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Neue Kennzahlen in der Corona-Pandemie

Was die Abkehr von der Alleinherrschaft der Inzidenzzahl für die Region Rosenheim bedeutet

Ab sofort genügt die OP-Maske: Stefanie Kunz von der Sebastian-Apotheke in Bad Aibling legt die FFP2-Maske erstmal ab.
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Ab sofort genügt die OP-Maske: Stefanie Kunz von der Sebastian-Apotheke in Bad Aibling legt die FFP2-Maske erstmal ab.
  • Michael Weiser
    VonMichael Weiser
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Über ein Jahr lang blickten die Verantwortlichen in Politik und Medizin auf die Inzidenzzahl der Neuansteckungen. Das ändert sich mit dem heutigen Tag. Wie man in Stadt und Landkreis Rosenheim auf den Abschied von der Corona-Alleinherrscherin reagiert.

Rosenheim – Bei 110 lag die Siebentageinzidenz gestern im Landkreis Rosenheim, bei 199,7 gar in der Stadt Rosenheim. Was insofern bedeutsam ist, weil diese Zahlen einen Abschluss markieren. Die Verantwortlichen in Politik und Medizin blickten womöglich zum letzten Mal auf diese Inzidenzzahl, als bilde sie den Pegelstand bei einer Flutkatastrophe ab.

Was sich im Freistaat ändert: Die neuen Corona-Regeln in Bayern

Seit heutigem Donnerstag gilt eine neue Infektionsschutzverordnung. Einer der zentralen Punkte: An die Stelle der Sieben-Tage-Infektionsinzidenz tritt die so genannte Krankenhausampel als Indikator für die Belastung des Gesundheitssystems. Die Reaktionen in der Region fallen überwiegend positiv aus.

Wann stößt das Klinikum an seine Grenzen?

Dr. Hanns Lohner, Chefarzt am Romed-Klinikum und Pandemiebeauftragter, sieht den weitgehenden Abschied von der Inzidenzzahl mit gemischten Gefühlen. Es sei schwierig, den Kurswechsel einzuschätzen, „wir müssen uns überlegen, was das für uns bedeutet“.

Die besondere Herausforderung liegt in den lokalen Unterschieden und der bayernweiten Regelung. Sehr wohl können bayernweit innerhalb von sieben Tagen deutlich weniger als 1200 Menschen mit Covid-19-Erkrankung in eine Klinik eingewiesen worden sei, was noch nicht mal die gelbe Stufe der Corona-Ampel auslösen würde, und doch könnten die Krankenhäuser in einer Hotspot-Region wie Rosenheim bereits an ihre Grenzen stoßen.

Derzeit werden bei Romed acht Menschen intensiv behandelt. Hochgerechnet von der Anzahl der Menschen im Landkreis Rosenheim (323.000) auf die Zahl der in Bayern lebenden Menschen – rund 13 Millionen – hat Lohner auf eine „Intensiv-Inzidenz“ von deutlich über 300 hochgerechnet. Das ist noch ein Stück von den alarmierenden 600 schwer hospitalisierten Menschen entfernt, bei denen die Ampel rot leuchten würde. In Rosenheim aber stellt man derlei Rechnungen mit Sorge an. „Wenn die Ampel auf Rot gestellt wird, dann ist die Belastung schon hoch – wir sind dann an der Grenze“, sagt Lohner. Bei den für die rote Ampel zugrundegelegten Werten „waren wir auf dem Höhepunkt der dritten Welle“.

„Fieberkurve“: Hierl achtet weiter auch auf Inzidenzzahl

Dr. Wolfgang Hierl, Leiter des Gesundheitsamts, begrüßt die Einführung weiterer Indikatoren, die seine Behörde selber schon länger für die Beurteilung der Pandemielage angelegt habe. Allerdings bleibe auch die Inzidenz ein wichtiges Kriterium, als Meßpunkt, wie dynamisch sich das Infektionsgeschehen entwickle. Sie sei wie eine „Fieberkurve, die uns anzeigt, in welche Richtung das Infektionsgeschehen geht“.

