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Covid in der Region Rosenheim

Corona im Doppelpack: Warum sich die Herbstwelle erst noch richtig aufbauen könnte

Im dritten Corona-Herbst: Die Lage in der Region Rosenheim
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Vorm dritten Corona-Herbst: Die Lage in der Region Rosenheim
  • Michael Weiser
    VonMichael Weiser
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Diese Partys haben lange Nachwirkungen: Das Rosenheimer Herbstfest und wohl auch die Wiesn in München halten die Corona-Ansteckungszahlen in der Region Rosenheim auf einem hohen Niveau. Die richtige Herbstwelle könnte sich aber erst noch aufbauen. Was heißt das für Krankenhäuser?

Rosenheim - Erst das Herbstfest, dann das Oktoberfest in München: Die Doppelfolge der Festlichkeiten könnte als bayerischer Corona-Gipfel in die Geschichte der Epidemiologie eingehen. Das Gesundheitsamt in Rosenheim sieht sich jedenfalls auf gleicher Wellenlänge wie die Mehrheit der Experten, wenn es einen „deutlichen Effekt“ von Volksfesten auf das Infektionsgeschehen in der Region Rosenheim feststellt. Experten wie Dr. Hanns Lohner, Ärztlicher Direktor beim Romed-Klinikverbund, warnen daher vor Engpässen.

Die Corona-Ansteckungszahlen in den Gemeinden in der Region Rosenheim.

Das Maximum der Infektionsaktivität sei neun Tage nach Ende der Wiesn am 20. September (949,9) erreicht gewesen, teilt Gesundheitsamtschef Dr. Wolfgang Hierl mit. Die Zahlen sind ein wenig gesunken, mit einer Inzidenz von 852,79 (Landkreis) und 806,20 (kreisfreie Stadt Rosenheim) befindet sich die Stadt immerhin nicht mehr unter den Top Ten der deutschen Infektionshochburgen.

Viele Rosenheimer besuchten auch das Oktoberfest in München

Von Entwarnung will Hierl trotzdem nichts wissen. Es sieht vielmehr „Anzeichen für den Beginn einer Herbstwelle“. Und die baut sich gerade auf, wie man vermuten muss. Denn „der deutliche Effekt“, von dem Wolfgang Hierl sprach, galt lediglich für das Rosenheimer Herbstfest. Da war also noch gar nicht das Oktoberfest eingerechnet, das nur eine Woche nach dem Ende des Herbstfestes begann.

Das Münchner-Mega-Fest wird auch von Menschen aus der Region besucht. Darauf lassen jedenfalls die vielen in Tracht gewandeten Menschen schließen, die man tagtäglich ab Mittag in den Zügen nach München sehen konnte. Ein deutlicher Anstieg der Infektionszahlen im Verlauf der nächsten Woche ist also nicht unwahrscheinlich.

Vor zehn Monaten waren die Zahlen vergleichbar hoch

Vergleichbare Siebentage-Inzidenzen meldete das Robert-Koch-Institut vor nicht ganz einem Jahr. Im November 2021 sorgten die Infektionswellen für Entsetzen. Seit der Dominanz der Omikron-Variante, die sehr viel ansteckender, aber milder als die Vorgänger-Typen des Corona-Virus ist, hat Corona für viele Menschen den Schrecken verloren.

Zu Unrecht, wie Experten in der Region Rosenheim warnen. Wurden bislang viele Patienten wegen anderer Beschwerden ins Krankenhaus eingeliefert und dann erst positiv auf Corona getestet, sei nunmehr zunehmend Corona der Hauptgrund, sagt Ärztlicher Direktor Dr. Hanns Lohner: „ Mehr als die Hälfte der Patienten kommt mittlerweile nicht mit, sondern wegen einer Covid-Erkrankung.“

Die Herbstwelle bringt die Kliniken in Bedrängnis

Das Gesundheitsamt registriert eine beträchtliche Steigerung der mit Corona infizierten Patienten, von 110 auf 183 seit dem 22. September. Die Zahl der Intensivpatienten in der Region stieg von fünf auf neun. In drei Kliniken hätten sich zudem „nosokomiale Ausbruchsgeschehen“, also Infektionen im Krankenhaus, ereignet, die zu Aufnahmestopps geführt haben. Von einem „Ausbruchsgeschehen“ spricht man bei mindestens zwei Infizierten.

Vor allem der Romed-Verbund fängt die Corona-Welle auf. An seinen vier Standorten betreut Romed 100 Patienten. Man nähere sich bereits den „Spitzenwerten der Vergangenheit“, sagt Lohner. „Im letzten Jahr hatten wir erst Mitte November so viele Covid-Patienten wie dieses Jahr bereits Anfang Oktober.“

Besonders problematisch ist für Hierl weiterhin der „krankheitsbedingte Personalausfall im ärztlichen und pflegerischen Bereich“. Dem stimmt Lohner unbedingt zu. „Durch die Personalengpässe einerseits und den hohen Patientenzustrom andererseits steuern die Kliniken gerade wieder auf eine Überlastung zu“, sagt er. In der Notfallversorgung sei zunehmend enge Abstimmung zwischen den vier Romed-Kliniken verlangt, elektive Eingriffe werden verschoben.  
 

Rein reichnerisch war jeder Zweite schon infiziert

Vor dem dritten Corona-Herbst hat sich - zumindest rein rechnerisch - jeder Zweite in der Region bereits angesteckt. Die Fallzahlen stiegen in den vergangenen zwei Wochen in der kreisfreien 64.000-Einwohner-Stadt Rosenheim um 1023 auf 32.604 und im Landkreis Rosenheim um 4644 auf 169.156. Allerdings ist die Fallzahl nicht gleich die Zahl der Infizierten. Einerseits haben sich viele Menschen schon zweimal infiziert, andererseits haben andere wohl ihre Corona-Infektion gar nicht bemerkt.

Als an oder mit Corona gestorben wurde dem Gesundheitsamt in den vergangenen zwei Wochen ein Mensch gemeldet, der über 80 Jahre alt war und in einem Heim betreut wurde. 594 von 899 - oder zwei Drittel - der in der Region verstorbenen Menschen waren 80 Jahre oder älter.

Deswegen blickt das Gesundheitsamt besonders wachsam auf das Geschehen in den Alten- und Pflegeheimen. Aktuell sind - wie vor zwei Wochen - in 22 Heimen Infektionen verzeichnet. In drei Einrichtungen ereigneten sich Ausbrüche mit mehr als zehn Fällen bei Bewohnern. Somit steigen die Zahlen in den Heimen massiv: Betroffen waren insgesamt 104 (vor zwei Wochen: 31) Bewohner und 63 (30) Mitarbeiter. Die Verläufe seien meist mild, sagt Hierl, lediglich drei Bewohner mussten ins Krankenhaus.

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