Quarantäne-Verordnung

Priener Hütte: Wirt erteilt Tirolern wegen Corona grundsätzliches Hausverbot - darf er das?

  • Michael Weiser
    vonMichael Weiser
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Dieses Foto sorgt in den Sozialen Netzwerken und im echten Leben für Riesendiskussionen: Der Wirt der Priener Hütte verwehrt Gästen aus Tirol den Zutritt. Tirol gilt als Corona-Risikogebiet. Der Wirt fühlt sich im Recht - hat er das auch?

Kiefersfelden/Kufstein – „Leider kein Zutritt für Gäste aus Tirol!“: Dieser Satz auf einem Aushang an der Tür der Priener Hütte sorgt für große Verstimmung unter Nachbarn. Hintergrund des Zettels: die Quarantäne-Verordnung des Freistaats. Das aber lindert den Zorn der Tiroler nicht.

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Die Hüttenwirte Monika Becht und Andreas Buttler vor der Priener Hütte

In einer Kufsteiner Facebook-Gruppe häuften sich unter einem Post mit dem Foto von dem Aushang die empörten Kommentare. „So etwas jemals an einer Hütte unserer bayrischen Nachbarn zu lesen, hätte ich niemals für möglich gehalten“, klagt noch einer der gemäßigten Facebook-Nutzer aus Österreich. „Ich hoffe, dass alle Tiroler mit Ehre und Anstand diese Hütte niemals mehr betreten.“

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Wirt der Priener Hütte fürchtet hohe Bußgelder

Hüttenwirt Andreas Buttler versucht, die Wogen zu glätten. Es handle sich um eine Maßnahme nach dem Corona-Quarantäne-Gesetz Bayerns. „Da Tirol zum Risikogebiet erklärt wurde, müssen sich Einreisende aus Tirol für 14 Tage in Quarantäne begeben und dürfen sich deshalb nicht auf der Hütte aufhalten oder von uns beherbergt werden“, erklärt Buttler. „Bei Verstoß gegen das Beherbergungsverbot droht uns ein hohes Bußgeld.“ Die Hütten-Crew bedauere das sehr. „Uns sind alle Gäste gleich wichtig, egal wo sie her sind, welche Hautfarbe, welcher Dialekt“, sagt Buttler auf Anfrage der OVB-Heimatzeitungen. „Viele unserer Stammgäste stammen von der Tiroler Seite des Berges.“

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Der Aushang in der Priener Hütte: Er verwehrt Gästen aus Tirol den Zutritt. Die Begründung: Tirol sei Corona-Risikogebiet

Verständnis von Kufsteiner Seite

Kufsteins Bürgermeister Martin Krumschnabel hat Verständnis für den Wirt. „Der Wirt fürchtet sich halt vor den hohen Strafen. Das klingt schrecklich, was da auf dem Zettel steht, aber es ist wohl ein Akt der Notwehr.“ Der Alpenverein stellt sich ebenfalls an die Seite des Wirts. „Wie sollen Hüttenwirte mit dieser Vorgabe in der Praxis umgehen?“, fragt Sprecher Thomas Bucher. „Sollen sie jeden Gast fragen, wo er herkommt? Und dann gegebenenfalls wieder zum Gehen auffordern?“ Ein Hinweiszettel an der Tür sei insofern ein angemessenes Mittel, ein hohes Bußgeld zu vermeiden.

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Der Wirt ist wohl im Irrtum

Ist es das, ein angemessenes Mittel? Oder haben sich die Wirtsleute der Priener Hütte unnötig unfreundlich verhalten? Aus den Verordnungen geht klar hervor, dass ein Beherbergungsbetrieb mit hohen Bußgeldern zu rechnen hat, wenn er Gäste aus Risikogebieten beherbergt. Weniger klar ist darin aber auch noch etwas anderes zu lesen. Tirol ist nach Auskunft von Sprecher Marcus de Gloria-Martins kein Risikogebiet im Sinne dieser Satzung. Und zwar aus dem Grunde, weil es nicht auf dem ministeriellen Verkündigungsblatt auftaucht. Das Problem seien die Besucher von Tirolern, die ohne Quarantäne ohne triftige Gründe gar nicht einreisen dürften.

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