Gemischte Gefühle bei der Gastronomie

„Positives und Negatives“ entdeckt Theresa Albrecht aus Rohrdorf, Kreisvorsitzende des Hotel- und Gaststättenverbands. Die neuen Regelungen brächten eine „gewisse Erleichterung, auch für Clubs und Discos, die bislang ja noch keine Perspektive hatten“.

Was ihr nicht gefällt? „Dass wir Gastronomen Polizei spielen sollen“. Die Kontrolle auf Einhaltung der 3-G-Regeln bei den Gästen, sie obliegt in der Tat weiterhin den Wirten und Hoteliers. Zufrieden äußert sich Markus Wunderlich, der mit der OneBar und Tatis Bar in Rosenheim sowie dem Club Eiskeller in Aschau gleich drei Adressen für Nachtschwärmer unterhält. Keine Bitterkeit ob der Monate ohne Betrieb, vielmehr Freude auf den Neustart verspüre er, sagte Wunderlich den OVB-Heimatzeitungen. Die Kontrolle der drei „Gs“, ob also die Gäste genesen, geimpft oder getestet seien, bereite ihm kein Kopfzerbrechen. Die Disziplin der Nachtschwärmer sei gut, „die sind alle froh, dass es langsam wieder normal wird“.

Wirtschaft sieht sich bestätigt und ist erleichtert

Die Wirtschaft äußert Erleichterung und Zufriedenheit. Andreas Bensegger, Vorsitzender des IHK-Regionalausschusses Rosenheim, freut sich über mehr Planungssicherheit. Nachgebessert werden müsse aber immer noch. so sei es nicht fair, dass Kunden über Impfstatus oder eventuelle Genesung Auskunft geben müssten, sobald sie einen Laden betreten, dürfe man als Arbeitgeber derlei Daten von seinen Mitarbeitern nicht abfragen. „Mit der Geschwindigkeit der begleitenden Maßnahmen bin ich nicht zufrieden“, sagt er. „Da haben wir einiges verpennt.“ Immerhin gehen nach seinen Worten die Gespräche mit dem Gesundheitsministerium gut und schnell voran. Es gehe darum, so Bensegger, dass Mitarbeiter mit einem Testzertifikat ihres Arbeitgebers auch außerhalb der Firma, etwa beim Besuch in der Stammwirtschaft, ihren Status nachweisen können. Was er besonders begrüßt: Für den Handel fallen die Beschränkungen weitestgehend weg.

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Anton Heindl vom Gewerbeverband Rosenheim ist zufrieden. „Bis Januar hatte ich die Maßnahmen mitgetragen, aber dann habe ich ja auch gesagt, dass die Inzidenzzahl alleine diese entscheide Rolle nicht mehr spielen solle“, sagt er. Natürlich bestehe nun die Gefahr, dass Ungeimpfte sich nun ausgeschlossen fühlen könnten, „aber die können sich ja testen lassen“.

Stadt Rosenheim: Schon länger auf Abkehr von Inzidenz gedrängt

Wirtschaftsdezernent Thomas Bugl, Sprecher der Stadt Rosenheim, sieht die Linie der Stadt bestätigt. Mit dem Inkrafttreten der neuen Verordnung werde die Allgemeinverfügung der Stadt Rosenheim vom Freitag außer Kraft gesetzt.

Bereits im vergangenen Jahr habe man die Abkehr von der Inzidenz als Alleinbestimmerin angeregt. Für Nachbesserungen sieht er nur „marginalen Bedarf“. Allerdings: „Es wäre interessant zu wissen, welche Änderungen mit dem Erreichen der roten Warnstufe einhergehen.“ Diesen Fall hat die Staatsregierung tatsächlich ausgeklammert, sie müsste für den Alarmfall weitergehende Maßnahmen erst beraten.

Romed-Mediziner Hanns Lohner bereitet sich im Stillen offenbar auch schon auf stark steigende Zahlen vor. „Dafür, dass wir erst am Anfang der vierten Welle stehen, haben wir gerade eine recht hohe Intensivbelastung“, sagt er. „Das macht uns Sorgen.“

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