Günther Harlander im Gespräch

Oberaudorfer Unternehmer: „Grenzkontrollen machen mir sehr zu schaffen“

Günther Harlander hat mit den Einreisebestimmungen sehr zu kämpfen.
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Günther Harlander hat mit den Einreisebestimmungen sehr zu kämpfen.
  • Julia Volkenand
    vonJulia Volkenand
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Die strengen Einreisebestimmungen von und nach Tirol sind eine echte Herausforderung für Schüler, Pendler und Händler. Auch Günther Harlander von Harlander Baustoffe in Oberaudorf kommt hier an seine persönlichen Grenzen. Denn fast die Hälfte seiner Kundschaft lebt in Tirol. Unserer Redaktion gegenüber berichtete er von einem besonders einschneidenden Erlebnis bei der Einreise.

Oberaudorf - Strenge Einreisebeschränkungen herrschen seit der Nacht zu Sonntag, den 14. Februar und sorgen für viel Wirbel unter Schülern und Pendlern. Auch für Handeltreibende sind die neuen Regelungen eine Herausforderung. So auch für Günther Harlander, von der Oberaudorfer Firma Harlander Baustoffe. Er wendet sich auf Facebook in einem emotionalen Video an seine Kunden, Kollegen und die Regierung.

„Wir beliefern viele Kunden in Tirol und sind auch froh darüber, dass wir viele Tiroler Kunden haben“, beteuert er gleich zu Beginn des Videos. Ganze 40 Prozent seines Kundenstammes machen diese aus, also fast die Hälfte. Die Grenzkontrollen machen Harlander sehr zu schaffen, moniert er weiter: „Ich bin ziemlich genervt und wütend über das Ganze!“

Er und seine Mitarbeiter lassen sich regelmäßig testen, um ihre Kundschaft und sich selbst zu schützen, aber auch, damit sie über die Grenze dürfen. Im Gespräch mit rosenheim24.de macht Harlander den Haken an der Sache schnell klar: Der Schnelltest beim Arzt, der nun doch für den Grenzübertritt anerkannt wird, kostet Geld. Das summiert sich, wenn man fast jeden zweiten Tag getestet werden muss, recht zügig. Um zur zugewiesenen Teststation in Kiefersfelden zu kommen, müssten er und sein Team aber über die österreichische Grenze fahren, was wiederum nicht erlaubt ist.

Ein Vorfall habe Harlander besonders mitgenommen. Sein Mitarbeiter habe Ware nach Tirol geliefert, die Bestellung habe schon eineinhalb Tage warten müssen, weil das Testergebnis (damals noch der Labortest) auf sich habe warten lassen. Der Druck sei immer größer geworden, den Kunden zu beliefern, weil man Angst hatte, ihn sonst zu verlieren. Das wäre finanziell ein herber Schlag gewesen.

Testergebnis ließ zu lange auf sich warten

Harlander habe daraufhin zum ersten Mal entschieden, dass er und seine Mitarbeiter ihre Pflicht erfüllt haben, da sie sich ja testen haben lassen. Der Staat dagegen habe seinen Teil nicht erfüllt, das Ergebnis lasse zu lange auf sich warten, begründet der Unternehmer seine Entscheidung. Der Mitarbeiter habe die Ware also ohne Testergebnis nach Tirol geliefert und sei auf deutscher Seite der Grenze kontrolliert worden. Über eine Stunde lang habe es Diskussionen über die Strafmaßnahme zwischen dem Mitarbeiter und dem kontrollierenden Polizisten gegeben.

Harlander sei daraufhin selbst zur Grenze gefahren, um dem Beamten gegenüber zu beteuern, dass der Mitarbeiter getestet wurde, aber leider kein Ergebnis bekommen habe. Der inzwischen sichtlich genervte Polizist habe ihnen die Chance eingeräumt, zurück nach Kufstein zu fahren, um erneut getestet zu werden. Vorher könne er den Mitarbeiter nicht über die Grenze lassen. Da sei es bereits 18 Uhr gewesen. Das Angebot habe man auch angenommen, in der Hoffnung, dass das Ergebnis in Kufstein sofort vorliegen werde.

Zum Glück habe der Mitarbeiter dort zügig sein negatives Testergebnis bekommen und wieder einreisen können, berichtet Harlander rosenheim24.de gegenüber. „Wir fahren zweimal am Tag nach Tirol, um Ware auszuliefern.“, berichtet er weiter. Denn die Kundschaft dürfe ja nicht mehr über die Grenze kommen, um die Ware selbst abzuholen. Also sammle man die Bestellungen und fahre einmal vor- und einmal nachmittags nach Tirol, um auszuliefern.

Ein schnelles Ergebnis für Tests sei dafür die Voraussetzung. „Das schnellste Ergebnis, dass wir bei einem Labortest je hatten, hat 24 Stunden gedauert“, erinnert sich Harlander.

Jeden Tag habt der Unternehmer mindestens eine Extra-Stunde Mehraufwand durch die Testung, Einreiseanmeldung für Deutschland und das Übermitteln der Testergebnisse an das Landratsamt. Zudem kostet jeder Test ihn 20 Euro.

Viele auf Tiroler Mitarbeiter und Kunden angewiesen

„Es sind so viele Firmen auf Tiroler Kunden und Mitarbeiter angewiesen“, beklagt er. „Muss es sein, mitten in Europa solche Grenzzäune aufzubauen und diese ohne Ausnahmen so zu überwachen? Wenn das noch ein paar Wochen so weiter geht, vermute ich, dass sehr viele Leute die Nerven verlieren werden.“

Für Menschen wie ihn und seine Mitarbeiter habe das derzeitige System keine funktionierende Regelung. Auch für beispielsweise Friseure, deren Salon auf deutscher Seite stehe, die aber selbst in Tirol leben, funktioniere das Ganze nicht. Auf Einzelfälle nehme die Regierung keine Rücksicht, bedauerte er weiter.

Mit seinem Video habe Harlander erklären wollen, wie es Firmen gehe, die täglich mit den Grenzregelungen umgehen müssen. Er wünsche sich, dass die Regierung über die Lage der Unternehmer in Grenznähe nachdenken und eventuell Lockerungen einführen könne.

Er hofft auf mehr Kulanz und Verständnis beim Einreiseprozess. „So, wie es jetzt ist, kann man kaum noch die Regeln einhalten und seinen Beruf richtig machen“, betont er.

jv

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