiko Leske, Sprecher des Klinikverbunds Medical Park.

Soweit die Theorie. In der Anwendung dürfte die Impfpflicht Probleme bereiten.

Die Zusatzaufgabe trifft eine Behörde, die in jüngster Zeit bereits so überlastet ist, dass es in Schulen praktisch die Schulleiter sind, die infizierte Kinder nach Hause schicken. „Das Gesundheitsamt ist personell maximal mit der Pandemiebekämpfung ausgelastet“, wiederholt denn auch Amtschef Dr. Wolfgang Hierl. Der Gesetzesänderung werde die Behörde noch einmal „erheblich“ belasten, „bisher ist es unklar, ob es zusätzliches Personal hierfür geben wird“. Was jüngst an Verstärkung kam, werde zur Kontaktnachverfolgung eingesetzt, heißt es aus dem Landratsamt.

So vieles bei der Umsetzung ist noch unklar

„Die Situation ist diffus“, sagt Elisabeth Kannengießer, Pflegedienstleiterin im Seniorenwohnheim Küpferling in Rosenheim. So vieles sei noch ungeklärt, etwa, ob der Immunstatus auch ohne Auffrischungsimpfung ausreicht. Mittlerweile seien die meisten Mitarbeiter in ihrer Einrichtung geimpft oder genesen. Personalknappheit verspüre sie noch keine. „Wenn irgendwann aber das Gesundheitsamt anfängt, mir in die Personalplanung dreinzureden, ist für mich die Planungssicherheit weg.“

Und wiie ist es mit dem Handwerksbetrieb, der Wartungsarbeiten in einem Altenheim übernimmt, wie mit dem Friseur, der Patienten in einem Krankenhaus die Haare schneidet? Wer ist dafür verantwortlich, diese Leute zu überprüfen?

„Das zieht einen Rattenschwanz nach sich“, sagt Heiko Leske.

Wie noch so einiges andere. „Wir wissen auch nicht, was wir tun sollen, wenn so viele Mitarbeiter gehen, dass wir den Betrieb nicht aufrechterhalten können“, sagt Hennig Löffler.

Von dem Gesetz geht nach Meinung von Experten überdies ein ungünstiges Signal aus. In Gesundheitsberufen Beschäftigte könnten sich diskriminiert sehen. Romed-Geschäftsführer Dr. Jens Deerberg-Wittram hatte sich kürzlich gegenüber den OVB-Heimatzeitungen für eine allgemeine Impfpflicht ausgesprochen, nicht aber für die partielle Impfpflicht, die nur die Stigmatisierung sehr angespannter Mitarbeiter bringe.

Die ohnehin überlasteten Pflegekräfte würden durch das Gesetz „nochmals eine Schlechterstellung erfahren“, heißt es auch in einem offenen Brief der AfD an Landrat Otto Lederer und Rosenheims Oberbürgermeister Andreas März, den unter anderem die Landtagsabgeordneten Andreas Winhart und Franz Bergmüller unterzeichnet haben.

„Es ist im Moment eh schon sehr schwierig“, sagt auch Hennig Löffler. „Das Energielevel unserer Mitarbeiter ist durch die Pandemie sehr strapaziert.“ Die partielle Impfpflicht: Sie könnte, so fürchtet Löffler, der Tropfen sein, der das Fass zum Überlaufen bringt.

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion