Polizistin ins Gesicht geschlagen: Traunsteiner Gericht lehnt Unterbringung einer 27-Jährigen ab

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Weil sie unter anderem einer Polizistin ins Gesicht geschlagen haben soll, musste sich jetzt eine 27-jährige Frau aus dem Landkreis Rosenheim in Traunstein vor Gericht verantworten. Den Antrag der Staatsanwaltschaft, die Angeklagte in einer psychiatrischen Einrichtung unterzubringen, lehnte das Gericht aber ab.

Von Monika Kretzmer-Diepold

Traunstein/Rosenheim – Mehrmals fiel eine psychisch kranke, wohnsitzlose 27-jährige Frau mit Drogenproblemen im Landkreis Rosenheim durch Diebstähle und durch Vorfälle auf, die zu Polizeieinsätzen führten – in Bad Endorf, Großkarolinenfeld und Rosenheim. Die Sechste Strafkammer am Landgericht Traunstein mit Vorsitzendem Richter Dr. Jürgen Zenkel lehnte jetzt den Antrag der Staatsanwaltschaft ab, die Unterbringung der Beschuldigten in einem psychiatrischen Krankenhaus anzuordnen.

Schlag-, Tret- und Beißversuche

In einem Lokal in Bad Endorf ereignete sich am 30. Dezember 2018 der erste Vorfall. Die 27-Jährige wirkte auf den Inhaber völlig verwirrt. Er verständigte die Polizei Prien, die mit mehreren Beamten anrückte. Laut Antragsschrift von Staatsanwalt Dr. Ralf Burkhard leistete die Frau einem Platzverweis keine Folge. Die Frau versuchte wiederholt, sich aus den Griffen der Polizisten herauszuwinden. Sie musste unter Kraftaufwand fixiert werden.

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Unmittelbar vor dem Einstieg in das Dienstfahrzeug versuchte sie, einem der Beamten einen Fußtritt zu versetzen, traf ihn aber nicht. Eine Polizistin bekam in der Dienststelle Prien eine Beleidigung ab. Ein Kollege konnte Schlag-, Tret- und Beißversuchen der 27-Jährigen ausweichen.

Die Beschuldigte verhielt sich auch am 27. Juni 2019 in einem Lokal in Großkarolinenfeld auffällig. Wieder kamen Polizeibeamte, die sie zur Feststellung der Personalien in Gewahrsam nehmen wollten. Die 27-Jährige riss ihren Arm aus dem Griff einer Polizistin und schlug mit der flachen Hand zu. Sie traf die Beamtin an Mund und Nase. Glücklicherweise blieb diese unverletzt.

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Zwei Diebstähle lagen der Beschuldigten weiter zur Last. Sie hatte am 24. Mai 2019 in Rosenheim in einem Bekleidungsgeschäft eine Sonnenbrille und einen BH im Gesamtwert von rund 26 Euro mitgehen lassen. In einem Drogeriemarkt, ebenfalls in Rosenheim, machte sie am 18. Juli 2019 lange Finger, wurde aber erwischt. Sie hatte Kosmetika im Wert von 60 Euro in der Tasche.

Am linken Auge getroffen

Gegenüber einer Beamtin in Uniform, die die Tasche durchsuchte, wurde die 27-Jährige aggressiv. Der Treffer am linken Auge führte glücklicherweise nicht zu einer Verletzung der Polizistin. Während die Täterin zu Boden gebracht und gefesselt wurde, stieß sie eine Beleidigung aus. Das Gericht hörte gestern zahlreiche Polizeizeugen an, die die Fakten im Wesentlichen bestätigten.

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Der psychiatrische Sachverständige, Oberarzt Dr. Markus Filzwieser vom Bezirksklinikum, attestierte der Frau zumindest erheblich verminderte, möglicherweise völlig aufgehobene Schuldfähigkeit zu allen Tatzeiten – zum einen wegen ihrer psychischen Erkrankung, zum anderen wegen ihres Drogenkonsums.

Staatsanwalt sieht erhebliche Straftaten

Staatsanwalt Dr. Ralf Burkhard beantragte, die Unterbringung der Beschuldigten anzuordnen. Aus seiner Sicht handle es sich um erhebliche Straftaten. Der Verteidiger, Harald Müller aus Ulm, stufte den Sachverhalt anders ein. Die Taten seien nicht so schwerwiegend, um zu Unterbringung zu gelangen. Die Gefahr sei nicht erheblich.

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Im Urteil folgte die Sechste Strafkammer den Argumenten des Verteidigers. Die 27-Jährige habe die Straftaten begangen, könne aber aufgrund ihrer Erkrankung nicht dafür bestraft werden.

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