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Kreisvorsitzende Theresa Albrecht im Interview

Gastronomie in der Region Rosenheim nach Corona: „Der Flurschaden ist groß“

Zwei Jahre zum Vergessen: Corona-Lockdown und harte Einschränkungen ruinierten manchen Gastronomen.
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Zwei Jahre zum Vergessen: Corona-Lockdown und harte Einschränkungen ruinierten manchen Gastronomen.
  • Michael Weiser
    VonMichael Weiser
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Pandemie, Pleiten, Personalmangel: Zwei Jahre Corona haben der Gastronomie in der Region Rosenheim schwer zu schaffen gemacht, sagt Dehoga-Kreisvorsitzende Theresa Albrecht aus Rohrdorf. Was ihr trotzdem Hoffnung macht, erzählt sie im Interview.

Rohrdorf/Rosenheim – Zwei Jahre Auf und Ab während der Corona-Krise, Lockdown und Einschränkungen haben viele Gastronomen und Hoteliers in der Region Rosenheim schwer getroffen. Nun könnte der Weg in die Normalität beginnen. Über Pleiten, Personalmangel und Widerstandsfähigkeit der Betriebe in Stadt und Landkreis Rosenheim sprachen die OVB-Heimatzeitungen mit Theresa Albrecht, Hotel-Unternehmerin aus Rohrdorf und Kreisvorsitzende des Hotel- und Gaststättenverbands.

Wir sperren nicht mehr zu, so sagte kürzlich Bayerns Dehoga-Chefin Angelika Inselkammer. Sind Sie genauso zuversichtlich?

Theresa Albrecht: Ja, da bin ich optimistisch: Wir sperren nicht mehr zu. Ich könnte mir das auch gar nicht mehr vorstellen. Wir Wirte haben das bereits im Frühjahr gesagt, als die letzte große Corona-Welle anrollte. Die Bereitschaft dazu wäre bei uns nicht mehr vorhanden. Du kannst nicht einseitig einfach Branchen dichtmachen.

Dehoga-Kreisvorsitzende Theresa Albrecht.

Zehn Prozent der Betriebe haben dichtgemacht

Wie schwer getroffen ist die Gastronomie? Haben viele Wirtschaften dichtgemacht?

Albrecht: Der Flurschaden ist sehr, sehr groß. Die staatlichen Hilfen haben einiges abgefangen. Und doch haben über zehn Prozent zugemacht. Und dabei liegen die Zahlen 2021 noch nicht vor. Hinter jedem Betrieb stecken Menschen und ihre Lebensträume. Das ist bitter. Natürlich sind wir dankbar für die Hilfen, viele haben deswegen überlebt. Aber viele Betriebe sind auch so etwas wie die Altersvorsorge. Man investiert ja immer wieder, und wenn man pleitegeht oder verkauft, geht viel von den Reserven verloren. Viele Betriebe wurden zu absolut niedrigen Preisen aufgekauft, von Großfirmen, die auf Einkaufstour gegangen sind.

Wie stark haben die in unserer Region eingekauft?

Albrecht: In unserer Region sind die Betriebe sehr solide aufgestellt, auch weil sie während der Sommersaison viel wettmachen können.

„Zehn bis 20 Prozent der Mitarbeiter sind abgewandert“

Wie viel Personal haben die Betriebe eingebüßt?

Albrecht: Grundsätzlich benötigen wir für den gleichen Umsatz siebenmal mehr Mitarbeiter als der Einzelhandel. Entsprechend bräuchten wir sie jetzt wieder. Doch sind 10 bis 20 Prozent in andere Berufe abgewandert, und die fehlen uns. Dasselbe Problem haben aber andere Branchen auch. Handwerk zum Beispiel. Aber Sie können auch Ärzte und Anwälte fragen – der Nachwuchs ist durchweg rar.

Wie verlockend mag das auch für Nachwuchs sein, wenn ein Betrieb zwei Jahre lang immer wieder dichtmachen muss?

Albrecht: Das ist das Problem: Die Menschen meinen, dass wir keine sichere Branche wären. Aber man muss es so sehen: Dienstleistung wird es immer geben. Unsere Branche braucht immer gutes Fachpersonal. Es ist eine der sichersten Branchen. Denn bei allem Wandel: Uns wird es immer geben. Damit sind wir sehr krisenfest. Wir werden das mit dem Zusperren auch nicht mehr mit uns machen lassen- Wenn der Staat dichtmachen will, dann muss er eine Entschädigung zahlen. Und die kann sich der Staat ohnehin nicht mehr leisten.

Wie wichtig sind Gastronomie, aber auch Volksfeste wie das Herbstfest in Rosenheim?

Albrecht: Die haben eine enorme wirtschaftliche Bedeutung. Unabhängig davon sind sie sehr wichtig für das Wohlbefinden der Menschen.

„Selbst in Kriegszeiten wird Karneval gefeiert“

Die Betriebe könnten nach Corona durchstarten. Wie gefährlich sind steigende Preise für Energie und Lebensmittel fürs Comeback?

Albrecht: Es wird sicherlich so sein, dass Wirte Preise erhöhen müssen, um wirtschaftlich erhöhen. So wie andere auch. Es gibt keinen Bäcker, Handwerker oder Metzger, der nicht erhöht hätte. Aber die Menschen wollen feiern und weggehen, das war schon immer so – selbst in Kriegszeiten hat man Karneval gefeiert.

Mit Heizstrahlern für den Freibereich aber könnte es schwierig werden.

Albrecht: Heizstrahler sind so eine Sache. Es könnte teurer werden, ja. Aber es gibt Branchen, die noch energiebedürftiger sind – da ist noch eher die Hotellerie betroffen. Wobei viele aus ökologischen Gründen bereits umgestellt haben und ihre Betriebe mittlerweile sehr energiesparend betreiben.- Wir zum Beispiel heizen mit Hackschnitzeln und haben Photovoltaik auf den Dächern. Und wir sparen Wasser – insofern haben wir viele Hausaufgaben bereits gemacht.

Haben Sie den Eindruck, dass die Betriebe, die Corona und höhere Energiepreise überstanden haben werden, widerstandsfähiger gegen Krisen sind?

Albrecht: Wer Corona überlebt hat, überlebt vieles andere auch. Das war schlimmer als unser Hotelbrand, hat mir meine Mutter erzählt. Wir haben viele Täler durchschreiten müssen. Es ist das große, emotional fordernde Erlebnis unserer Generation – für alle Menschen. Besonders aber für die, die finanziell hart gebeutelt wurden.

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