Mitgefangener belastet Angeklagten schwer

Opfer angeblich nicht selbst erschossen

Traunstein/Edling/München - Einem Mitgefangenen soll der wegen Mordes angeklagte 49-jährige Türke aus München angeblich seine Tatbeteiligung an dem Verbrechen an seinem 52-jährigen Landsmann Osman Saracuz gebeichtet haben. Das Opfer war in der Nacht zum 14. März 2010 sterbend am Rand der Kreisstraße RO42 nahe Edling von Autofahrern gefunden worden.

Im Mordprozess vor dem Schwurgericht Traunstein behauptete der Zeuge, er kenne den Angeklagten von einer früheren Taxifahrt in Augsburg. In der Justizvollzugsanstalt München-Stadelheim habe man sich wieder getroffen und ein "Vertrauensverhältnis" entwickelt. Auf der Krankenstation habe ihm der Angeklagte erzählt, er habe das spätere Opfer an einen "einsamen Platz" gefahren. Drei oder vier andere Leute hätten die Tat begangen. Er selbst wäre zwar dabei gewesen, habe aber nicht geschossen. Als Motiv habe der 49-Jährige genannt, er wolle Präsident des türkischen Hilfsvereins werden und an den Geschäften teilnehmen.

Der Verteidiger, Hartmut Wächtler aus München, versuchte umgehend, den Mitgefangenen als notorischen Lügner darzustellen, stellte Anträge auf Gutachten und Verlesung der Vorstrafen - falls das Gericht diese Aussage verwerten wolle. Der 49-Jährige hatte den Mord bislang immer zurückgewiesen.

Ein wichtiges Detail dieses Indizienprozesses könnte außerdem eine Beschädigung an dem Auto sein, das der Angeklagte am Abend des 13. und der Nacht zum 14. März gefahren hatte. Die Staatsanwaltschaft nimmt eine Fahrt mit dem Geschädigten bis Edling, den Schuss am Rand der Kreisstraße Ro 42 und Rückfahrt nach München an, wo der 49-Jährige aus nicht geklärten Gründen nachts gegen 2.30 Uhr die Reifen des Wagens wechselte. An der Beschädigungsstelle des Pkw außen auf der Beifahrerseite wiesen Gutachter DNA-Material des Opfers nach, das mit einem Projektil dorthin gelangt sein könnte. Der Verteidiger beantragte, den Vorbesitzer des Autos als Zeuge zu laden - zum Beweis dafür, dass der Lackkratzer schon vorher existiert hatte.

Ob das Gericht den sechs Beweisanträgen nachgeht, wird am 7. April bekannt gegeben. Vorsorglich bestimmte die Kammer mit dem 14. April einen zusätzlichen Fortsetzungstermin. kd

Kommentare