Vorsicht, Abzocke: Dubiose Steinreiniger ziehen Bruckmühler Rentnerin Geld aus der Tasche

  • Michael Weiser
    vonMichael Weiser
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  • Kathrin Gerlach
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Eine Seniorin will eine saubere Hofeinfahrt. Und muss am Ende fürchten, auf unsaubere Geschäftemacher hereingefallen zu sein. Wie windige Anbieter eine Bruckmühlerin um 3.300 Euro erleichterten. 

  • Eine 88-Jährige aus Bruckmühl hat für die Reinigung ihrer Hofeinfahrt einen horrenden Preis bezahlt 
  • Die Firma, die ihr das Angebot machte, hat keinen echten Firmensitz und ist nicht mehr erreichbar 
  • Die Polizei ermittelt – wie Sie sich schützen können

Bruckmühl – Johanna B. schämt sich. Deshalb will sie ihr Foto nicht hier veröffentlicht sehen, den Vornamen haben die OVB-Heimatzeitungen geändert. Trotzdem erzählt sie ihre Geschichte, um andere zu warnen. Die Bruckmühlerin ist 88 Jahre alt und „gewiss keine einfältige Seniorin, die auf den Enkeltrick reinfällt“, wie sie sagt. Doch jetzt, so scheint es, haben sie Geschäftemacher über den Tisch gezogen.

Der Flyer, den sie in ihrer Zeitung findet, macht neugierig. Die „Steinreinigung Bruckmühl“ bietet darauf die professionelle Reinigung von Einfahrten und Gehwegen an. Mit einheimischen Firmen hat Johanna B. bislang nur gute Erfahrungen gesammelt. Als Verantwortlicher mit einer Bruckmühler Telefonnummer ist ein „G. Valentino“ angegeben. Sie ruft an.

Noch am selben Tag kommt „G. Valentino“ vorbei. Direkt vor der Haustür erhält sie einen schriftlichen Kostenvoranschlag über 3300 Euro. Bar zu zahlen. So viel Geld hat sie nicht im Haus. Also will der Mann zwei Tage später wiederkommen.

Die Firma war nicht im Internet zu finden

Am Abend erzählt Johanna ihrer Enkelin von den geplanten Arbeiten. „Ich war gar nicht begeistert, denn die Firma war im Internet nicht zu finden“, erinnert sich Enkelin Esther.

Dubioser Firmensitz: Dieses Haus gab „Valentino G.“ als Adresse für seine zweifelhafte „Steinreinigung“ an.

Zwei Tage später beginnt der „Steinreinigungstrupp“ gegen 9.30 Uhr mit der Reinigung der etwa zehn mal 23 Meter großen Einfahrt und der Umrandung des Hauses. Gartenschlauch, Schaufel, Besen und Eimer leihen sich die Arbeiter bei der 88-Jährigen. Auch der Strom für die Hochdruckreiniger läuft über ihren Zähler. Gegen 16 Uhr sind die Arbeiter fertig. Nun taucht ein älterer Mann auf. Er nimmt das Bargeld in Empfang: 3300 Euro für die Fläche eines Tennisfelds. Den Kostenvoranschlag nimmt er wieder mit. Und er schwatzt der alten Dame einen Goldzahn ab. Geld bekommt sie dafür nicht.

Es gab weder Rechnung noch Quittung

Als Enkelin Esther feststellt, dass ihre Großmutter weder eine Quittung noch eine Rechnung bekommen hat, wird sie unruhig. „Ich hatte Angst, dass ihr irgendwann eine Rechnung ins Haus flattert und sie alles doppelt bezahlen muss“, sagt sie. Also sucht sie den Kontakt zur Firma, doch unter der Telefonnummer ist niemand mehr erreichbar. Jetzt erst macht sich die Familie auch Gedanken über die Höhe der Kosten: Sind 3300 Euro für die Reinigung von circa 250 Quadratmetern angemessen? „Ich bin dann zur Adresse der Firma gefahren und habe gesehen, dass es dort gar keinen Firmensitz gibt, ja nicht einmal eine Klingel oder einen Briefkasten mit dem Namen“, berichtet die Enkelin.

Ist die „Steinreinigung“ eine Briefkastenfirma? Beim Gewerbeamt in Bruckmühl hat „G. Valentino“ Anfang Juni ein Gewerbe für „Steinreinigung“ angemeldet, wie Mitarbeiter der Marktgemeinde bestätigen.

G. Valentino zahlte bar zwei Mieten im Voraus

In Bruckmühl hat er auch Räume angemietet, und zwar von Iris K. Die ist eigentlich die Mieterin des Hauses, sie hat aber die Erlaubnis, Lagerräume unterzuvermieten, wie sie sagt.

