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Pflegebedarf steigt gewaltig - So will der Kreistag reagieren

Demographischer Wandel stellt Kreis Rosenheim vor große Herausforderungen

Über 13600 Menschen werden 2031 im Landkreis Rosenheim laut einer Prognose auf pflegerische Hilfe angewiesen sein.
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Über 13600 Menschen werden 2031 im Landkreis Rosenheim laut einer Prognose auf pflegerische Hilfe angewiesen sein.
  • Norbert Kotter
    VonNorbert Kotter
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Der demografische Wandel stellt den Landkreis in den kommenden Jahren vor große Herausforderungen im Bereich der Pflege. Ein Fachbüro hat in seinem Auftrag deshalb eine Prognose erstellt, die der Kreistag jetzt einstimmig als „bedarfsgerecht“ einstufte.

Rosenheim – Diplomstatistiker Christian Rindsfüßer vom Institut für Sozialplanung, Jugend- und Altenhilfe, Gesundheitsforschung und Statistik (SAGS) aus Augsburg wartete mit Zahlen auf, die aufhorchen ließen. Bis 2040 wird die Bevölkerung im Landkreis um etwa 18.500 Menschen auf rund 279.000 Einwohner wachsen. Während in diesem Zeitraum die Zahl der unter 20-Jährigen voraussichtlich stagnieren werde und bei den 20- bis 59-Jährigen ein Rückgang von drei bis vier Prozent zu erwarten sei, sei der Trend bei den älteren Menschen genau gegenläufig.

Plus von 38 Prozent

Mit 30 Prozent Anstieg rechnen die Forscher in der Altersgruppe der 60- bis 79-Jährigen, bei den über 85-Jährigen wird ein Plus von mehr als 60 Prozent prognostiziert. Bei den über 90-Jährigen geht man sogar von einer Verdoppelung des Bevölkerungsanteils aus. Bis 2031 wird die Zahl der pflegebedürftigen Menschen im Landkreis laut Rindsfüßer auf über 13.600 steigen. Das entspricht einem Plus von rund 38 Prozent.

Bei der Debatte im Kreistag kristallisierte sich rasch ein zentraler Punkt heraus, der bei der Erstellung eines Pflegekonzeptes bedeutend ist. „Ambulant vor stationär“, brachte ihn Landrat Otto Lederer (CSU) auf einen kurzen Nenner. Nur so könne man die Herausforderungen meistern und den Bedürfnissen der älteren Menschen gerecht werden, sagte der Landrat. Der Landkreis sei in diesem Bereich „grundsätzlich bereits jetzt gut aufgestellt“, müsse sich aber mit den Realitäten auseinandersetzen.

August Voit (CSU) sieht die jetzt vorliegende Prognose „als ganz wertvolle Hilfe“. Ein Hauptproblem aus seiner Sicht: Wie kann man ehrenamtliche Helfer für die Betreuung gewinnen?

Jürgen Laupheimer, Sozialplaner des Landkreises, sieht einen Ansatz darin, Pflegebedürftige künftig länger zu Hause zu betreuen als bisher. SPD-Fraktionssprecherin Alexandra Burgmaier äußerte Zweifel hinsichtlich der Umsetzbarkeit eines solchen Ansinnens. „Dieser Weg entspricht nicht geraden den gesellschaftlichen Realitäten“, sagte sie mit Blick auf die immer weniger werdenden Familienverbände, in denen ein Pflegefall betreut werde. Flintsbachs Bürgermeister Stefan Lederwascher (CSU) plädierte für eine enge Zusammenarbeit zwischen den Kommunen bei der Bewältigung des Pflegeproblems. „Sonst werden wir das nicht in den Griff bekommen.“ Martina Thalmayr (Bündnis 90/Die Grünen) hat Zweifel, dass die Pflegedienste die wachsende Zahl an Patienten bewältigen können. „Die haben jetzt schon extrem wenig Zeit.“

Fraktionssprecher Sepp Lausch von den Freien Wählern warf die Frage in den Raum, ob der Abbau bürokratischer Hürden und die Einführung einer allgemeinen Dienstpflicht für junge Leute durch den Gesetzgeber eine Linderung des Problems brächten. Sowohl Laupheimer als auch Rindsfüßer äußerten sich dazu sehr zurückhaltend.

