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Wer nicht mitfährt, soll zahlen

OVB
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Nicht nur leere Gewinnversprechen, sondern auch leere Drohungen - das ist neu bei der Kaffeefahrt-Abzocke. Natürlich müssen Daheimbleiber die 20 Euro (siehe roter Pfeil) nicht zahlen.

Rosenheim/Landkreis - Der Frühling ist da - und die Veranstalter von Kaffeefahrten verschicken wieder serienweise ihre leeren Gewinnversprechen, hinter denen sich Verkaufsveranstaltungen verbergen. Dabei werden die Abzocker immer frecher.

Handelte es sich früher noch um eine "Einladung", liegt jetzt eine "Reisebestätigung" im Postkasten. Und es wird gedroht: Wer nicht mitfährt, muss 19,90 Euro zahlen.

"Daheimbleiber" lassen sich nicht nur eine vierstellige Summe durch die Lappen gehen, sie müssen auch noch 20 Euro für nichts hinblättern: Diese hinterhältige Botschaft wird durch das neue Schreiben suggeriert. Das Ziel: Möglichst viele Menschen zum Mitfahren zu bewegen, um ihnen bei Verkaufsveranstaltungen in abgelegenen Landgasthöfen das Geld aus der Tasche ziehen zu können.

Seriöse Studien zu Kaffeefahrten gibt es zwar nicht, aber es gilt die Faustregel: Je älter der Empfänger, umso höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass das "Angebot" angenommen wird. Deshalb könnte der neue Trick gerade bei Rentnern ziehen, die jeden Cent umdrehen müssen. Sie könnten nach dem Motto "Lieber mal mitfahren statt zahlen" verfahren - und damit hätten die Kaffeefahrt-Abzocker ihr erstes Ziel schon erreicht.

Hans G. aus Stephanskirchen ließ sich davon aber nicht beeindrucken. Dass es sich bei seiner "Gewinnoption auf 2500 Euro" nur um ein Lockmittel handelt, hat er sofort durchschaut - wie auch die leere Drohung mit den 20 Euro.

"Bitte denken Sie daran, dass wir Ihnen bei Nichtantritt der Reise die Gesamtkosten in Höhe von 19,90 Euro in Rechnung stellen werden", heißt es in der "Reisebestätigung" zu "Ihrer Anmeldung vom 3. Februar". Der Stephanskirchener: "Ich habe mich nirgendwo angemeldet, also kann mir auch nichts in Rechnung gestellt werden - und wenn doch, werde ich nicht zahlen."

Damit liegt "Herr G." genau richtig. "Wir können nur hoffen, dass niemand mitfahren und auf diese dreiste Masche hereinfallen wird", erklärt die Verbraucherzentrale Niedersachsen zu den neuen Schreiben, die zuletzt zu Zehntausenden bundesweit verschickt wurden.

Wahrscheinlich nimmt die Zahl der Empfänger, die Gewinnbriefe erhalten, von Jahr zu Jahr zu. Kein Wunder, dass immer mehr Bürger danach rufen, die Abzocker vor Gericht zu ziehen. Aber die unseriösen Geschäftemacher bewegen sich so geschickt in rechtlichen Grauzonen, dass sie nur schwer zu fassen sind. So bleibt der Polizei und den Verbraucherzentralen nichts anderes übrig, als vor den Gewinnversprechen und Kaffeefahrten zu warnen.

Auf die versprochenen Geldgewinne, monatlichen Zusatzrenten oder übervollen Präsentkörbe warten die Teilnehmer vergeblich. Stattdessen preist ein ausgebuffter Verkäufer beim "reichhaltigen Frühstücksbuffet" - dünner Kaffee, Semmel, Portionsbutter und -marmelade - die Vorzüge von Magnetdecken, Nahrungsergänzungsmitteln, Wunderpillen und Reisen an.

Beim Verkauf dieser Reisen haben die Anbieter ebenfalls einen neuen Dreh gefunden, um sofort ans Geld der Kaffeefahrer zu kommen. Hierfür verlangen sie schon während der Verkaufsveranstaltung eine "Beratungs- und Servicegebühr" von 50 bis 60 Euro pro Reisenden. Kann der Kunde den Betrag nicht in bar zahlen, wird es mit einem mobilen Lesegerät per EC-Cash eingezogen - ein Gerät, wie es Bahnreisende von den Kontrolleuren im Zug kennen.

Die auf Kaffeefahrten geschlossenen Reise-Verträge können zwar kostenfrei widerrufen werden. Wenn allerdings der Zahlungsempfänger unbekannt ist, kein Einziehungsbeleg, keine handschriftliche Quittung oder eine vertragliche Vereinbarung über die "Beratungs- und Servicegebühr" existiert, wird der Kaffeefahrer meist auf dem Verlust sitzen bleiben. Wurde das Geld vom Konto eingezogen, ist es nach den Erfahrungen der Verbraucherzentrale kaum möglich, sich den Betrag außergerichtlich zurück zu holen.

Ludwig Simeth (Oberbayerisches Volksblatt)

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