Podiumsdiskussion der Rosenheimer Landratskandidaten: Beim Thema Geburtshilfe wird’s emotional

  • Norbert Kotter
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Im Schnelldurchgang durch den Gemüsegarten. Eine breite Themenpalette beackerten die Landratskandidaten bei einer Podiumsdiskussion im Bad Aiblinger Kurhaus. Die Schließung der Geburtshilfe im Krankenhaus der Kurstadt verlieh der Runde einen emotionalen Moment.

Bad Aibling – Christine Knoll, Vorsitzende des Bundes der Selbstständigen im Mangfalltal, und Roland Bräger, Vorsitzender des Wirtschaftsforums Mangfalltal, waren sich als Initiatoren des Gedankenaustausches einig. Das Mangfalltal mit seinen rund 80 000 Einwohnern – knapp ein Drittel der Landkreisbevölkerung – ist eine besonders wichtige Lebensader des Landkreises. „Wir hatten in der Vergangenheit nicht immer das Gefühl, dass die Region vom Landkreis so unterstützt wurde, wie das nötig wäre“, formulierte Bräger einen Grund, warum die beiden Verbände den insgesamt neun Bewerbern im Vorfeld des Urnengangs auf den Zahn fühlen wollten.

Gut zweieinhalb Stunden lang verfolgte das Publikum die Ausführungen der Bewerber.

Rasch zum Brenner-Nordzulauf

Da gelangten die auf dem Podium Versammelten unter der Moderation von Norbert Haimerl ganz schnell zum geplanten Nordzulauf des Brennerbasistunnels. Alexandra Burgmaier (SPD) zeigte sich überzeugt, dass eine Neubautrasse unsere Heimat „grausam zerschneidet“. Otto Lederer (CSU) forderte dazu auf, sich vor Ort massiv in die Trassenfindung einzubringen, zeigte aber zugleich die Grenzen lokaler Einflussnahme auf. „Ob die Trasse kommt, wird woanders entschieden. Wir müssen auf die Planungen so viel Einfluss nehmen, dass wir damit leben können.“ Rainer Auer (Parteiunabhängige) sprach sich für eine „möglichst schonende Lösung“ aus. Dr. Ulla Zeitlmann (Bündnis 90/Die Grünen) beleuchtete das Thema aus einem anderen Blickwinkel. „Wir Grüne sind für die Schiene, aber beim Brennerzulauf werden die falschen Verkehre umgetopft.“

Ausbau der A8 und Tempolimit: Handzeichen auf der Bühne

Die Themenfülle und die Anzahl von neun Kandidaten waren es, die eine in die Tiefe gehende Diskussion nicht zuließen. Was den Ausbau der A 8 oder das Für und Wider eines Tempolimits betrifft, beließ es der Moderator deshalb bei einem Handzeichen-Votum auf der Bühne. Wir müssen das „anpacken“, formulierte Walter Pakulat (FDP) beim Thema Digitalisierung. Ein Appell, den er an diesem Abend bei einigen Themen parat hatte.

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Im Grundsatz einig war sich die Runde, dass der Öffentliche Personennahverkehr im Landkreis weiter ausgebaut werden müsse. Sepp Hofer (Freie Wähler) verwies darauf, dass der Landkreis die Mittel für den ÖPNV verfünffacht habe. Mit dem neuen ÖPNV-Konzept sieht Otto Lederer den Landkreis „auf einem guten Weg“, mit seiner AfD-Kollegin Michaela Eglseer war sich Florian Weber (Bayernpartei) einig, dass gerade in einer Landregion Autofahren nicht verdammt werden dürfe. „Die Straße muss weiterhin existent sein.“ Josef Fortner (ÖDP) bedauerte, dassim Kreistag alle Vorstöße seiner Partei zu einer probeweisen Änderung im Tarifsystem abgeschmettert wurden.

