Granaten-Zünder im Chiemsee: Badegäste machen den Fund nur 100 Meter vom Ufer entfernt

Am Nordufer des Chiemsees wurden diese Granaten gefunden – mit sprengfähigem Zünder.
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Am Nordufer des Chiemsees wurden diese Granatenzünder gefunden – sprengfähig und damit hochgefährlich.
  • Dirk Breitfuß
    vonDirk Breitfuß
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Im idyllischem Chiemsee sind lebensgefährliche Erinnerungen an den 2. Weltkrieg verborgen. Wir haben Experten befragt: Warum taucht die Munition erst jetzt auf?

Update 17. September, 11.51 Uhr:

Nur 100 Meter vom Ufer entfernt

Die Granaten hatten am Mittwoch, dem 16. September, gegen 17.30 Uhr offenbar Urlaubsgäste entdeckt und die Seebrucker Wasserwacht verständigt. Die Badegäste waren gleich darauf vom Fundort verschwunden, berichtet Roland Kempf, Leiter der Wasserschutzpolizei (WSP) Prien. Ein Wasserwachtler hatte dann die Polizei verständigt.

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Der Fundort lag etwa 100 Meter von Ufer entfernt bei Seebruck in der Nähe der Linie, auf der die Dampfer der Chiemseesschifffahrt fahren. Dass Munition aus dem Zweiten Weltkrieg von Dampfern oder anderen Schiffen durch die Verwirbelungen der Schrauben freigelegt werden, sei keine Seltenheit, mutmaßt Kempf, warum die Munition jetzt aufgetaucht ist. Zudem ist der Wasserstand gerade etwa zehn Zentimeter niedriger als im Jahresdurchschnitt. Deshalb können Badegäste im Flachwasser, das besonders am Nordufer häufig ist, weiter in den See waten, ohne schwimmen zu müssen.

Spezialkräfte kamen aus München

Die WSP schickte Fotos des Funds zum Kampfmittelräumdienst nach München. Weil die Spezialisten die Granaten als gefährlich einstuften, wurde entschieden, sie noch am späten Abend zu bergen. Das war nicht ganz einfach, schildert Kempf, weil zur Dunkelheit auch noch auflandiger Wind aufkam. In den späten Abendstunden konnte dann Entwarnung gegeben werden. Der Kampfmittelräumdienst nahm die Granaten mit.

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Munitionsfunde beschäftigen die Wasserschutzpolizei am Chiemsee jedes Jahr mehrfach. Immer wieder tauchen Fundstücke aus dem Krieg auf. 2019 musste zum Beispiel eine Handgranate bei Chieming vor Ort gesprengt werden, weil ein Abtransport zu riskant gewesen wäre, erinnert sich Kempf.

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17. September, 10.45 Uhr: Pressemitteilung der Polizei Prien

Am Mittwochabend wurde die Polizei Prien informiert, dass am Nordufer des Chiemsees mehrere Granaten im flachen Wasser von Badegästen aufgefunden wurden. Mit einer Unterwasserkamera der Wasserschutzpolizei Prien konnten Aufnahmen der Kriegsrelikte gefertigt und an den Kampfmittelräumdienst übermittelt werden.

13 scharfe Sprengzünder

Die Bewertung der Bilder durch die Munitionsexperten ergab, dass es sich um sprengfähige Zünder für Granaten, welche aus dem 2. Weltkrieg stammen, handelt. Da von den Munitionsteilen eine erhebliche Explosionsgefahr ausging wurde entschieden diese noch in der Nacht zu bergen. In einer gemeinsamen Aktion der WSP Prien mit den Spezialisten des Kampfmittelräumdienstes konnten 13 scharfe Sprengzünder und 1 Granate aus ca. 1,5 m Wassertiefe geborgen werden.

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Die Wasserschutzpolizei weist in diesem Zusammenhang drauf hin, dass insbesondere bei niedrigen Wasserständen an den Gewässern immer wieder mit Munitionsfunden gerechnet werden muss. Beim Auffinden von verdächtigen Gegenständen dürfen diese auf keinen Fall berührt oder gar selbstständig geborgen werden, da von Blindgängern immer eine Explosionsgefahr ausgehen kann. Es ist stets die Polizei zu informieren. 

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