Plädoyers gehalten

Prozess um Überfälle mit Machete und Elektroschocker in Traunstein: Freispruch gefordert

Mit einem Elektroschocker sollen die Angeklagten ihr Opfer nach dem Überfall gequält haben.
+
Mit einem Elektroschocker sollen die Angeklagten ihr Opfer nach dem Überfall gequält haben.
  • vonMonika Kretzmer-Diepold
    schließen

Der Verteidiger eines Chiemingers (37), der sich mit drei weiteren Männern wegen besonders schweren Raubs vor Gericht verantworten muss, hat am Freitag (23. Oktober) Freispruch für seinen Mandanten gefordert. Die Männer sollen ihre Opfer unter anderem mit einem Elektrschocker gequält haben.

Traunstein/Chieming – Massive Drogen- beziehungsweise Alkoholprobleme und zumeist noch Straftaten mit entsprechenden Konsequenzen durchziehen die Lebensgeschichten von vier Angeklagten, die für zwei Überfälle auf einen 39-Jährigen in Traunreut und einen körperlich behinderten 54-jährigen Traunsteiner verantwortlich waren. Die Zweite Strafkammer am Landgericht Traunstein mit Vorsitzendem Richter Erich Fuchs nahm gestern die sechs Plädoyers entgegen und wird das Urteil am Dienstag, 27. Oktober, um 16 Uhr verkünden.

Rippenbrüche und Prellungen

Die vier Männer im Alter zwischen 32 und 38 Jahren hatten die tätlichen Angriffe am 11. April 2019 des Nachts in Traunreut und am Nachmittag des 11. Januar 2020 in unterschiedlicher Besetzung jeweils zu dritt verübt. Beide Opfer trugen erhebliche Verletzungen davon, der 54-Jährige Rippenbrüche, eine Nasenbeinfraktur, Prellungen und Schürfungen, der 39-Jährige diverse Verletzungen im Gesicht. Die Angeklagten gaben zu, jeweils an den Tatorten gewesen zu sein.

Staatsanwalt Thomas Peter modifizierte im Plädoyer den ursprünglich zugrunde gelegten Sachverhalt geringfügig aufgrund der Beweisaufnahme. So könne das Verwenden eines Schlagrings in der Wohnung in Traunreut nicht nachgewiesen werden. Dennoch führe der Überfall bei den Beteiligten zu „gefährlicher Körperverletzung“ – wegen der „gemeinschaftlichen Begehensweise“.

„Wohnung wie ein Überfallkommando gestürmt“

Der Staatsanwalt wörtlich: „Die Täter haben die Wohnung wie ein Überfallkommando gestürmt.“ Unter ihnen war ein – als einziger bislang nicht vorbestrafter – 32-jähriger Traunreuter, für den der Staatsanwalt zusammen mit einem Drogendelikt gestern insgesamt 15 Monate Freiheitsstrafe mit Bewährung samt Alkoholtherapieauflage beantragte.

Zu dem zweiten Vorwurf, dem Raub mit gefährlicher Körperverletzung in der Wohnung in Traunstein, führte der Ankläger aus: „Der 54-Jährige wurde mit einem Elektroschocker gequält. Er wurde geschlagen und getreten. An der Klinge der Machete fand sich die Genspur eines Angeklagten.“ Insgesamt sei der Ablauf einschließlich des besonders schweren Raubs von Geld und Drogen aus dem legalen Besitz des 54-Jährigen nachgewiesen.

Lesen Sie auch:

Messerattacke auf Frasdorfer Parkplatz: Täter (19) aus München muss in die Psychiatrie

Der vielfach vorgeahndete 38-Jährige aus Garching solle wegen der realisierten Delikte für neun Jahre hinter Gitter, forderte der Staatsanwalt. Eine Unterbringung zum Entzug sei nicht anzuordnen. Für den 33-Jährigen aus Traunreut, ebenfalls mit erheblichen Vorstrafen im Strafregister, seien acht Jahre Haft angemessen. Auch bei ihm scheide Unterbringung aus.

Der Hintergrund: Der psychiatrische Sachverständige, Dr. Josef Eberl vom Bezirksklinikum in Gabersee, hatte beide Männer für nicht mehr therapiefähig eingestuft. Beide haben bereits jeweils mehr als 20 Entzugsbehandlungen nicht erfolgreich durchgestanden. Mehrere Therapien waren in der Vergangenheit gescheitert. Ein 37-Jähriger aus Chieming, der nur in Traunstein mit dabei war, soll nach Willen des Staatsanwalts für sechs Jahre hinter Gitter. Auch bei ihm hatte der Gutachter die Voraussetzungen für Unterbringung verneint.

Schmerzensgeld „ein Zeichen des guten Willens“

Nebenklagevertreter Benedikt Gschwendner schloss sich namens des 54-jährigen Opfers an und hob die „extreme Brutalität gegenüber einem wehrlosen Menschen“ heraus. Sein Mandant hätte das Geld und die ihm vom Arzt verschriebenen Drogen auch so herausgegeben. Das Schmerzensgeld von zwei der Angeklagten mit jeweils 3000 Euro sei nicht hoch, aber „ein Zeichen des guten Willens“.

Lesen Sie auch:

Autofahrer mit Bierflasche attackiert – Geldstrafe für 29-jährigen Rosenheimer

Die Verteidiger gelangten in ihren Schlussvorträgen zu etwas anderen Tatverläufen und dadurch weniger schwerwiegenden Straftaten als der Staatsanwalt. Karl-Heinz Merkl aus Burghausen hielt für den 38-Jährigen aus Garching vier Jahre drei Monate Haft für ausreichend. Zusätzlich solle - abweichend vom Sachverständigen – doch eine Unterbringung wegen der langjährigen Drogensucht erfolgen.

Für eine Freiheitsstrafe von lediglich vier Jahren und – ebenfalls entgegen der Sachverständigenempfehlung und unter Bezug auf eine externe Suchtberaterin – eine Langzeittherapie setzte sich der Verteidiger des 33-jährigen Traunreuters, Jörg Zürner aus Mühldorf, ein.

Verteidiger fordert Freispruch

Hanns Barbarino aus Altötting argumentierte, der 37-jährige Chieminger habe in der Wohnung in Traunstein alles „beobachtet“, aber keine Aufpasserdienste geleistet. Freispruch sei erforderlich – inklusive Haftentschädigung. Verteidigerin Kerstin Zinke aus Traunreut berief sich bezüglich des Vorfalls in Traunreut darauf, einen gemeinsamen Tatentschluss habe es nicht gegeben. Der 32-Jährige sei freizusprechen. Für seine Beteiligung in Traunstein sei eine Geldstrafe ausreichend.

Kommentare