Als sie Anfang Juni über Ebay-Kleinanzeigen einen Untermieter sucht, meldet sich „G. Valentino“ bei ihr. „Eigentlich hatte ich noch einen anderen Interessenten, aber G. hat mich überredet, ihm die Räume zu geben, da er die Adresse schon bei der Marktgemeinde angegeben hatte“, erinnert sie sich. Bei der Anmeldung hat er den Personalausweis vorlegen müssen. Darin steht, dass der angebliche Nachname Valentino eigentlich der Vorname des Mannes ist. Sein Wohnort: Herne in Nordrhein-Westfalen.

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Er zahlt bar, zwei Monate im Voraus. „Er plante wohl, Hochdruckreiniger und andere Geräte einzulagern, hat das aber nie gemacht“, sagt Iris K. Einen Briefkasten und einen Schlüssel zum Haus habe er gefordert. „Das habe ich aber abgelehnt. Irgendwie war mir das nicht ganz geheuer.“ Schließlich landet Post für eine „Steinreinigungsfirma“ in ihrem Briefkasten. Ihr Untermieter ruft an, sie soll ihm die Post nach Herne nachschicken. Das lehnt sie ab. Also kündigt er an, seine Briefe abzuholen. „Gekommen ist er nie“, sagt sie. Sie schöpft Verdacht. Und sie sucht in der Marktgemeinde und bei der Polizei Rat. Man empfiehlt ihr, das Untermietverhältnis so schnell wie möglich aufzulösen.

„G. Valentino“ wiederum vereinbart einen Termin mit der Marktgemeinde, um sein Gewerbe abzumelden. Gekommen sei er allerdings nicht, sagen Verwaltungsmitarbeiter. Dafür hat er sich vor ein paar Tagen per Handy wieder bei seiner Vermieterin gemeldet. „Er sei im Ausland und wolle den Mietvertrag kündigen, hat er gesagt“, gibt Iris K. das Gespräch wieder.

Windige Geschäftemacher auf Tournee

Die 88-jährige Johanna und ihre Enkelin haben jetzt Anzeige bei derPolizeiinspektion Bad Aiblingerstattet. „Wir haben die Ermittlungen gegen die Firma aufgenommen“, bestätigt Bernd Heller, der stellvertretende Dienststellenleiter. Er warnt: „Das Anbieten spontaner Handwerkerleistungen und vermeintlicher Schnäppchen ist in vielen Fällen die Taktik von Haustür-Betrügern.“ Iris K. hat der Polizei alle Briefe für die Steinreinigung übergeben, die bei ihr angekommen sind. Und „G. Valentino“? An seinem „Firmensitz“ in Bruckmühl war er für Nachfragen nicht zu erreichen.

Das Polizeipräsidium Oberbayern Süd spricht bei solchen und ähnlichen Angeboten vom Verdacht auf unseriöse Praktiken und von schlau eingefädelten Geschäften in einer „Grauzone“. Betrug oder Wucher seien aber nur selten nachzuweisen. Im Zusammenhang mit der Bruckmühler „Steinreinigung“ prüfe man Zusammenhänge mit einer Gruppierung in Nordrhein-Westfalen, die sich möglicherweise auf dubiose Geschäfte spezialisiert habe, sagt ein Sprecher.

Markus Steininger, Obermeister der Steinmetzinnung, bezeichnet die 3300 Euro für 250 Quadratmeter als „strammen Preis“. 2000, vielleicht 2150 Euro: Das sei, sachgemäße Ausführung vorausgesetzt, in Ordnung, für Reinigung inklusive Reinigungsmittel. Flyer dubioser Anbieter kennt Steininger auch aus anderen Teilen Oberbayerns. Windige Geschäftemacher auf Tournee? „Ein großes Problem“, sagt Steininger. „Die zocken Leute ab und lösen die Firma dann schnell auf.“

Tipps: Worauf Sie bei Angeboten achten sollten

Wie unterscheidet man seriöse von windigen Anbietern? Das Polizeipräsidium Oberbayern Süd rät im Zweifelsfall zum Anruf bei der Verbraucherzentrale oder der Polizei. Auf der Homepage der Verbraucherzentrale finden Sie auch Tipps, worauf man bei der Auswahl von Handwerkern achten sollte.

Wichtig: Achten Sie auf die Qualifikation, ein Gewerbeschein alleine sagt nichts, entscheidend ist die Qualifikation als Meister oder Geselle. Lassen Sie sich nicht drängen. Andreas Guske, Präventionsfachmann bei der Polizei, empfiehlt, „zu googlen und nochmals zu googlen“. Einen Handwerksbetrieb, der keine Homepage habe, gebe es kaum mehr. Hilfreich ist es, überdies einen Preisvergleich bei einem weiteren Unternehmen einzuholen.

Alarmstufe Rot sollte herrschen, wenn Barzahlung verlangt wird und im Übrigen keine schriftliche Bestätigung vorliegt, weder ein Kostenvoranschlag noch eine Quittung. Um beim Beispiel Hofeinfahrt zu bleiben: Da empfiehlt Obermeister Markus Steininger den Besuch der Seite der Steinmetzinnung

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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