Drei Männer müssen ins Gefängnis

Opfer mit Machete und Elektroschocker gequält: Traunsteiner Gericht verhängt lange Haftstrafen

Mit einem Elektroschocker haben Männer aus dem Chiemgau ihr Überfallopfer gequält. Dafür müssen die Haupttäter nun lange in Haft.
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Mit einem Elektroschocker haben Männer aus dem Chiemgau ihr Überfallopfer gequält. Dafür müssen die Haupttäter nun lange in Haft.
  • vonMonika Kretzmer-Diepold
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Die Haupttäter, die bei zwei Überfällen ihre Opfer mit einem Schlagring, einer Machete und einem Elektroschocker gequält haben, müssen lange in Haft. Das hat ein Traunsteiner Gericht am Dienstag (27. Oktober) entschieden. Der mitangeklagte Chieminger (37) bekam eine Bewährungsstrafe.

Traunstein/Chieming – Wegen zweier Überfälle in deren Wohnungen auf einen 39-Jährigen am 11. April 2019 in Traunreut und am 11. Januar auf einen körperlich behinderten 54-jährigen Mann in Traunstein verhängte die Zweite Strafkammer am Landgericht Traunstein mit Vorsitzendem Richter Erich Fuchs gestern wegen verschiedener Delikte und teils nur wegen Beihilfe Haftstrafen gegen drei Männer, eine Geldstrafe gegen den vierten Angeklagten. Außerdem ordnete das Gericht teils die Unterbringung in einer Entzugsanstalt an.

Tätlicher Angriff in unterschiedlicher Besetzung

Die überwiegend vorbestraften Angeklagten im Alter zwischen 32 und 38 Jahren aus Garching an der Alz, Traunreut und Chieming hatten die tätlichen Angriffe in unterschiedlicher Besetzung jeweils zu dritt, dazu unter Einfluss von Alkohol sowie Drogen verübt. Beide Opfer wurden erheblich verletzt. So trug der nach einem Unfall gehandikapte 54-Jährige Rippenbrüche, eine Nasenbeinfraktur, Prellungen und Schürfungen davon, der 39-Jährige diverse Verletzungen im Gesicht.

Die Angriffe stufte die Kammer im Urteil als gemeinschaftlich begangene gefährliche Körperverletzungen ein. Hinzu kam bei den Haupttätern ein „besonders schwerer Raub“ in der Wohnung des 54-Jährigen, dem neben Geld ihm vom Arzt verschriebene schwere Medikamente mit legalen Betäubungsmitteln gestohlen worden waren. Dieses Opfer hatten die Täter mit Schlägen, Tritten, einem Elektroschocker und einer Machete gequält. Der dritte Mann hatte lediglich Schmiere gestanden.

Vielfach vorbestraft

Staatsanwalt Thomas Peter hatte für den 32-jährigen Traunreuter auf 15 Monate Freiheitsstrafe mit Bewährung und Alkoholtherapieauflage plädiert. Der vielfach vorbestrafte 38-Jährige aus Garching sollte mit neun Jahren Gefängnis büßen, auf eine Unterbringung zum Entzug sei zu verzichten. Für den 33-Jährigen aus Traunreut plädierte der Ankläger auf acht Jahre Haft, ebenfalls ohne Anordnung der Unterbringung. Ein 37-Jähriger aus Chieming, der nur in Traunstein mit von der Partie war, sollte sechs Jahre Freiheitsstrafe erhalten, auch ohne Unterbringung. Nebenklagevertreter Benedikt Gschwendner hatte sich dem Staatsanwalt angeschlossen.

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Die Verteidiger hatten das Tatgeschehen weniger schwerwiegend gesehen. Karl-Heinz Merkl aus Burghausen hielt für den Garchinger vier Jahre drei Monate Haft für angemessen, dazu Unterbringung in einer Entzugsanstalt. Das forderte auch Jörg Zürner aus Mühldorf – neben vier Jahren Haft – für den 33-jährigen Traunreuter. Hanns Barbarino aus Altötting beantragte Freispruch und Haftentschädigung für den Chieminger. Auf Freispruch im Hauptvorwurf und eine Geldstrafe wollte Verteidigerin Kerstin Zinke aus Traunreut für den 32-jährigen Traunreuter hinaus.

Die Zweite Strafkammer orientierte sich im Urteil bei den Strafhöhen eher am Schlussantrag des Staatsanwalts. Abweichend von ihm ordnete das Gericht gegen die Haupttäter jedoch Unterbringung in einer Entzugsanstalt an. Gegen den Garchinger erging darüber hinaus eine Freiheitsstrafe von acht Jahren. Vor dem Wechsel in eine Entzugsanstalt muss er 24 Monaten vorweg im Gefängnis verbüßen. Der 33-jährige Traunreuter erhielt sieben Jahre Haft. Bei ihm sind vor Therapieantritt 18 Monate Vorwegvollzug fällig.

Suchttherapie und Screenings

Der Chieminger wurde zu 15 Monaten Freiheitsstrafe mit dreijähriger Bewährungszeit verurteilt. Unter den Bewährungsauflagen waren eine Suchttherapie, ein Verbot, Drogen zu konsumieren und regelmäßige Screenings. Der 32-jährige Traunreuter kam mit einer Geldstrafe von 70 Tagessätzen zu je 15 Euro, also von insgesamt 1050 Euro davon. Der Vorsitzende Richter beleuchtete die jeweiligen Tatbeiträge der Angeklagten und ihre rechtliche Wertung in der Urteilsbegründung eingehend.

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