Nur nicht negativ auffallen

OVB
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Pfarrer gibt es immer weniger, ausgebildete Pastoralreferenten sind teuer und könnten - so die Vermutung vieler Verantwortlicher im Erzbistum - eine Konkurrenz zu den Pfarrern bilden. Die Lücke füllen daher Laien, die sogenannte Wortgottesdienste führen dürfen. Die Gläubigen bleiben diesen Feiern aber fern, die Kirchen bleiben leer (Bild: St. Nikolaus in Rosenheim). Ein Teufelskreis.

In Zeiten von Priestermangel und stetig wachsenden Pfarrverbänden ist das Arbeitspensum für Pfarrer an Weihnachten und Neujahr für einen Menschen alleine nur noch schwer zu bewältigen.

Immer öfter kommen darum in den katholischen Kirchen sogenannte Wortgottesdienstleiter und damit Laien zum Einsatz. Ihr ehrenamtlicher Dienst wird von vielen Gläubigen aber immer noch sehr skeptisch betrachtet. Katholische Kirchenvertreter in ganz Deutschland werden seit Jahren nicht müde, die Vorteile einer "Wort-Gottes-Feier" zu loben. Auf zahlreichen Internetseiten ist zu lesen, dass diese Form der Glaubenspraktizierung keinesfalls als reiner "Notbehelf" für die heilige Messe zu werten sei. Die Kirchenbesucher erwarte damit eben eine andere Gottesdienstform als die Eucharistiefeier - auf keinen Fall aber deren Imitation. Doch viele Gläubige sehen das anscheinend anders. Fakt ist, wo Wortgottesdienstleiter die Aufgabe der Pfarrer übernehmen, bleiben die Kirchen sehr oft fast leer.

Das beobachtet auch Martin Heimrath, Messner ist der Pfarrei St. Michael Rosenheim. "Zu einer Wort-Gottes-Feier kommen viel weniger Besucher als zu einer Messe", berichtet er.

Der größte Unterschied zwischen einem Wortgottesdienst und einer Eucharistiefeier: Die Wandlung fehlt. Genau das ist aber etwas, was viele Gläubige bei ihrem Kirchenbesuch nach wie vor als wichtig erachten. "Besonders konservative Menschen und ältere Menschen wollen einen Pfarrer und die Segnung der Hostien bei ihrem Kirchenbesuch sehen", meint Heimrath. Vier Wortgottesdienstleiter gibt es derzeit in St. Michael. Lauter ehemalige Ministranten.

Übernehmen kann dieses Amt aber grundsätzlich jeder, der will. Es gibt dafür weder eine Altersbeschränkung oder besondere Anforderungen an theologisches Wissen. Meistens einmal jährlich werden in den Pfarreien Ausbildungskurse für Wortgottesdienstleiter angeboten. Nicht selten dauern sie nur ein Wochenende. Auf dem Stundenplan steht unter anderem liturgisches und theologisches Hintergrundwissen. Meistens gibt es am Schluss eine "Generalprobe" in der Kirche, bei dem die neuen Wortgottesdienstleiter zum ersten Mal am eigenen Leib erfahren können, wie es ist, vor Kirchenbesuchern zu stehen und eine Gottesfeier zu leiten. Pastoralreferenten geben dabei oftmals Tipps und Ratschläge und das auch noch nach dem Ende der Ausbildung. Meistens stehen danach regelmäßige Fortbildungstreffen auf dem Programm.

Wortgottesdienstleiter sind nichts Neues. Bereits in den 70er Jahren waren sie ein Begriff. Eingeführt wurden sie aber, so der Rosenheimer Pfarrer Andreas Maria Zach, nicht als "reiner Notbehelf". "Wort-Gottes-Feiern waren als Alternative zur Eucharistie-Feier gedacht und stellen damit auch eine echte Bereicherung der Liturgie dar", erklärt er.

Aber auch er muss einräumen, dass mit zunehmender Priester-Knappheit aus einer Bereicherung immer mehr eine Notwendigkeit wurde. Die wenigen Pfarrer und Pastoralreferenten würden heutzutage in fast keiner Region mehr ausreichen, um einen geregelten Gottesdienstplan aufrechterhalten zu können.

Zach weiß auch sehr wohl, dass es unter den Gläubigen viele gibt, die die Arbeit der Wortgottesdienstleiter kritisch sehen. "Nicht alle nehmen dieses Angebot mit Begeisterung an", so seine Erfahrung. Allerdings gebe es durchaus auch immer mehr Menschen, die sich ganz bewusst für diese Gestaltung der Kirchenzeremonie ohne Pfarrer, ohne Wandlung, dafür aber mit mehr Platz für das Wort Gottes, Gesang und Gebet entscheiden würden.

Eine endgültige Lösung, um die Pfarrer-Knappheit in den Griff zu bekommen, sieht Zach in der Zuhilfenahme der Wortgottesdienstleiter nicht: "Die Kirche muss nach Lösungen suchen, um wieder mehr Menschen für das Amt des Pfarrers zu begeistern."

Einer, der schon seit mehr als zehn Jahren als Wortgottesdienstleiter ehrenamtlich in seiner Pfarrei dient, ist der Rosenheimer Albert Sanftl. Ihm gefällt diese Arbeit sehr, auch wenn er immer wieder einmal auf skeptische Gläubige stößt. "Ich bemühe mich darum, dass ich bei diesem Amt keinesfalls als Wichtigtuer negativ auffalle", erzählt er. Darum halte er seine Einsätze in der Kirche so gering wie möglich. Außerdem tritt Sanftl meistens in ziviler Kleidung auf: "Um auch vom äußerlichen Bild her keinerlei Konkurrenz zu einem Pfarrer zu signalisieren".

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