Einblick in eine besondere WG in Neubeuern: Hier kommen Menschen mit Beeinträchtigung im Leben an

Medaillen, Urkunden und die Starbulls: Margrit Hofmayer ist die Sportskanone in der Neubeurer Außen-WG. riffert
  • Ludwig Simeth
    vonLudwig Simeth
    schließen
  • Dr. Garbiele Riffert
    schließen

Margrit Hofmayer lebt in Neubeuern – in einer Außenwohngruppe des Katholischen Jugendsozialwerks (KJSW) für Menschen mit Beeinträchtigung. „Hier fühle ich mich sehr wohl“, sagt sie. Die Idee einer inklusiven WG, die in Rosenheim mit Hilfe der Weihnachtsaktion „OVB-Leser zeigen Herz“ entstehen soll, imponiert ihr.

Rosenheim/Neubeuern – Eine kleine Wohnung, nur für sie allein: Wäre das nichts für Margrit Hofmayer? Die 50-Jährige schüttelt den Kopf: „Allein zu wohnen, kommt für mich nicht in Frage. Ich mag die Gemeinschaft.“

Die begeisterte Sportlerin lebt in Neubeuern – in einer Außenwohngruppe des Katholischen Jugendsozialwerks (KJSW) für Menschen mit Beeinträchtigung. „Hier fühle ich mich sehr wohl“, betont sie. Doch die Idee einer inklusiven WG, die in Rosenheim mit Hilfe der Weihnachtsaktion „OVB-Leser zeigen Herz“ entstehen soll, imponiert ihr: „Das ist wie bei uns hier in der Außenwohngruppe, nur dass die Bewohner noch verschiedener sind. Mir würde auch das sehr gefallen.“

Der Duft von Nudelsauce

Der Duft von schmackhafter Nudelsauce zieht durchs große Wohnhaus in Neubeuern. Die Bewohner „wuseln“ zum Tisch, lachen, reden oder freuen sich über den Besuch der OVB-Heimatzeitungen. „Am besten unterhalten wir uns in meinem Zimmer, da haben wir mehr Ruhe“, lacht Margrit Hofmayer.

Lesen Sie auch: Erste WG, erster Freund – Jetzt startet Marlies vom Samerberg durch

Der Weg ist nicht weit. Ihr Zimmer liegt im Erdgeschoss, an den Wänden hängen Medaillen, Urkunden und Plaketten. Keine Frage: Hofmeister ist die Sportskanone in der WG. Basketball, Stockschießen und Bowling sind ihre Domänen. In allen drei Disziplinen hat sie bereits Gold und Silber bei den Special Olympics geholt – teilweise sogar auf Europa-Ebene.


Nicht nur die Wände sind voller Leben. Im Zimmer stehen ein Computer, eine Nähmaschine, eine Gitarre, und eine Reihe von Romanen. Ein Handy liegt auf dem Tisch, dazu selbstgemalte Bilder. Die aktive Frau hat viele Interessen: Lesen, nähen, malen, musizieren und eben Sport treiben.

+++

Tipp der Redaktion: Kennen Sie schon unseren kostenlosen Feierabend-Newsletter? Die Top-Themen der Region um 17 Uhr per E-Mail – sauber ausrecherchiert und aufgeschrieben von Ihrer OVB-Redaktion. Jetzt Newsletter ausprobieren!

+++

Neben Hofmeister wohnen noch neun andere Frauen und Männer im Alter von 25 bis 59 Jahren im Haus. Sie bilden die Außen-WG Neubeuern der Dienste und Einrichtungen für Menschen mit Beeinträchtigungen des KJSW in Rosenheim.

Putz- und Küchenplan

Die Wohngruppe managt das Haus selbst: Es gibt einen Putzplan und einen Küchenplan. Am Abend sind alle zu Hause, kochen, essen und verbringen miteinander die Freizeit. Wer schon genug Gesellschaft hatte, kann sich in sein Zimmer zurückziehen. Abends ist eine Fachkraft da, um den Bewohnern bei Bedarf Unterstützung zu geben.

Tagsüber arbeiten alle. Margrit Hofmayer hat ihren Arbeitsplatz im Lager der Firma Krones in Rosenheim: „Ich stehe jeden Tag um 5.50 Uhr auf. Mein erster Bus fährt um 6.38 Uhr ab, dann muss ich noch einmal umsteigen. Um 8 Uhr fängt die Arbeit an.“

Die Fahrt schafft sie ganz allein, ohne Hilfe. Die 50-Jährige ist sehr selbstständig. Nach der Arbeit geht sie oft noch in Rosenheim zum Sport: dienstags Bowling, mittwochs Stocktraining, ab und zu Basketball: „Sport ist ganz wichtig für mich. Da kann ich mich auspowern.“

Von Neubeuern zurück nach Rosenheim

Im März 2020, bei den nächsten Special Olympics in Berchtesgaden, tritt sie natürlich wieder an, diesmal bei den Stockschützen. Sonderurlaub ist schon beantragt, unter anderem ist hierfür ein Gesundheitsattest erforderlich. Beim Papierkram hilft ihr Betreuer: „Er kennt die Termine und schaut, dass alles rechtzeitig passiert.“ Aber auch Hofmayer hilft. Sie engagiert sich im KJSW-Heimbeirat in Rosenheim, wo sie den Bedürfnissen und Wünschen von Menschen mit Beeinträchtigung eine kraftvolle Stimme gibt.

Lesen Sie auch: Der Überweisungsträger zur OVB-Spendenaktion zum Ausdrucken

„Ich fühle mich wohl in der Gruppe“, sagt sie. „Aber manchmal ist mir Neubeuern einfach zu weit draußen. Egal ob zur Arbeit oder zum Sport, ich bin immer ewig unterwegs.“ Deshalb will sie zurück nach Rosenheim ziehen, in eine andere Außenwohngruppe. Die Leitung hat ihr schon zugesichert, dass es klappen wird.

Unterstützung bei Bedarf

Auch die neue inklusive WG wäre eine Option. Das Modell ist ähnlich, nur dass dabei Menschen mit und ohne Beeinträchtigung in derselben WG gleichberechtigt zusammenleben. Die Bewohner ohne Beeinträchtigung unterstützen bei Bedarf ihre Mitbewohner mit Beeinträchtigung – und wohnen dafür mietfrei. Ein Modell, das auch eine Goldmedaille verdient hätte, findet Hofmayer.

Lesen Sie auch: Alle Infos rund um die Weihnachtsaktion „OVB-Leser zeigen Herz“

Mehr zum Thema

Kommentare