OVB-Weihnachtsaktion

Bernhards süße Welt: Mit 7 ins Haus Christophorus in Brannenburg, heute ist er 36

Im Alter von 7 Jahren kam Bernhard ins Haus Christophorus in Brannenburg.
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Im Alter von 7 Jahren kam Bernhard ins Haus Christophorus in Brannenburg.
  • Ludwig Simeth
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Bernhard kann nicht sprechen. Dabei hätte er so viel zu erzählen – genau wie alle anderen Kinder und erwachsenen Bewohner im Haus Christophorus. Also hat sich OVB-Redakteur Ludwig Simeth in die Gedankenwelt von Bernhard (36) hineinversetzt und berichtet aus seiner Perspektive vom „Dolce Vita“.

Rosenheim/Brannenburg – Liebe Leserinnen und Leser der OVB-Heimatzeitungen, ich bin der Bernhard und wir Bewohner finden es toll, dass sich jetzt so viele Menschen für unsere Geschichten interessieren. Die Aufmerksamkeit tut uns gut.

Vom pfiffigen Bürscherl zum „Dino“

Ihr wundert euch sicher über mein Alter. Ja, mit 36 Jahren bin ich hier ein „Dino“ im Haus Christophorus in Brannenburg – eigentlich kein Kind mehr, irgendwie aber schon. Ein großes Kind halt. 1991 bin ich hierher gekommen – mit sieben Jahren, ein zwar schwerstmehrfach behinderter Bub, aber auch ein pfiffiges Bürscherl mit Dickkopf. Meine Betreuerinnen hatten es sicher nicht immer leicht mit mir.

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Das ist fast 30 Jahre her. Bin ich nun zu alt für das Haus Christophorus? Nein! Wir sind eine große Familie, da ist für jeden Platz – auch wenn man erwachsen ist. Einige Betreuerinnen kennen mich vom ersten Tag an. Ein Leben irgendwo anders kann ich mir nicht vorstellen. Hier ist meine Heimat, hier ist mein Leben – und es ist ein süßes Leben. Aber dazu später mehr.

Heute ist Bernhard 36 Jahre alt.

Als ich sieben war, hat mich das Jugendamt von Bad Aibling nach Brannenburg gebracht – nicht weil meine Eltern mich nicht lieb hatten. Sie waren nur mit der Schwere meiner Behinderung und der Betreuung meiner zwei Geschwister komplett überfordert.

Ein ganz Süßer, ein Milchbubi

Ich sitze im Rollstuhl, kann nicht sprechen, habe autistische Züge. Na und? Dafür verstehe ich mehr als meine Betreuerinnen meinen. Und: Ich kann hören, fühlen, spüren, greifen – und vor allem schmecken.

Ich bin nämlich ein ganz Süßer und ein Milchbubi, im wörtlichen Sinn. Am liebsten würde ich mich nur von Pudding, Joghurt, Buttermilch und Schokolade ernähren. In vielen Dingen habe ich mich hier toll weiterentwickelt, aber die Liebe zum kulinarischen Dolce Vita ist mir geblieben.

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Ich habe viel gelernt. Ich kann mich eine Minute alleine auf den Beinen halten, fast ganz alleine essen, fahre mit dem Rollstuhl zielgerichtet von Zimmer zu Zimmer – und nicht nur im Kreis herum. Ich ziehe mich auch nicht mehr aus, um die Klamotten durch Finger und Zehen gleiten zu lassen, so wie in meiner Kinderzeit. Ich akzeptiere jetzt Kleidung und Schuhe am Körper und auf der Haut.

Labrassbanda, Eberhofer, Hubert & Staller

Apropos. Richtig unter die Haut gehen mir die Stunden in meinem „Sky-Chair“ – so etwas wie eine moderne Hängematte. Das ist mein Lieblingsplatz, da kann ich richtig entspannen. Manchmal höre ich dabei Musik, deutsche Schlager oder bayerische Musik, zum Beispiel Labrassbanda oder Claudia Koreck. Momentan sind bei mir aber eher ruhigere, besinnliche Töne angesagt.

Nur gut, dass wir zwei – also der Benedikt, mein Zimmergenosse in der Theresiagruppe, und meine Wenigkeit – inzwischen eine beachtliche CD-Sammlung beieinander haben. Da gehören Hörspiele dazu. Derzeit unser Favorit: Die „Eberhofer-Krimis“ und im Fernsehen „Hubert und Staller“.

Kommentar zur OVB-Aktion:

Spenden in Zeiten der Corona-Pandemie: Öffnen Sie den Kindern Ihr Herz!

