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OVB-Leserforum

„Erst schießen, dann fragen“: Wie nah darf der Wolf dem Menschen kommen?

„Vorsicht! Hier ist ein Wolfsgebiet!“ und Verhaltensregeln stehen auf einem Schild, das von Unbekannten an diesem Waldrand aufgehängt wurde.
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„Vorsicht! Hier ist ein Wolfsgebiet!“ und Verhaltensregeln stehen auf einem Schild, das von Unbekannten an diesem Waldrand aufgehängt wurde.

Der Streit um den möglichen Abschuss eines Wolfes im Chiemgau entzweit die OVB-Leserschaft. Was ist die richtige Reaktion auf die Tierrisse?

Heinz-Jürgen Pohl (Prien): „Es gibt einen oft gehörten/ gesagten Spruch in der Jägerschaft, der mich irgendwie etwas nachdenklich stimmt: „Jeder Schuss ist immer der erste Schuss“ und/oder „Jedes erlegte Tier ist immer das erste Tier.“ Ansonsten kommt mir der Satz: „Erst schießen – dann fragen“ in den Sinn.

Ein Lebendfang von einem Wolf, wäre genauso möglich, dann könnte man das Tier direkt und unverkennbar identifizieren und nicht betroffene Tiere vor Ort wieder freilassen. Wenn es denn gewollt wäre.

Klar, es ist auch nachvollziehbar, dass das Erschießen eines gefangenen Wolfes für einen Jäger wahrscheinlich nicht so aufregend und prestigeträchtig wie eine Jagd und das Erlegen in der freien Natur. Doch wenn jemand sagt, dass ein Lebendfang für einen Wolf nicht okay ist, wenn er zum Beispiel per Falle gefangen wird, dann frage ich mich, wie gut die aktuelle Regelung für einen beziehungsweise für alle Wölfe sein kann?“

„Wölfe sind weder gut noch böse“

Werner Schneider (Traunstein): In einem Kinderbuch meiner Enkel steht wörtlich: Ein Wolf wird zehn Jahre alt, lebt in Rudeln, jagt Elche, Rentiere, Bisons, auch Hasen, Lachse und Vögel. Er lebt in Kanada und Sibirien.

Wölfe sind weder gut noch böse, das sind Raubtiere. Und so eine Überraschung: Bei uns im Chiemgau hat einer Beute gemacht und das auch noch mehrfach.

Für Gentests wurde Geld ausgegeben. Wieso? Was kostet das, und wer bezahlt das? Und was wissen wir danach? Aha! Jetzt soll er also abgeschossen werden. Das ruft sofort wieder jede Menge „Tierromantiker“ auf den Plan. Auch die sollten eigentlich wissen, dass Wölfe nicht vom Aussterben bedroht sind und dass sich der Bestand alle zwei bis drei Jahre verdoppelt. An der Stelle kommt man mit Romantik nicht weit. Mit etwas mathematischem Denken und Fantasie sollte man sich vorstellen können, wie die Situation in zehn Jahren sein wird. Was sagen diese „Tierromantiker“ dazu?

Somit ist es wie an vielen anderen Stellen unseres übervölkerten Planeten: Zu viele sind definitiv nicht gut, sorgen für jede Menge Probleme. Anscheinend haben wir noch nicht genug davon. Ich persönlich finde, dass Wölfe grundsätzlich nicht in eines der am dichtesten besiedelten Länder der Erde gehören. Mir tun die Betroffenen leid.

Hans J. Schwaiger (Kolbermoor): Die Schlagzeile „Lizenz zum Töten“ im Regionalteil ist an Theatralik kaum mehr zu überbieten. Es handelt sich dabei nicht um einen „007 – James-Bond-Akt“. Fahren Sie Ihre Geschütze mal etwas runter, das schadet der Sache bestimmt nicht. Übrigens gehöre ich nicht zu der einen oder anderen Fraktion, von Befürwortern oder Gegnern.

Manfred Altmann (Rosenheim): Seit Mitte Januar kocht die Diskussion um den Wolf in der Region wieder sehr hoch. Ich meinerseits kann teilweise die Argumente beider Seiten nachvollziehen, was es mir schwer macht, mich bei diesem Thema klar zu positionieren. Was mir aber keine Probleme macht, ist diesen heute allseits üblichen, euphemistischen Sprachgebrauch in der öffentlichen Diskussion (und auch im Behördendeutsch) anzuprangern: „Entnahme des Wolfs“ klingt so unschuldig. Als ob da ein Kran kommt, den Wolf hochhebt und woanders wieder absetzt.

Wenn man den Wolf abschießen will, soll man auch dazu stehen, genauso wie beispielsweise auch Unternehmen dazu stehen sollen, wenn sie Mitarbeiter entlassen, und nicht verharmlosend von „Freistellung“ reden. Dieses notorische „so tun als ob…“ in unserer Alltagssprache ist unsäglich. Doch dies nur nebenbei.

Was ich zusätzlich ärgerlich finde, ist, dass man sich jetzt schon wieder ausmalen kann, wie die regionalen Billy the Kids und Wyatt Earps vor dem Spiegel stehen und den Abschuss üben, wie es seinerzeit bei Braunbär Bruno schon der Fall war. Aber vielleicht tut der Wolf ihnen nicht den Gefallen und ist schon weitergewandert. Die zuletzt fehlenden Anzeichen deuten ja darauf hin.

