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OVB-Leser zeigen Herz

Wie Georg die Angst vertreibt: Mattisburg ist auf schlaflose Kindernächte vorbereitet

Angst haben in Zeiten von Corona: Häusliche Gewalt hat während der Pandemie zugenommen. Oft sind die Opfer kleine Kinder.
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Angst haben in Zeiten von Corona: Häusliche Gewalt hat während der Pandemie zugenommen. Oft sind die Opfer kleine Kinder.
  • Ludwig Simeth
    VonLudwig Simeth
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Morgen schon sieht die Welt wieder ganz anders aus? Mag sein. Aber wenn nicht? Wenn der Albtraum nicht aufhört? Georg (6) quält die Angst. Er kann nicht schlafen. Gut, dass es für Buben wie ihn in der Mattisburg eine Nachtwache gibt.

Rosenheim/Mühldorf – Georg und seine kleine Schwester mussten mitansehen, wie ihr Vater in einer Nacht mitten im Corona-Lockdown wieder einmal raste vor Wut, ein Messer packte und ihre Mutter niederstach. Danach:

Notversorgung, Rettungswagen, polizeilicher Großeinsatz, Festnahme, Abtransport von Opfer und Täter. Monate später dann: Strafprozess, Urteil, Gefängnis für den Täter. Es war versuchter Mord, der Messerstecher weggesperrt – Staatsanwalt und Öffentlichkeit sind zufrieden, Fall erledigt also, Haken dran, ab zu den Akten.

Fall erledigt? Nicht für die Opfer

Fall erledigt? Nicht für die die Mutter. Sie hat überlebt, ist aber gezeichnet fürs Leben und heute – zwei Jahre nach der Tragödie – weiter in medizinischer Behandlung. Haken dran? Auch nicht für Georg. Er muss lernen, irgendwie klarzukommen damit – vor allem den vielen Bildern und Ängsten, die sich vor allem nachts in seinem Kopf breit machen.

Georg konnte nicht wie seine Schwester in einer Pflegefamilie bleiben. In der Nacht schrie er, oft stundenlang, hatte Panikattacken, durchlebte alle Stadien und Details der Horrornacht aufs Neue: die Angst um die Mama, die Bluttat, das Klicken der Handschellen, das Meer von Polizeiauto-Lichtern auf der Straße. Auch für einen Schulbesuch war der bedauernswerte Bub nicht mehr stabil genug.

Für Kinder wie Georg wird in Mitterndorf bei Gstadt die Mattisburg gebaut – ein Schutzhaus und therapeutisches Internat für 22 Buben und Mädchen im Alter von fünf bis zwölf Jahren, die nach schlimmen Erfahrungen mit sexueller Gewalt, Misshandlung oder Vernachlässigung traumatisiert sind. Diesem Projekt ist – neben einem Eltern-Frühchen-Projekt – die OVB-Weihnachtsaktion gewidmet.

Mitte 2023 sollen die ersten Kinder in die Mattisburg ziehen. Erste Anfragen gibt es schon. Wenn sich Georg nicht fängt, ist auch er ein Kandidat. Aber was ist so besonders an der Mattisburg am Chiemsee-Ufer? „Einfach alles“, gibt Johanna Ruoff eine einfache Antwort. Ruoff ist Gründerin und Vorstandsvorsitzende der Stiftung „Ein Platz für Kinder“, die das Mega-Projekt in Mitterndorf stemmt. Tatsächlich sucht das Konzept samt Betreuungs- und Therapieangeboten deutschlandweit seinesgleichen. Wenn Georg hier nicht zur Ruhe kommt, dann wohl nirgendwo.

Waschbecken sind aus Hartgummi

Es fängt schon mit dem Gebäude an: Nach dem Haus-in-Haus-System gibt es im ersten und zweiten Stock vier separate Wohngruppen. Jedes Mattisburg-Kind bekommt sein eigenes Zimmer. Alle Räume sind speziell gestaltet und ausgestattet: reizarme Farben, beruhigendes Ambiente, Möbel ohne Kanten und Ecken, Waschbecken aus Hartgummi oder Betten, die in die Wand eingelassen sind.

So geht nichts kaputt, wenn sich Kinderängste in Wut verwandeln. Aber noch wichtiger: So wird das Selbstverletzungsrisiko minimiert, zumal „ein Sechsjähriger bei einem Wutausbruch Kräfte entwickelt, die wir uns gar nicht vorstellen können“, so Ruoff. „Das hat mit ihrem Überlebenskampf zu tun.“ Deshalb gibt es in der Mattisburg nur Verbundglas: „Das muss man sich ein bisschen so vorstellen wie Panzerglas.“

Was für die Möbel gilt, wird auch von Betreuern, Pädagogen und Therapeuten verlangt: Sie müssen die Kinder aushalten können, das heißt: ihre Verhaltensweisen und Bedürfnisse verstehen. Hierfür sind speziell geschulte Kräfte erforderlich, die ihr Bestes geben – und ein hoher Personalschlüssel, der eine Eins-zu-Eins-Betreuung ermöglicht, selbst mitten in der Nacht.

Bei Georg ist es die Angst vorm Vater, anderen Kindern raubt die Furcht vorm Alleinsein, Hunger oder sonstigen Schatten der Vergangenheit den Schlaf. Hinzu kommt Bauchweh, Zahnweh, Zittern, Angstschweiß, Inkontinenz – auch der Körper trägt das Trauma in sich.

„Im Internat gewährleisten wir Nachtwachen: Wir passen auf, trösten, beruhigen, nehmen Ängste“, sagt Cornelia Heß, die das Haus am Chiemsee leiten wird. Ist Georg dort wirklich vor seinem Papa sicher? Der könnte sich ja ins Haus schleichen, seine Kinderzimmertür eintreten, auch wenn sie von innen verriegelt ist.

Kinder können ihre Zimmer zusperren

Ja, das ist kein Druckfehler: Mattisburg-Kinder können die Türen ihrer Kinderzimmer von innen zusperren. Wer von Eltern oder Verwandten im Schlaf „überfallen“ worden ist, der braucht das, ein Gefühl von Sicherheit. Aber natürlich können sich die Betreuungskräfte in kritischen Situationen Zutritt verschaffen.

Gewohnt wird also im ersten und zweiten Stock, die Klassenräume im „Therapeutischen Internat Sternstunden Mattisburg Chiemsee“ – so der volle Name – sind im Erdgeschoss. Altes wird dort mit Neuem verbunden: Die Säulen und Gewölbe des ehemaligen Murnerhauses sorgen für ein tolle Ambiente, moderne Modulsysteme sorgen für maximale Flexibilität bei der Raum- und Unterrichtsgestaltung. Zudem bekommt jedes Klassenzimmer seinen eigenen Pausenhof.

Wenn Mathe auf einmal Spaß macht

So heilt die Mattisburg mit der Zeit so manche verletzte Kinderseele. Man kann sich den kleinen Georg schon gut vorstellen: Wenn oben die Nächte länger und die Albträume kürzer werden; wenn unten im Unterricht Mathe plötzlich Spaß macht, weil die Schulstunden jetzt seiner emotionalen und sozialen Verfassung angepasst sind; und wenn er draußen, am Chiemsee-Ufer, einen Spaziergang zu dritt unternimmt, weil er erstmals Besuch bekommen hat – von der Mama und der kleinen Schwester, die sich in der Reha und in der Pflegefamilie ebenfalls gut machen.

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