Auf Handführung kann ich in der Einzelförderung gern verzichten, nicht aber auf die magischen Momente im Klangbett: was für eine Wohltat, wenn der Bass sanft durch jede Faser meines Körpers dringt. Ich mag Töne, Schwingungen und Flexibilität: Die Ziegenfalltrommeln auf den Fingerkuppen spüren zu dürfen und damit Musik zu machen, das ist mehr als Musiktherapie, das macht richtig Spaß. Ebenso wie Plüschsachen drücken oder mit Schnüren spielen.

Ich könnte euch auch von den Ausflügen zum Bäcker oder zur italienischen Eisdiele erzählen. Aber dafür reicht hier der Platz nicht. Dass ich mir jede Kugel „Gelati“ auf der Zunge zergehen lasse, könnt ihr euch denken. Nicht so toll finde ich, dass mein süßes Leben immer wieder von herzhaften Mahlzeiten wie Leberkäs und Kartoffelsalat oder Würstl mit Sauerkraut „gestört“ wird. Nun ja, essen kann man auch das.

Warum ich euch das alles erzähle? Damit ihr eine Vorstellung von uns im Haus Christophorus bekommt und lernt, dass wir nicht nur Beeinträchtigungen haben, sondern viele wunderbare und glückliche Momente erleben dürfen. Auch wenn wir keine Alleskönner sind. Aber das seid ihr ja sicher auch nicht.

Großfamilie ja – Puddingräuber nein

Ein erfülltes Leben ist das, die Zeit vergeht wie im Flug, wenn man in besten Händen ist. Und in vertrauten Händen, etwa bei Monika Huber von der kleinen Fördergruppe oder bei Silvia Deindl. Beide kennen mich von kleinauf, genau wie Lotte Mair, die mir manchmal zusätzlich heimlich eine süße Leckerei zusteckte. Sie kommt jetzt leider nicht mehr so oft. Ich glaube, sie ist in Rente.

In die Rente denken wir hier im Haus Christophorus noch lange nicht. Im Gegenteil, wir haben große Pläne. Unsere Familie soll wachsen, von 41 auf dann 48 Familienmitglieder. Genau darum geht es bei der OVB-Weihnachtsaktion. Ich freue mich schon auf die sieben neuen Buben und Mädchen. Nur meinen Vanillepudding dürfen sie nicht anrühren.

Das Projekt: Ein Zuhause für noch mehr Kinder

Das Haus Christophorus in Brannenburg soll größer werden. Die Zahl der Plätze für Kinder mit schwersten Beeinträchtigungen wird von 13 auf 20 erweitert, zudem soll dort eine interne Klasse entstehen, mit Beschulung durch die Philipp-Neri-Schule in Rosenheim. Auch davon können Kinder und deren Familien aus ganz Oberbayern profitieren. Insgesamt leben derzeit 13 Kinder und 28 Erwachsene mit Schwerstmehrfachbehinderungen im Haus Christophorus.

Auto zu gewinnen

Auch ein Auto gibt es bei der Weihnachtsaktion zu gewinnen. Unter allen Spendern und Teilnehmern wird ein Mazda 2 verlost. Den Wagen im Wert von rund 16.000 Euro hat City-Autopartner Kolbermoor, ein Unternehmen der Auto-Eder-Gruppe, kostenlos zur Verfügung gestellt. Der Gewinn wird also nicht mit Spendengeldern finanziert.

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+++ Mit der diesjährigen Weihnachtsaktion unterstützten die OVB-Heimatzeitungen das Haus Christophorus in Brannenburg. Hier finden Sie unsere Themenseite zur OVB-Weihnachtsaktion. Alle Informationen zur Aktion gibt es hier. Sie wollen für die OVB-Weihnachtsaktion spenden? Hier geht‘s zum Spendenformular. +++

.Jede Spende ab 10 Euro automatisch im Lostopf

Jede Spende ab zehn Euro nimmt automatisch an der Verlosung des Mazda 2 teil. Die Namen der Spender werden in der Zeitung veröffentlicht. Wer nicht mit seinem Namen erscheinen will, vermerkt dies bei der Überweisung mit dem Zusatz „Anonym“ oder „Keine Namensnennung“. Mitarbeiter des OVB-Medienhauses und der Auto-Eder-Gruppe sowie Angehörige können nicht an der Verlosung teilnehmen. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen. Ihre Betroffenenrechte und Datenschutzinfos finden Sie unter https://www.ovbabo.de/datenschutz. Aus rechtlichen Gründen sind wir verpflichtet, auch Nicht-Spender am Gewinnspiel teilnehmen zu lassen. Diese schicken eine Postkarte mit dem Kennwort „Weihnachtsaktion: Ich will ohne zu spenden gewinnen“ ans OVB.

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