Einigkeit beim Thema ÖPNV

Was derzeit das Ticket für eine einfache Busfahrt von Sachrang nach Aschau kostet, da mussten letztlich alle Bewerber passen. 4,80 Euro schlagen für die 13 Kilometer lange Strecke zu Buche. Sepp Hofer kam mit einer Schätzung von fünf Euro dem Tarif am nächsten. Während Josef Fortner „keine Fusion auf Biegen und Brechen“ will und auch Walter Pakulat den Tourismusverband Chiemsee-Alpenland auch ohne Zusammenschluss mit Traunstein „bestens aufgestellt“ sieht, gibt es in den Reihen der Bewerber durchaus auch Befürworter einer Wiederaufnahme der Fusionsgespräche. „Sofort“ meint Sepp Hofer, „zwingend notwendig“ sagt Florian Weber. Otto Lederer fordert ein „nachhaltiges Konzept“.

Auer will einen Perspektivwechsel

Rainer Auer tritt für einen Perspektivenwechsel ein. „Den Tourismus aus dem Auge der Kommunalpolitik zu betrachten, ist ein Fehler. Sinnvoller ist es, ihn aus dem Blickwinkel des Gastes zu sehen.“ Warnende Worte kamen auch von Alexandra Burgmaier. "Je größer das Gebilde wird, desto weniger werden die Interessen der einzelnen Regionen in unserem Landkreis vertreten.“

Für und Wider der Geburtsstation in Bad Aibling

„Vielleicht bekommen wir wieder eine Geburtsstation in Bad Aibling?“ Mit dieser Frage hatte Roland Bräger bereits in seiner Begrüßung auf ein Thema hingewiesen, das letztlich für den emotionalsten Moment in der Runde sorgte: die seit August 2017 geschlossene Abteilung im Romed-Klinikum Bad Aibling. Die Wiedereröffnung durchzusetzen, forderte Florian Weber. Die Geburtshilfe gehöre zur Grundversorgung. „Dafür muss einfach Geld da sein“, forderte Michaela Eglseer (AfD). Der Beifall im Saal, den sie dafür erhielt, brachte Otto Lederer (CSU) in Wallung. „Die Schließung hat nichts mit Geld zu tun. Uns fehlen einfach die Fachkräfte. Das ist der Grund.“ Konter der AfD-Kandidatin. „Die würden schon kommen, wenn die Bezahlung stimmt.“ Mit Wohlwollen und einer hohen Erwartungshaltung im Saal zugleich wurde schließlich eine zentrale Aussage von Otto Lederer zu diesem Thema aufgenommen. „Wir haben nach wie vor ein Interesse daran, die Station in Bad Aibling wieder aufzumachen. Ich bin sofort dabei, auch in die Geburtshilfe zu investieren. Aber wir brauchen Fachkräfte.“ Dafür gab’s Applaus, aber so mancher im Saal erinnerte sich auch daran, dass Landrat Wolfgang Berthaler einst von „einer vorübergehenden Schließung“ gesprochen hatte, die nun schon rund zweieinhalb Jahre andauert.

Viele Wortmeldungen aus dem Publikum

In der abschließenden Fragerunde kamen noch etliche Wortmeldungen aus dem Publikum, für das der große Kurhaussaal schon noch ein paar Sitzplätze bereitgehalten hätte. Hier musste Otto Lederer zum Finale fast Schwerstarbeit leisten, denn die allermeisten Fragesteller – sie durften nur einen Kandidaten direkt ansprechen – wollten die Antwort von ihm haben.

Keine Fragen zum Klima

Landratskandidatin Ursula Zeitlmann (Bündnis 90/Die Grünen) wurde im Verlauf des Abends noch selbst zur Fragestellerin ¨– in Richtung Moderator. „Warum stellen Sie keine Fragen zum Klima?“ Das Klima der sachlich verlaufenen Podiumsdiskussion beeinträchtigte diese kleine Spitze jedenfalls nicht.

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