Rauschgift für Drogenhandel über das Darknet bestellt

Weil sie kiloweise Drogen über das Darknet bestellt und im Raum Traunstein verkauft hatten, mussten sich jetzt drei Männer vor dem Landgericht Traunstein verantworten.
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Weil sie kiloweise Drogen über das Darknet bestellt und im Raum Traunstein verkauft hatten, mussten sich jetzt drei Männer vor dem Landgericht Traunstein verantworten.
  • vonMonika Kretzmer-Diepold
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Die Zweite Strafkammer am Landgericht Traunstein mit Vorsitzendem Richter Erich Fuchs verurteilte die beiden Traunsteiner und einen Siegsdorfer jetzt zu Freiheitsstrafen.

Außerdem ordnete das Gericht für alle die Unterbringung in einer Entzugsanstalt an. Anfang 2019 hatten sich die drei Männer im Alter von 33 bis 29 Jahren zu einer Bande zusammengeschlossen. Ein 29-Jähriger aus Traunstein war für die Bestellungen der Betäubungsmittel im Dark net zuständig. Ein 30-jähriger Siegsdorfer sorgte für die notwendigen Krypto-Währungen, die er über die Niederlande einwechselte. Ein 33-Jähriger aus Traunstein war für das Abholen der häufig auf fremde Adressen hinterlegten Drogenpakete an Packstationen verantwortlich.

Auf diese Weise gelangten gut ein Jahr lang insgesamt 19 Kilogramm Amphetamin nach Traunstein. Nach dem Teilen veräußerten die Dealer das Amphetamin mit einem Aufschlag an Konsumenten weiter. Jeweils ein Drittel der Betäubungsmittel rechnete das Gericht den Angeklagten im Urteil als Eigenkonsum an.

Die psychiatrischen Gutachter – Oberarzt Rainer Gerth und Dr. Josef Eberl, beide vom Bezirksklinikum in Gabersee – bescheinigten allen Angeklagten volle Schuldfähigkeit. Es habe sich ausnahmslos um „Hangtaten“ unter Suchtdruck gehandelt. Bei allen Tätern seien die Voraussetzungen für Unterbringung zum Entzug erfüllt.

Diese Empfehlungen trugen die Prozessbeteiligten in den Plädoyers und im Urteil mit.

Staatsanwältin Linda Arnótfalvy forderte zusätzlich Freiheitsstrafen von viereinhalb Jahren für den 30-Jährigen, vier Jahre und neun Monate für den vielfach vorbestraften 33-Jährigen und sieben Jahre und neun Monate für den 29-Jährigen. Die zwei älteren Angeklagten hätten sich von Anfang an geständig gezeigt, wertvolle Aufklärungshilfe geleistet. Unter den strafschärfenden Aspekten verwies die Anklägerin auf die hohen Drogenmengen und den langen Tatzeitraum. Zudem seien bei den Bestellungen die Namen anderer, ganz unbeteiligter Menschen verwendet worden.

Die Verteidiger des 33-Jährigen – Korbinian Ortner und Kristina Kraus, beide aus Traunstein, und Florian Wurtinger aus München – sowie der Verteidiger des 30-Jährigen, Harald Baumgärtl aus Rosenheim, beantragten Freiheitsstrafen von nicht mehr als vier Jahren für ihre Mandanten. Der Anwalt des 29-Jährigen, Andreas Müller aus München, hielt eine fünfeinhalbjährige Gesamtstrafe, in der eine Vorstrafe einbezogen war, für ausreichend. Alle Anwälte verneinten ein „bandenmäßiges“ Vorgehen.

Vorsitzender Richter Erich Fuchs hob beim Schuldspruch wegen achtfachen banden- und gewerbsmäßigen Drogenhandels heraus, die drei Männer hätten „nicht die typische Bande im Sinn der Organisierten Kriminalität gebildet, sondern mehr eine Einkaufsgemeinschaft“. Deshalb habe die Kammer bei allen auf „einen minderschweren Fall“ erkannt.

Das Gericht verhängte gegen den ältesten Täter viereinhalb Jahre Freiheitsstrafe, ein halbes Jahr weniger für den 30-Jährigen. Beide können damit umgehend ihre Entzugsbehandlungen beginnen. Der 29-Jährige erhielt fünf Jahre und acht Monate Haft.

16 MonateVorwegvollzug

Das Gericht ordnete einen Vorwegvollzug von 16 Monaten Haft an. Unter Berücksichtigung der Untersuchungshaft seit Anfang März 2020 muss der Traunsteiner tatsächlich „nur“ noch etwa fünf Monate vorab im Gefängnis verbüßen, ehe er die Unterbringung in einem Bezirksklinikum antritt.

Unter Zustimmung der Staatsanwältin wurde das Urteil noch im Gerichtssaal rechtskräftig.

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