60-JÄHRIGER VOR GERICHT

Prozess um Tote Frau aus Bergen: War es ein Mord aus Habgier?

Nach Zeugenhinweisen entdeckten die Ermittler den weinroten Pkw der 59-Jährigen am 30. Januar im Bereich Haidforst nördlich von Traunstein. Das Fahrzeug war auf der Beifahrerseite erheblich beschädigt.Polizei
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Nach Zeugenhinweisen entdeckten die Ermittler den weinroten Pkw der 59-Jährigen am 30. Januar im Bereich Haidforst nördlich von Traunstein. Das Fahrzeug war auf der Beifahrerseite erheblich beschädigt.Polizei
  • vonMonika Kretzmer-Diepold
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Drei Monate nach dem zunächst rätselhaften Verschwinden einer 59-jährigen Frau aus Bergen am 8. Januar 2020 führte der mutmaßlich für ihren Tod Verantwortliche, ein 60-jähriger Deutscher, die Polizei zum Versteck der Leiche im Gemeindebereich von Siegsdorf. Ab 9. März muss er sich wegen Mords vor Gericht verantworten.

Traunstein/Bergen – .Staatsanwalt Markus Andrä geht in der Anklage von „Mord aus Habgier“ aus. Der Hintergrund: Die Frau hatte vor ihrem Ableben einen erheblichen Bargeldbetrag in der Wohnung aufbewahrt, der später nicht mehr auffindbar war. Die Verteidigung des 60-Jährigen hat Rechtsanwalt Harald Baumgärtl aus Rosenheim übernommen.

Sonderkommission ins Leben gerufen

Die 59-Jährige wollte an jenem Tag vor gut einem Jahr mit ihrem Opel Insigna nach Österreich fahren, kam jedoch dort nie an. Nachdem tagelang jedes Lebenszeichen von der Frau fehlte, wurde Mitte Januar 2020 die Kripo Traunstein eingeschaltet. Nach Zeugenhinweisen entdeckten die Ermittler den weinroten Pkw am 30. Januar im Bereich Haidforst nördlich von Traunstein. Das Fahrzeug wies erhebliche Beschädigungen auf. Großangelegte Suchaktionen der Bayerischen Bereitschaftspolizei im Bereich Traunstein-Bergen erbrachten keine Hinweise auf den Verbleib der Vermissten.

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Ab Ende Januar arbeiteten die Traunsteiner Ermittler der Staatsanwaltschaft und der Kripo mit den österreichischen Polizeibehörden der Landeskriminalämter Linz und Salzburg sowie der Staatsanwaltschaft Salzburg eng zusammen. Da sich die Verdachtsmomente auf ein Tötungsdelikt verstärkten, wurde am 3. Februar in Traunstein die „Sonderkommission Manuela“ unter Leitung von Kriminaldirektor Hans-Peter Butz ins Leben gerufen.

Festnahme in Freilassing

Aufwendige Ermittlungen und kriminaltechnische Untersuchungen folgten. Viele Erkenntnisse deuteten auf den jetzigen Angeklagten hin. Beamte der Kriminalpolizeiinspektion nahmen den Tatverdächtigen am 7. März in Freilassing wegen dringenden Mordverdachts vorläufig fest. Er leistete keinen Widerstand und leugnete zunächst jegliche Tatbeteiligung.

Ein Vierteljahr nach dem Verschwinden der 59-Jährigen bestätigte sich jedoch die schon lange gehegte Vermutung, die 59-Jährige sei Opfer eines Gewaltverbrechens geworden. Einen Tag nach der Inhaftierung besann sich der 60-Jährige und führte die Polizei zum Versteck der Leiche.

Die Obduktion im Institut für Rechtsmedizin an der Universität München bestätigte die Identität der Toten. Das Opfer, wahrscheinlich in der eigenen Wohnung in Bergen verstorben, wies deutliche Zeichen stumpfer Gewalt auf, wie die Polizei damals mitteilte. Bei einer Pressekonferenz im März hieß es, der Tatverdächtige und die Verstorbene hätten sich über ein Dating-Portal kennengelernt. Der 60-Jährige habe die Frau zur Tatzeit zuhause besucht.

700 Spuren ausgewertet

Die Beamten der „SoKo Manuela“ waren im Zug ihrer Ermittlungen ungewöhnlich vielen Spuren nachgegangen und hatten knapp 700 kriminaltechnische Auswertungen veranlasst. Das Schwurgericht mit Vorsitzendem Richter Erich Fuchs wird dazu in der Hauptverhandlung eine ganze Reihe von Sachverständigen anhören. Bei zahlreichen Suchmaßnahmen im Landkreis Traunstein wurden im Lauf der Zeit mehrere Wald- und Flurgebiete, der Waginger See sowie umliegende Gewässer mit Hilfe abgesucht. In einem Schilfbereich am Waginger See wurde eine Matratze sowie Bettzeug aus der Wohnung des Opfers aufgefunden. Die Leiche der 59-Jährigen befand sich letztlich in einem Waldstück im Gemeindebereich Siegsdorf. Für dieses Gebiet hatten keinerlei Hinweise vorgelegen. Deshalb war dort auch nie gesucht worden.

Der Prozess wird nach dem Auftakt am 9. März am 15., 22., 23., 25. und 26. März, jeweils um 9 Uhr fortgesetzt.

Die Leiche der 59-jährigen Frau aus Bergen wurde im März gefunden.

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