Neues Accessoire auf dem Pausenhof: So ergeht es den Grundschülern mit der Maskenpflicht in der Region

Die Rosenheimer Schüler müssen ab heute mit Maske in die Schule.
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Die Rosenheimer Schüler müssen ab heute mit Maske in die Schule.

Mund-Nasen-Bedeckung¨– ja oder nein? Seit Montag, spätestens ab Dienstag, gilt in den Rosenheimer Grundschulen die Maskenpflicht. Im Landkreis gibt es eine entsprechende Empfehlung des Rosenheimer Gesundheitsamtes. Ab 21. September soll die Maske nur noch getragen werden, wenn kein Mindestabstand von 1,5 Metern gewährleistet wird. Ein Blick an die Grundschulen der Region.

Von Anna Hausmann, Eva Lagler und Ulrich Nathen

Rosenheim/ Landkreis

Eins ist klar: Die Maskenpflicht ist ein heikles Thema. Entsprechend zurückhaltend zeigten sich die Schulleiter. Auf Anfrage nicht äußern wollten sich die Astrid-Lindgren-Schule, die Grundschule Erlenau und die Grundschule Pang.

Schulleiter halten sich zurück

Andere waren per se nicht zu erreichen. Grundsätzlich seien die Eltern besorgter als die Kinder, erzählt hingegen Kai Hunklinger, Rektor der Grund-und Mitte Fürstätt. Er habe sich in den Klassen selbst ein Bild gemacht und mit den Kindern gesprochen. „Es bleibt aber hart für uns. Die Maskenpflicht ist eine Riesenumstellung.“ Etwa der Sportunterricht sei nicht mehr derselbe wie zuvor. „Wir sind mit den Klassen draußen unterwegs, bei einem langen Spaziergang mit genügend Abstand können die Kinder auch mal die Maske abnehmen.“ Ansonsten hinge es von der Sportart ab. Die Kommunikation sei das Wichtigste. „Jede Lehrkraft spricht mit ihrer Klasse. Wenn es einem Kind schlecht werden sollte, soll es sich melden und es darf ans Fenster.“ Bisher sei ihm solch ein Vorfall aber noch nicht zu Ohren gekommen. „Wir lüften ausgiebig, in den Pausen dürfen die Kinder auch ohne Maske in ihr Brot beißen. Alles andere gibt eine Sauerrei.“

Eltern sind entrüstet

Die Maskenpflicht stoßt dennoch auf Unverständnis. Bettina Toptchiyski, Vorsitzende des Gemeinsamen Elternbeirats der Grund- und Mittelschulen Rosenheim, erzählt: „Wir sind nach wie vor total entsetzt.“ Viele besorgte Eltern hätten sich bereits bei ihr gemeldet. „Es geht uns um die Verhältnismäßigkeit. Warum müssen unsere Kinder eine Maske tragen, wenn es gleichzeitig Lockerungen im öffentlichen Leben gibt?“ Eine Maske sei unzumutbar für ein Kind, ist Toptchiyski überzeugt. Viele Eltern seien bereits auf der Suche nach einer Lösung, ihr Kind von der Maske zu befreien. Möglicherweise über ein Attest. Aber hier gibt es ein Problem: „Die Eltern befürchten, dass ihr Kind so als Außenseiter gilt.“

Unabhängig vom Elternbeirat haben sich ein paar Eltern aus Rosenheim sich auch zu dem Bündnis Rosenheimer Eltern zusammengeschlossen, darunter auch Bettina Toptchiyiski. Für diesen Samstag haben sie eine Demonstration gegen die Maskenpflicht geplant. Die Veranstaltung mit 200 angemeldeten Menschen soll von 14 bis 16 Uhr stattfinden. In dieser Woche findet noch ein Kooperationsgespräch mit dem Ordnungsamt und der Polizei statt, wo die für den Max-Josefs-Platz vorgesehene Demo stattfinden soll.

Dem Schulamt sind wenig Beschwerden bekannt

Die Notwendigkeit der Maskenpflicht betont Angelika Elsner, Schulamtsdirektorin und stellvertretende Leiterin. Dennoch sei die Situation nicht leicht, wie aus Gesprächen mit den Grundschulen hervorgegangen sei. Bisher, so Elsner, seien allerdings bei ihnen wenig Beschwerden von Eltern eingegangen. Einen herausragenden Fall gab es zuletzt an der Erlenau-Grundschule, an der anscheinend Schüler anstrengendem Sport mit Maske nachgehen mussten. Es gebe bereits klärende Gespräche, wie die Schulamtsdirektorin erklärte.

