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Wegen fehlender Kassenzulassung

Privatärzte und ihre Patienten im Nachteil: Mediziner bekommen keinen Corona-Impfstoff

Ein Plakat, das für einen „kleinen Pieks“ wirbt: Dr. Reiner Keller und seine Frau Marianne werden es erst aufhängen, wenn für ihre Arztpraxis in Bad Aibling Impfstoff zur Verfügung steht.
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Ein Plakat, das für einen „kleinen Pieks“ wirbt: Dr. Reiner Keller und seine Frau Marianne werden es erst aufhängen, wenn für ihre Arztpraxis in Bad Aibling Impfstoff zur Verfügung steht.
  • Norbert Kotter
    VonNorbert Kotter
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Seit einigen Tagen sind in Bayern auch Hausärzte in die Impfkampagne zur Überwindung der Corona-Pandemie eingebunden und dürfen Patienten das Serum verabreichen. Privatärzte erhalten vorerst jedoch keinen Impfstoff. Bei vielen ist die Verärgerung groß.

Bad Aibling/Rosenheim – Christoph Lohr aus Bad Aibling ist Privatpatient und fühlt sich „diskriminiert“. Im Gegensatz zu Kassenpatienten hat er im Moment keine Möglichkeit, sich bei seinem Hausarzt impfen zu lassen, weil der über keine Kassenzulassung verfügt. Anfang April steuerte die Kassenärztliche Vereinigung (KV) in Bayern die Belieferung der Hausarztpraxen mit Impfstoff, seit 7. April übernehmen die Apotheken diesen Part. Die Bestellungen erfolgen jedoch über die KV.

Für Mediziner wie Dr. Reiner Keller, der in Bad Aibling eine Privatarztpraxis betreibt, eine unbefriedigende Situation. Viele Telefonate hat Keller mittlerweile geführt, um an Impfstoff zu kommen. Vergeblich. Ihm seien die Hände gebunden, sagt der Arzt im Gespräch mit den OVB-Heimatzeitungen. Da die Impfstoffbestellung über die KV laufe, erhalte er derzeit kein Serum. Wann sich das ändert, weiß Keller nicht.

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Liste mit 70 Impfwilligen

Seine Frau, die für die Praxisorganisation verantwortlich zeichnet, berichtet von einer Liste mit rund 70 impfwilligen Patienten, die sich in Kellers Praxis die notwendigen Spritzen verabreichen lassen möchten. „Wir haben täglich viele Anfragen, die Leute sind verunsichert und auch verärgert“ berichtet Dr. Marianne Weber-Keller. Verständnis für die aktuelle Situation bringt sie nicht auf. Dennoch übt sie keine Kritik an den Apotheken. „Die machen sich ja sogar strafbar, wenn sie Impfstoff an die Privatpraxen liefern.“

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„Gesamtgesellschaftliche Aufgabe im Kampf gegen das Virus“

Christoph Lohr hat seinem Unmut in einer Mail an die KV freien Lauf gelassen. „Es trifft zwar sicher zu, dass sich die Kassenärztliche Vereinigung Bayern als die Interessenvertretung der niedergelassenen Vertragsärzte versteht, gleichwohl kommt ihr nach meiner Auffassung in der derzeitigen Situation eine übergeordnete gesamtgesellschaftliche Aufgabe im Kampf gegen das Virus zu, bei der unter anderem nicht entscheidend sein kann, welchen Versicherungsschutz der jeweilige Impfaspirant aufweist“, so Lohr.

Klärungsbedarf mit dem Bundesgesundheitsministerium

In der Antwort der KV heißt es mit Blick auf den Impfstoff-Bezug, für Privatpraxen bestehe noch Klärungsbedarf mit dem Bundesgesundheitsministerium. Um diese Praxen in die Impfkampagne einbeziehen zu können, werde für die Leistungsabrechnung derzeit ein Online-Portal eingerichtet.

Lohr können derlei Aussagen aber kaum besänftigen. Er hält die eingeschlagene Verfahrensweise „unter Präventivgesichtspunkten für äußerst fragwürdig“ und mit Blick auf den Gleichheitsgrundsatz außerdem für „verfassungsrechtlich unhaltbar“.

„Privatarztpraxen mit Impfstoff zu versorgen, ist ein Gebot der Fairness“

Dr. Nikolaus Klecker, niedergelassener Hausarzt in Rosenheim und Bezirksvorsitzender des bayerischen Hausärzteverbandes, ist mit der aktuellen Regelung nicht glücklich. „Privatarztpraxen mit Impfstoff zu versorgen, ist ein Gebot der Fairness. Es gibt keinen Grund, eine bestimmte Gruppe von der Impfung beim Hausarzt auszuschließen“, betont der Allgemeinmediziner. Entscheidend sei, dass die Priorisierung bei der Impfung ausschließlich nach medizinischen Kriterien vorgenommen werde.

Daniela Ludwig (CSU) will Privatpraxen schnell einbinden

Die Rosenheimer CSU-Bundestagsabgeordnete Daniela Ludwig versteht die Verärgerung der Privatärzte und ihrer Patienten, die von ihnen gegen Corona geimpft werden wollen. Von ihr dürfen die Kritiker Unterstützung erwarten. „Ich werde mich als Abgeordnete dafür einsetzen, dass die Privatpraxen zügig in die Impfkampagne aufgenommen werden, weil ich das für absolut notwendig halte“, antwortete Ludwig auf eine Anfrage der OVB-Heimatzeitungen. Eine Benachteiligung der Privatpatienten in der momentanen Situation will sie jedoch nicht erkennen. Auch Privatpatienten seien bereits bei Kassenärzten geimpft worden. Außerdem stellten auch die Impfzentren sicher, dass unabhängig vom Versicherungsschutz in „objektiver Reihenfolge“ geimpft werde.

Dass die Privatpraxen im Moment noch nicht in die Kampagne einbezogen seien, sei allein der Tatsache geschuldet, dass bislang nicht ausreichend Impfstoff zur Verfügung stehe. Das Bundesgesundheitsministerium habe das Problem aber im Blick.

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