Empfehlung des Kreisausschusses

Für Landrat Otto Lederer steht auf jeden Fall fest, dass die Anzahl der Plätze für Tagespflege in den nächsten zehn Jahren im Landkreis fast verdoppelt werden müsse. Sebastian Friesinger (CSU) sieht das ähnlich und sprach von einem „gesamtgesellschaftlichen Problem“, das auch die Gemeinden betreffe. „Die müssen überlegen, ob sie nicht solche Einrichtungen bauen sollen. Diese dürfen dann aber nicht dem Diktat der Rendite unterworfen sein“, zeigte er einen Lösungsansatz auf.

Der Kreistag folgte einer ebenfalls einstimmigen Empfehlung des Kreisausschusses, die Analyse als bedarfsgerecht einzustufen. Beschlüsse zu Detailfragen wurden nicht gefasst.

Infobox: Derzeit über 50 stationäre Einrichtungen mit 3608 Plätzen

Bei einer Prognose, die dem Grundsatz „Ambulant vor stationär“ Rechnung trägt, geht das SAGS davon aus, dass die Zahl der in einem Alten- oder Pflegeheim lebenden Menschen bis 2031 von 3426 auf 3934 Personen steigt. Deutlich stärker fiele im gleichen Zeitraum der Anteil der pflegebedürftigen Menschen aus, die zu Hause betreut werden. Die Prognose geht von einem Anstieg von 5985 auf 9091 Personen aus.

Bliebe der Status Quo des Angebots unverändert, rechnet das Institut bis zum Jahr 2031 nur mit einem Anstieg von 5985 auf 7995 Personen, die zu Hause betreut werden. Deutlich stärker fiele dann das Plus bei Menschen aus, die in stationären Einrichtrungen versorgt werden müssen: von 3426 auf 5030.

Christian Rindsfüßer betonte bei seinem Vortrag im Kreistag, der Landkreis Rosenheim sei bei stationären Pflegeeinrichtungen im Landesvergleich „überdurchschnittlich gut“ aufgestellt. Er verfüge aktuell über 50 stationäre Einrichtungen mit 3608 Pflegeplätzen. Wichtig für die Zukunft sei der Ausbau der Kurzzeit- und Tagespflege. Gehe man von der Variante „Ambulant vor stationär“ aus, müssten in zehn Jahren 405 Personen in der Tagespflege versorgt werden. Das wären 182 Pflegebedürftige mehr als derzeit. In der Kurzzeitpflege würden 185 zusätzliche Plätze gebraucht.

Der Personalmangel in Pflegeberufen sei ein großes Problem bei der Erreichung der Ziele. Neben der Anerkennung von im Ausland gemachten Berufsabschlüssen, besseren Arbeitsbedingungen und einer angemessenen Bezahlung sei das Angebot an bezahlbarem Wohnraum ein wichtiger Faktor bei der Personalgewinnung. „In allen Bereichen, in denen keine Spitzengehälter bezahlt werden, muss man sich Gedanken machen, wo die Leute wohnen sollen“, so Rindsfüßer. Der Experte geht davon aus, dass ehrenamtliches Engagement im Bereich der Pflege künftig stärker gefordert sein werde, damit sich die Fachkräfte in den Einrichtungen und bei den Pflegediensten mehr auf ihre eigentliche Arbeit konzentrieren könnten: „Die Lage wird von Jahr zu Jahr schwieriger werden. Wir müssen alte Denkstrukturen ändern. Es werden sehr viel Kreativität und Einzellösungen nötig sein, um dieser Entwicklung gerecht zu werden.

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