Außerhalb des Stadtgebiets darf die Maske noch in der Tasche bleiben, so auch in Riedering und und Stephanskirchen. Sowohl die Annette-Thoma-Schule in Riedering, die Otfried-Preußler-Grundschule in Stephanskirchen und die Grundschule Schloßberg bleiben bei der Regelung: „Wer will, der darf – aber es muss niemand.“

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Hoffen auf eine Lockerung der Maßnahmen

In Bad Aibling dürfen die rund 40 ABC-Schützen der St. Georg-Schule ihre Masken aktuell weiterhin abnehmen, wenn sie an ihrem Platz in Klassenzimmer sitzen. „Diese Regelung gilt für die gesamte Grundschule, sowohl in der Containerschule an der Friedrich-Wilhelm-Raiffeisen-Straße als auch im Schulhaus in Willing“, sagt Rektor Wolfgang Baumann. Man wäge stets genau ab. „Wir sind uns dabei unserer großen Verantwortung sehr bewusst und haben das Infektionsgeschehen immer im Blick“, versichert Baumann. Eine Maske dauerhaft zu tragen, sei gerade für die Jüngsten eine große Belastung und man hoffe, dass auch für die Mittelschüler ab der fünften Klasse die Maskenpflicht im Unterricht nach dem 18. September wieder wegfällt. Ihnen bescheinigt Baumann im Übrigen, diesbezüglich eine sehr große Disziplin an den Tag zu legen: „Sie ertragen es geduldig.“

Klagen über Kopfschmerzen und Atemprobleme

„Es ist für die Schüler und Lehrkräfte extrem anstrengend, während des Unterrichts längere Zeit Masken zu tragen“, sagt Marcus Hübl, Rektor der Priener Franziska-Hager-Mittelschule. Kopfschmerzen und Atemprobleme seien die Folge, der Unterricht leide auch durch die schlechte Sprachverständlichkeit. Das Gesundheitsamt Rosenheim hatte den Schulen im Landkreis empfohlen, die Maskenpflicht über den 18. September hinaus zu verlängern. Hübl: „Die Schulleitungen der Priener Schulen mit Ausnahme der kommunalen Realschule haben sich nach einer Besprechung am Montag entschieden, dieser Empfehlung nicht nachzukommen, solange keine offizielle Anordnung besteht.“ Nach Einschätzung von Andrea Dorsch, Rektorin der Kommunalen Realschule Prien, hätten sich die Schüler inzwischen an die Maske gewöhnt, „sodass ihnen eine Verlängerung nichts ausmacht“, wie sie unserer Zeitung sagte. „Immerhin möchten wir eine Infektion verhindern, was womöglich teilweises Schließen von Klassen zur Folge hätte.“

Die Entscheidung liegt bei den Eltern

Die Leiterin der Grundschule Wasserburg, Sabine Obermaier-Tanner, sagt, das Tragen einer Maske während des Unterrichts sei eine Empfehlung im Landkreis, die jetzt aktuell auch hier gelte. „An die werden wir uns halten.“ Die Entscheidung liege letztlich bei den Eltern. Sie sei aber keine Ärztin, die beurteilen könne, wie sinnvoll das Tragen der Maske sei. „Mein Eindruck ist, dass viele Kinder kein Problem damit haben, aber das ist sehr individuell.“ Nach ihrem ersten Eindruck hätten nur wenige Kinder im Unterricht eine Maske an. Weil die Infektionszahlen im Landkreis nicht so hoch seien, sei der Druck, eine Maske zu tragen, auch nicht so groß.

7-Tage-Inzidenz: Stadt bei 44,2

Die 7-Tage-Inzidenz für Stadt und Landkreis Rosenheim (Fälle pro 100000 Einwohner der letzten sieben Tage) ist übers Wochenende gesunken. Dennoch reißt die Stadt Rosenheim mit 44,2 nach wie vor die Warn-Marke von 35. Der Landkreis liegt mit 13,8 im unkritischen Bereich

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