Von der Planungs- zur Bildungsregion

An der Pauline-Thoma-Schule Kolbermoor gibt es sogenannte "Schülerfirmen". Die betätigen sich zum Beispiel als "Partyservice". Auf dem "Markt der Ideen" verköstigten die an diesem Projekt beteiligten Jugendlichen Besucher mit selbstzubereiteten Häppchen und Pralinen. Foto Wunsam
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An der Pauline-Thoma-Schule Kolbermoor gibt es sogenannte "Schülerfirmen". Die betätigen sich zum Beispiel als "Partyservice". Auf dem "Markt der Ideen" verköstigten die an diesem Projekt beteiligten Jugendlichen Besucher mit selbstzubereiteten Häppchen und Pralinen. Foto Wunsam

Der Fachkräftemangel beschäftigt Wirtschaft, Politik und Schulen schon seit geraumer Zeit. Wie man dieses Problem in den Griff bekommen kann, darüber wurde bei einer öffentlichen Veranstaltung im Rahmen der "Bildungsoffensive" der Planungsregion 18 im Kultur- und Kongresszentrum Rosenheim ausgiebig diskutiert. Beim sogenannten "Marktplatz der Ideen" präsentierte man auch konkrete Beispiele und Lösungsansätze.

Rosenheim - Eingeladen zu dieser Veranstaltung hatten die Stadt Rosenheim und der Regionale Planungsverband. Die Resonanz war groß. Fast 1000 Interessierte aus Wirtschaft, Politik und Schulwesen aus der gesamten Region Rosenheim kamen, um über Strategien gegen den Arbeitskräftemangel von morgen nachzudenken und Lösungsmöglichkeiten zu erarbeiten.

In zwei Sälen fanden Podiumsdiskussionen zum Thema statt. Fachleute aus den verschiedensten Bereichen schilderten ihre Sicht der Dinge und stellten Beispiele vor, wie man bereits derzeit dabei ist, den Fachkräftemangel in den Griff zu bekommen.

Im Foyer gab es den "Marktplatz der Ideen". Auf rund 1200 Quadratmeter stellten verschiedene Organisationen und Schulen Projekte vor, mit dem sie den Nachwuchs bestmöglich auf das Berufsleben vorbereiten.

So war zum Beispiel die Handwerkskammer für München und Oberbayern (HWK) mit einem Stand vertreten. Die HWK führt derzeit zum zweiten Mal Praxistage durch. Dabei können Schüler der 7. bis 9. Klassen innerhalb weniger Tage in verschiedenste Berufe hineinschnuppern. Um demonstrieren zu können, wie das in der Praxis aussieht, kam die HWK gleich mit einigen Schülern aus der Leo-von-Welden-Schule in Bad Feilnbach, die derzeit an diesem Projekt teilnehmen.

Die zwölfjährige Janina will später vielleicht einmal Friseuse werden. Im Foyer des Kultur- und Kongresszentrums übte sie dieses Handwerk schon einmal eifrig an einem Puppenkopf. Neben ihr wurden Sebastian und Benedikt, beide 13 Jahre alt, in das Grundwissen der Elektrik eingeführt. Fachmännische Unterstützung bekamen die beiden Buben dabei von HWK-Ausbildungsmeister Franz Stanzl. "Solche Projekte sind eine gute Sache. So bekommen Kinder schon frühzeitig einen Einblick in die Berufswelt", meinte er.

Auch Schüler der Pauline-Thoma-Schule Kolbermoor kamen in das Kuko, um dort zu zeigen, wie sie sich mittels Schulprojekten auf ihre berufliche Zukunft vorbereiten, etwa mit der Gründung einer sogenannten "Schülerfirma" . Auf diesem Wege haben Schüler schon ein Kochbuch entwickelt und erfolgreich vertrieben. Derzeit gibt es einen "Partyservice". Dieser stellte sich ebenfalls beim "Markt der Ideen" mittels selbst zubereiteter Häppchen und Pralinen vor. "Dabei lernen die Schüler schon vieles, was sie später einmal im Berufsleben brauchen", meint dazu Susanne Klein, Fachlehrerin für Ernährung und Gestaltung an der Pauline-Thoma-Schule. Das Ergebnis dieses Schul-Projekts überzeuge. Erste Erfahrungen würden zeigen, dass Schüler, die daran teilgenommen haben, auch beim Schulabschluss mit guten Noten überzeugen konnten.

Insgesamt gab es über 30 verschiedene Stände, an denen verschiedenste Projekte zum Thema vorgestellt wurden. Wie wichtig solches Engagement ist, betonte Rosenheims Oberbürgermeisterin Gabriele Bauer in ihrer Rede. "Nur mit gut ausgebildeten Nachwuchs-, Fach- und Spitzenkräften hat die Wirtschaft beste Aussichten, sich gut zu entwickeln", sagte sie. Vor gar noch nicht all zu langer Zeit seien Politiker von Betrieb zu Betrieb gezogen, um für Ausbildungsplätze zu werben. "Jetzt ist die Situation eine völlig andere. Jetzt müssen wir sehen, wie wir Auszubildende in die Betriebe kommen", meinte Bauer.

Hermann Steinmaßl, Landrat des Landkreises Traunstein und Vorsitzender des Regionalen Planungsverbandes Südostoberbayern, bescheinigte der Region positive Zukunftsaussichten, nicht zuletzt dank seiner starken Wirtschaft. Dies sei kein Zufall, sondern beruhe auch auf einer guten Bildung. Für ein breitgefächertes Bildungsangebot plädierte auch Dr. Marcel Huber, Staatssekretär im bayerischen Kultusministerium. Er forderte ein "individuelles, möglichst differenziertes" Schulsystem, um allen Kindern gleiche Chancen bieten zu können.

Dr. Josef Amann, Geschäftsführer Berufsbildung, Industrie- und Handelskammer für München und Oberbayern, war der Meinung, dass Bildung und Erziehung noch mehr Qualität braucht. "Die berufliche Bildung hat immer noch nicht den Stellenwert, den sie haben sollte", meinte er und forderte: "Aus der Planungsregion muss eine Bildungsregion werden." wu

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