Infektionszahlen müssen erst wieder sinken

Ob Feuerwehr, BRK oder Bergwacht: Corona stellt Einheiten der First Responder kalt

Schweren Herzens schickt Manuel Böhm, First Responder und Kamerad der Bruckmühler Feuerwehr, den RK 79/1 in den temporären Winterschlaf. Die Ersthelfer dürfen aufgrund der Corona-Pandemie vorerst nicht mehr ausrücken.
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Schweren Herzens schickt Manuel Böhm, First Responder und Kamerad der Bruckmühler Feuerwehr, den RK 79/1 in den temporären Winterschlaf. Die Ersthelfer dürfen aufgrund der Corona-Pandemie vorerst nicht mehr ausrücken.
  • Kathrin Gerlach
    vonKathrin Gerlach
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  • Thorsten Neuwirth
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„Die Feuerwehren müssen einsatzbereit sein“, betont Kreisbrandrat Richard Schrank. Deshalb wurden ihre freiwilligen Dienste im zweiten Lockdown nicht so stark beschränkt wie im ersten. Ob die First Responder ausrücken, entscheiden die Einheiten der Feuerwehren, des BRK und der Bergwacht selbst.

Landkreis – Neben dem Einsatz sind Ausbildungen und Übungen im „notwendigen Rahmen“ weiterhin erlaubt. „Sonst verlieren wir Einsatzkräfte“, begründet Schrank, der zugleich Mitglied des Katastrophenschutzstabes ist. „Vorrang haben die Pflichtaufgaben der Feuerwehren: Brandbekämpfung und technische Hilfeleistung“, betont der Kreisbrandrat.

Kommandaten müssen entscheiden

Deshalb hat er den Kommandanten der Feuerwehren in Breitbrunn, Au, Feldkirchen-Westerham, Ostermünchen und Rott am Inn die Entscheidung überlassen, abhängig von der Corona-Lage vor Ort mit ihren First Respondern auszurücken oder eben nicht. „Die First Responder Chiemsee Nord sind außer Dienst gestellt“, informiert Christian Glas. „Alle FR-Einsatzkräfte sind auch aktive Kameraden der Feuerwehr. Wir können es nicht riskieren, die Einsatzfähigkeit unserer Truppe durch eine mögliche Corona-Infektion zu gefährden“, begründet er.

Auch die First Responder der Ostermünchener Wehr rücken nicht mehr aus. „Wir hatten angedacht, es unseren Einsatzkräften ab einem Inzidenzwert von unter 150 – einer in unserem Einsatzgebiet überschaubaren Infektionsrate – freizustellen, ob sie ausrücken“, sagt Kommandant Ulrich Murnauer. „Doch davon sind wir weit entfernt.“ Trotzdem gibt es Ausnahmen: „Wenn die Integrierte Leistelle Rosenheim die Feuerwehr zu einem Erstversorger-Einsatz alarmiert, bei dem es um einen vital bedrohten Menschen geht, rücken wir selbstverständlich sofort aus. Hierfür haben wir dank des First Responder auch medizinisch ausgebildete Einsatzkräfte.“

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Auch First-Responder-Einheiten des BRK – Ersthelfer vor Ort – haben ihre freiwillige Arbeit eingestellt. „Seit dem Katastrophenfall“, informiert Thomas Hoesch von der Bereitschaft Aschau. „Als Sanitätsbereitschaft sind wir eine Einheit des Katastrophenschutzes. Den Katastrophenfall abzusichern, ist unsere Pflicht. Helfer des BRK vor Ort zu sein, ist eine freiwillige Aufgabe.“

Wer bezahlt bei einer Corona-Infektion im Hilfseinsartz den Ausfall?

Seit letzter Woche rückt auch der Bruckmühler First Responder nicht mehr aus. „Es blieb uns keine andere Wahl“, erklärt Einsatzchef Florian Kusterer. „Wir dürfen den Gesundheitsschutz unserer ehrenamtlichen Einsatzkräfte und ihrer Familien nicht aus den Augen verlieren“, betont er und macht klar: „Sie haben keine Absicherung.“ Das heißt: Wer sich infiziere, in der Arbeit ausfalle und deshalb möglicherweise seinen Job verliere, sei nicht abgesichert. Ganz zu schweigen von Selbstständigen, die nicht wüssten, wer ihnen den Arbeitsausfall bei einer Corona-Infektion im Ehrenamt ausgleiche.

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First Responder der Feuerwehren, des BRK und der Bergwacht gehören zum Zweckverband für Rettungsdienst und Feuerwehralarmierung Rosenheim. „Es ist ihnen freigestellt, sich einsatzklar zu melden oder nicht“, informiert Geschäftsleiter Stefan Forstmeier. Viele der ehrenamtlichen Helfer seien im Beruf als Krankenpfleger, Rettungssanitäter oder Altenpfleger und zusätzlich im Ehrenamt als Kameraden der Feuerwehren gegenwärtig enorm belastet.

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Dass in entlegenen Ortschaften nun die zeitliche Lücke zwischen der Alarmierung und dem Eintreffen der Rettungsdienste nicht mehr durch die ehrenamtlichen Ersthelfer überbrückt werde, stelle den Rettungsdienst im Landkreis aber nicht in Frage, betont Forstmeier. Der wird unter anderem vom BRK und den Maltesern gefahren. „90 Prozent unserer Mitarbeiter sind hauptamtlich, zehn Prozent ehrenamtlich. Alle sind im Einsatz versichert“, betont Thomas Neugebauer, Rettungsdiensleiter im BRK-Kreisverband.

Rettungsdienst ist weiter abgesichert

„Der Rettungsdienst muss laufen“, sagt auch Ernst Schütz vom Malteser-Hilfsdienst, der seine Einsätze zu 100 Prozent mit hauptamtlichen Mitarbeitern fährt.

Wann die First Responder wieder ausrücken dürfen, hängt von der Entwicklung der Corona-Fallzahlen ab. „Sollten signifikante Verbesserungen zu verzeichnen sein, werden wir die Außer-Dienst-Stellung auf den Prüfstand stellen“, kündigt der Bruckmühler FR-Chef Kusterer an. Der Ostermünchener Kommandant Murnauer hofft auf die Impfung, um mit seiner Mannschaft „für die Gemeinde Tuntenhausen als Ersthelfer wieder rund um die Uhr einsatzbereit zu sein“.

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