Fußball-Jugendtrainer wegen Körperverletzung an Frau und Söhnen vor Gericht

Panik beim Wort "Vater"

Bad Aibling - Es habe keine Woche gegeben, in der er nicht geschlagen oder gar verprügelt worden sei, sagte ein heute 15-Jähriger im Zeugenstand vor dem Amtsgericht Bad Aibling. Auf der Anklagebank: der eigene Vater. Der 40-Jährige soll laut Staatsanwaltschaft mehrfach seine mittlerweile geschiedene Frau sowie seine beiden Söhne (15 und elf) geschlagen und gewürgt haben. Brisant: Der Mann ist bis heute im Raum Rosenheim als Fußballtrainer für zwölf- bis 14-jährige Buben aktiv.

Zur Anklage kamen zwei Vorfälle aus dem Jahr 2008 und eine Sache, die 2009 stattfand. Im Juli 2008 ereignete sich ein Streit zwischen dem Angeklagten und seiner damals von ihm getrennt lebenden Frau. Der 40-Jährige soll auf die Frau losgegangen sein, mit Fäusten auf sie eingeschlagen und sie mit beiden Händen gewürgt haben. Der damals 13-jährige ältere Sohn versuchte, seiner Mutter zur Hilfe zu kommen, worauf ihn der Vater laut Anklage gegen die Wand gestoßen und mehrmals mit den Fäusten auf ihn einschlagen hat.

Nur wenige Wochen später soll es erneut zu einer heftigen Misshandlung gekommen sein. Laut Anklage soll der Mann sich auf seinen im Bett liegenden Sohn gekniet und mit den Fäusten auf ihn eingeschlagen haben. Drei Wochen später war der jüngere Sohn an der Reihe. Der Vater habe den damals Neunjährigen in den Schwitzkasten genommen und gewürgt, so der Anklagevertreter. Als ihm sein Bruder helfen wollte, habe er einen Fußtritt abbekommen.

Angeklagt ist auch ein weiterer Fall vom Mai 2009. Weil ihm die Söhne beim Spielen zu laut waren, soll der Mann dem älteren Sohn mehrmals mit der Faust gegen Körper und Gesicht geschlagen haben.

Vor dem Amtsgericht Bad Aibling unter Vorsitz von Richterin Isabella Hubert berichtete am ersten Verhandlungstag der heute 16-jährige Sohn, dass er nach den Vorstellungen des Vaters Fußballprofi werden sollte. Die Schule war dem Vater zweitrangig, Hausaufgaben waren unwichtig gegenüber dem Fußballtraining. Selbst mit 40 Grad Fieber habe ihn der Vater zum Training antreten lassen, weil der Sohn des Trainers keine "Memme" sein dürfe. Der Jugendliche berichtete von zahlreichen Schlägen. Er habe seiner Mutter gesagt: "Mutter, lass dich scheiden, sonst bring ich mich um."

Der jüngere Bruder ist nach der Beschreibung des 16-Jährigen traumatisiert. Wie die geschiedene Ehefrau berichtete, sei der Bub nicht in der Lage, das Wort "Vater" auszusprechen, ohne in Panik zu geraten. Der Ältere erzählte weiter, sein Vater habe gedroht, sich selber und die Mutter umzubringen, sofern die Kinder Außenstehenden von den Prügeln erzählen würden. Sichtbare Hämatome wurden mit Verletzungen beim Fußball erklärt.

Angesichts der Brisanz der Vorwürfe fast nachrangig wirkt ein weiterer Anklagepunkt wegen Unterschlagung, der ebenfalls verhandelt wird. Der 40-Jährige soll einen Meißelhammer seines Arbeitgebers gestohlen und weiterverkauft haben. Die Verhandlung wird mit weiteren Zeugen fortgesetzt. au/ku

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