Oberaudorf unter Unfallschock

Nach dem tödlichen Autounfall am Brünnstein: „Wir sind alle sehr bedrückt“

Im alpinen Gelände nördlich des Brünnsteins stürzten die beiden Männer mindestens 60 Meter in die Tiefe.
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Im alpinen Gelände nördlich des Brünnsteins stürzten die beiden Männer mindestens 60 Meter in die Tiefe.
  • Sylvia Hampel
    vonSylvia Hampel
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„Warum sie in der leichten Linkskurve geradeaus gefahren sind, das wissen derzeit allein die Götter.“ Das sagt Stefan Rithel, Chef der Kiefersfeldener Polizei, über den Unfall in Oberaudorf, bei dem am Sonntag ein Mann ums Leben kam, ein anderer schwerverletzt überlebte.

Oberaudorf – Als Einheimische kannten die beiden Männer die Forststraße, was den tödlichen Unfall am Brünnstein für Raithel eher rätselhaft macht. Die Ermittlungen laufen, der von der Staatsanwaltschaft eingeschaltete Gutachter machte sich am Montag ans Werk. Die Obduktion des an der Unfallstelle verstorbenen 37-Jährigen fand ebenfalls am Nachmittag des 24. August statt. „Ergebnisse haben wir frühestens in einer Woche, eher 14 Tagen“, so Raithel.

Unfallzeitpunkt steht nicht fest

Noch steht nicht einmal der Unfallzeitpunkt fest. Ein anderer Almbauer, der nach seinen Tieren schauen wollte, habe am Sonntag zwischen 6 und 6.30 Uhr den Schwerverletzten am Straßenrand gefunden und die Rettungskette in Gang gesetzt, so der Polizeichef. Wann der Geländewagen mit den beiden Männer abgestürzt ist, ist derzeit noch offen.

Ob beim Semmelnholen oder an der Tankstelle, der Unfall der beiden Männer ist in der Gemeinde Gesprächsthema. Die beiden Männer sind in der gut 5300 Einwohner großen Gemeinde bekannt. „Natürlich sind wir alle sehr bedrückt“, so der Dritte Bürgermeister Max Resch. Von großer Betroffenheit spricht auch Katharina Kern. Die Kreisbäuerin ist Nachbarin und Freundin der Familie des schwerverletzten 44-jährigen. „Es ist tragisch und es tut uns sehr, sehr leid.“

Komplexer Einsatz von Bergwacht, Feuerwehr, Polizei und Luftrettung

Florian Lotter, Einsatzleiter der Bergwacht Hochland am Sonntag, ist froh, dass keiner seiner Leute einen engen persönlichen Kontakt zu den beiden aus dem Fahrzeug geschleuderten Männern hatte. „Der Einsatz war auch so schon hochkomplex, da reicht es, dass wir die Männer flüchtig kannten. Denn auch so nehmen wir von so einem Einsatz etwas mit nach Hause.“

Die Bergung des Wagens war aufgrund des Geländes schwierig, ein Spezialfahrzeug machte sich bezahlt.

Da hilft dann die Nachbesprechung des Einsatzes im Tal. Die bei etwa 50 Kräften von Bergwacht, Feuerwehr, Polizei und Luftrettung, die Hand in Hand arbeiteten um die Insassen des 60 bis 100 Meter tief abgestürzten Geländewagens zu retten beziehungsweise zu bergen, ohnehin intensiv ausfiel. Er habe vor allem erfahrene Kräfte im Einsatz gehabt, so Lotter und das sei bei diesem komplexen Einsatz auch gut gewesen.

Bergung des Wagens schwierig

Aufgrund der Geländeverhältnisse gestaltete sich die Bergung des Unfallfahrzeugs schwierig. „Wir waren insgesamt rund acht Stunden im Einsatz“, berichtet Christian Waldschütz, Geschäftsführer des gleichnamigen Abschleppunternehmens, im Gespräch mit den OVB-Heimatzeitungen.

Der Suzuki-Geländewagen musste von der Fachfirma im Steilhang zunächst gesichert und dann etwa 150 bis 200 Meter die Böschung hinaufgezogen werden. Als sehr hilfreich habe sich das neue Spezialfahrzeug erwiesen, „es ist genau für solch komplizierte Bergungen gedacht“, so Waldschütz. Dennoch: Um genügend Seil für das Hochziehen des Unfallwagens zu haben, habe man praktisch alle Bestände in der Firma miteinander verknüpfen müssen.

Familie hält zusammen

Den schwersten Part hatte am Sonntag wohl Thomas Bolz von der Notfallseelsorge: Er musste der Familie des tödlich verunglückten 37-Jährigen die Nachricht überbringen. Als er die Frau und die beiden noch recht kleinen Kinder nach knapp drei Stunden verließ, tat er das mit dem Eindruck: „Die Familie steht hinter ihnen, sie sind gut aufgehoben.“

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