Polizist im Zeugenstand bewahrt zwei vor Gericht angeklagte Rosenheimer vor härteren Strafen

Bei der Festnahme durch die Polizei waren die beiden Angeklagten einem 16-Jährigem zur Hilfe gekommen. Dafür mussten sie sich jetzt vor Gericht verantworten. dpa
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Bei der Festnahme durch die Polizei waren die beiden Angeklagten einem 16-Jährigem zur Hilfe gekommen. Dafür mussten sie sich jetzt vor Gericht verantworten. dpa

Angriff auf Polizeibeamte, Körperverletzung, versuchte Gefangenenbefreiung, Widerstand gegen die Staatsgewalt und Beleidigung – mit diesen Vorwürfen sahen sich jetzt zwei junge Rosenheimer vor dem Jugendschöffengericht konfrontiert. Doch dann entpuppte sich ein Polizist als Freund und Helfer.

Von Theo Auer

Rosenheim – Weil sich ein 16-Jähriger betrunken hatte, geriet dieser am Tattag mit seiner Mutter so heftig in Streit, dass diese die Polizei rief. Doch der Jugendliche war seitens der Polizeibeamten nicht zu beruhigen und rastete schließlich so aus, dass sich die Einsatzkräfte nach eigenen Angaben dazu gezwungen sahen, ihn festzunehmen – was ihm bereits eine gerichtliche Strafe eingebracht hatte.

Mitgemischt hatten dabei aber auch die beiden jetzt Angeklagten, 18-jährige Frau und ein 21-jähriger Mann, die laut Anklage dem 16-Jährigen zu Hilfe gekommen seien und sich gegen die Polizisten zur Wehr gesetzt haben sollen.

Erinnerungslücken durch Drogenkonsum

Der 21-Jährige, der derzeit aufgrund einer anderen Straftat eine Jugendhaft verbüßt, berichtete vor Gericht von bruchstückhafter Erinnerung, weil er sich damals in einem Drogenrausch befunden habe. Es sei durchaus möglich, dass er damals Beleidigungen gegen die Polizisten ausgestoßen habe. An Angriffe auf die Beamten könne er sich aber nicht erinnern. In seinem Zustand sei er dazu wahrscheinlich auch gar nicht in der Lage gewesen. Auch die junge Frau gestand ein, die Beamten damals in alkoholsiertem Zustand beleidigt zu haben. Es könne auch sein, dass sie an einem Polizisten gezogen habe.

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Nach einem Rechtsgespräch standen für Beide Jugendstrafen von über einem Jahr im Raum. Was sich allerdings schnell änderte, nachdem einer der Polizisten, der am Einsatz beteiligt gewesen ist, in den Zeugenstand gerufen worden war.

Nein, von versuchter Gefangenenbefreiung habe keine Rede sein können, gab der Polizist zu Protokoll. Er habe auch keine Angriffe oder versuchte Körperverletzung wahrgenommen. „Grobe Beleidigungen sind wohl gefallen“, erinnerte sich der Zeuge, was er aber nach eigenen Angaben auf den Drogen- und Alkoholkonsum zurückgeführt habe. Der Beamte gab an, dass er das Verhalten der Angeklagten als „eher lästig als strafrechtlich relevant“ erschienen sei, weshalb er auch keinen Strafantrag gestellt habe.

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So verblieben als strafbare Handlungen lediglich die Beleidigungen. Daraufhin beantragte der Staatsanwalt, die Vorwürfe gegen den in Haft befindlichen 21-Jährigen einzustellen. Die 18-Jährige hingegen schilderte dem Gericht zunächst ihre derzeitige Lebenssituation. Geplagt von bipolaren Störungen suchte sie ihren Problemen nach eigenen Angaben bereits als Teenager mit verschiedensten Drogen Herr zu werden. Zwar sei sie inzwischen frei von Drogen, allerdings habe sie nach wie vor ein Alkoholproblem, das sie nicht selber in den Griff bekomme. Sie sei jedoch durchaus bereit, sich dabei helfen zu lassen und berichtete von einem Betreuer, der ihr sehr geholfen habe und dem sie sich gerne wieder anvertrauen würde.

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Die Vertreterin der Jugendgerichtshilfe berichtete von schwierigen Entwicklungsverhältnissen und empfahl dem Gericht – neben einer vorerst straflosen Bewährungszeit – die von der Angeklagten selbst gewünschte Betreuung, einem Bewährungshelfer und acht Tage gemeinnütziger Arbeit neben einer Therapiemaßnahme.

Der Staatsanwalt war der Meinung, dass hier vielmehr „erzieherische Hilfen als Bestrafung“ nötig seien und unterstützte die Vorschläge des Jugendamtes, ebenso wie Verteidiger Hans Sachse. Das Jugendschöffengericht unter dem Vorsitz von Richter Hans-Peter Kuchenbaur schloss sich den Forderungen an. Wobei Kuchenbaur die 18-Jährige aber nachdrücklich darauf hinwies, dass sie im Falle des Verstoßes gegen die Bewährungsauflagen umgehend wieder vor Gericht erscheinen müsse. Kuchenbaur: „Und dann geht es nur noch darum, wie lange sie hinter Schloss und Riegel kommen.“

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