„Ein Raubtier spaltet die Gesellschaft“

Herbert Sax (Großkarolinenfeld): Ein Raubtier spaltet die Gesellschaft. Dass der Wolf nicht harmlos ist, lernte ich schon als Kleinkind, denn meine Großmutter erzählte mir als Kind viele Wolfsgeschichten aus Russland. Dieses Tier wurde von der Landbevölkerung wohl als Bedrohung gesehen. Daher sind viele Erzählungen überliefert worden. Auf Seite 2 vom 18. Januar schrieben Herr Kotter und Herr Göttler ein Pro und Contra zur Entnahme. Der Vorschlag von Herrn Göttler, nichts zu tun, zeigt, dass er Stadtbewohner ist – mit wenig Erfahrung in der Landwirtschaft, denn ein Elektrozaun hält keinen Wolf ab. Kühe und Schafe scheuen den Zaun jedoch.

Vermehrt sich der Wolf weiter, was anzunehmen ist, wird es sehr ungemütlich für die Bauern, denn die Entschädigung deckt die Schäden durch Wolfsrisse nicht. Jetzt nichts zu tun, könnte aber fatale Folgen haben. Kinder auf dem Land gehen selbstständig zur Schule und spielen ohne Aufsicht in der Landschaft und auch im Wald. So jedenfalls ist meine Erinnerung an die Kindheit. Man muss es nicht herausfordern, dass etwas passiert. Und wenn es passiert, was letztlich nur eine Frage der Zeit ist, sind die Wolfsvermehrungsbefürworter mit Sicherheit in der Defensive, und dann sollte man Herrn Göttler beauftragen, einen Artikel darüber zu verfassen, was ihm sicher nicht besonders angenehm wäre. Der Wolf steht nicht auf der Liste der bedrohten Tiere. Ein Abschuss (Neudeutsch: Entnahme) ist angebracht, wenn er zur Gefahr für Nutztiere und Menschen wird. Er wurde in der Vergangenheit stark dezimiert, weil damals genau das oft passierte, was jetzt als Befürchtung im Raum steht. Lasst die Bauern und Jäger entscheiden, was zu tun ist, und nicht Journalisten, Gerichte und sonstige Stadtbewohner.

„Tierwohl ade“

Peter Moosmüller (Bad Endorf): Die Politik fordert von den Bauern großes „Tierwohl“, damit ihre Tiere artgerecht gehalten werden und auch im Freien viel und sicheren Auslauf bekommen. Die gleiche Politik möchte aber auch den Wolf ansiedeln und ganze Rudel züchten – da ist in Zukunft das tägliche Jagen und grausame Töten der vielen Wild- und Nutztiere schon vorhergesagt! Wenn zum Beispiel ein freilaufender Hund einmal ein Reh reißt, ist das Entsetzen in Presse sehr groß. Aber: Wölfe, die sehr viele Wald- und Nutztiere zu Tode jagen und auch mal ganze Schafsherden mit ihren Jungtieren grausam zerlegen, das muss „brav“ geduldet werden. Das große „Tierwohl“ ade.

Simon Kirschner (Bad Endorf): Es ist schon erstaunlich, mit welchem Engagement Naturschützer wie auch Grüne und SPD-Landtagsabgeordnete sich für einen Lämmer zerreißenden Wolf einsetzen und einen Beschluss der Regierung für einen geregelten Abschuss jetzt auch noch verhindern konnten. So erscheint mir so ein fragwürdiger Lebensschutz schon etwas ver-rückt zu sein, wenn in unserem Land bei jährlich rund 100 000 vorgeburtlichen Tötungen kaum ein Aufschreien vernommen wird.

Kaum einer regt sich auf, wenn jetzt auch noch die Ampelregierung Tötungen neuen Lebens im Rahmen einer üblichen ärztlichen Gesundheitsversorgung vereinfachen will. Jetzt soll es geschäftstüchtigen Ärzten noch leichter ermöglicht werden, vorschnell beim Töten einer Leibesfrucht nachhelfen zu können. Bedenklich, wenn die jetzige „Fortschrittsregierung“ kaum etwas über echte Familienförderung sagt, wo doch vor allem hier Kinder und damit künftige Fachkräfte geboren werden. Werden aufgrund von oft überteuerten Wohnungen oder anderer sozialen Notlagen nicht selten Kinder abgetrieben oder Kinderwünsche verdrängt.

Bedenklich, wenn es für die Wolfsförderung eigene Wolfsbeauftragte in den Regionen gibt und zum Schutz von Wölfen nicht wenig ausgeben wird, während Frauen in einer Mütterrolle oft im Hinblick auf ihre Leistungen im Hinblick auf unsere geschwächten Sozialsysteme kaum beachtet und in unserem Rentensystem noch weitgehend wie Nichtarbeitende behandelt werden. Gäbe es für jedes geborene Kind eine Prämie in der Höhe eines E-Autos, bekämen Frauen wie junge Familien die notwendige Aufwertung, die sie für unseren Staat verdienen, der doch eh schon seit langem ganz schön alt und kinderarm daherkommt.

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