Neue Idee: Hebammengeführter Kreißsaal in Bad Aibling

Mit Experten im Gespräch: Gesundheitsministerin Melanie Huml (Zweite von rechts) diskutiert mit Seniorenheim-Leiter Thomas Höllmüller, Kinderarzt Dr. Eberhard Wahnschaffe, Gynäkologe Dr. Wolfgang Vorhoff, HNO-Arzt Prof. Dr. Benno Weber, Hausarzt Dr. Ralf Freiberger, dem CSU-Ortsverbandsvorsitzenden Dr. Thomas Geppert und dem CSU-Landtagsabgeordneten Otto Lederer (von links). Gerlach

Bietet sich für Bad Aibling ein hebammengeführter Kreißsaal an? Oder kann die Rosenheimer Romed-Klinik die Bad Aiblinger Geburtenstation mitversorgen? Diese beiden Ideen kristallisierten sich aus der Expertenrunde mit Gesundheitsministerin Melanie Huml heraus.

Bad Aibling – Die Expertenrunde kam auf Einladung des CSU-Ortsverbandes Bad Aibling zusammen. Melanie Huml, Bayerische Staatsministerin für Gesundheit und Pflege, diskutierte in Bad Aibling über Zukunftsmodelle der Gesundheitsversorgung. Eines der emotionalsten Themen in der Kurstadt: die im August 2017 geschlossene Geburtenstation an der Romed-Klinik.

Station ist im Krankenhaus-Bedarfsplan

„Dass die Station weiter im Krankenhaus-Bedarfsplan der Staatsregierung festgeschrieben ist, gibt uns Hoffnung. Damit sind die rechtlichen Voraussetzungen gegeben, dass die Station wiedereröffnet werden könnte“, betonte CSU-Landtagsabgeordneter Otto Lederer. Mit welchem Modell die Abteilung wiederbelebt werden könnte, ist allerdings die entscheidende Frage, an der seit drei Jahren nicht nur die Verantwortlichen des Klinikverbundes scheitern, sondern auch Politiker.

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Gesundheitsministerin Huml verwies auf die in Bayern zusätzlich geschaffenen Studienplätze für Humanmedizin und das Förderprogramm der Staatsregierung zum Erhalt der Geburtenstationen. Mit 16 Millionen Euro greift der Freistaat defizitären Geburtenstationen unter die Arme, so beispielsweise der in Wasserburg mit einer Million Euro. Gleichzeitig machte Huml aber unmissverständlich klar: „Es braucht die Menschen, die es vor Ort tun, da kommen wir nicht drumherum.“ Und genau die sind es, die in Bad Aibling bis heute fehlen.

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Dr. Wolfgang Vorhoff, niedergelassener Gynäkologe und Belegarzt an der RoMed Klinik in Bad Aibling, hat die Geburtenstation bis zu ihrem Ende mit am Leben erhalten. Er machte das Problem noch einmal an Zahlen deutlich: „Das Belegarztsystem krankt, denn wie soll ein Belegarzt eine Haftpflichtversicherung von 85.000 Euro im Jahr aus einem Honorar von 400 Euro pro Geburt zahlen.“ Während für Hebammen bereits eine Lösung für dieses Problem gefunden worden sei, fehle es noch immer an Modellen für Ärzte. Die Ministerin informierte darüber, dass sie sich in der Arbeitsgruppe von Bund und Ländern für sektorenübergreifende Zusammenarbeit auch für eine Regelung für Belegärzte einsetze, es allerdings sehr schwierig sei, diese Berufsgruppe in Gesetzesänderungen einzubinden.

„Mit Belegärzten funktioniert es nicht“

Dr. Eberhard Wahnschaffe, bis 2010 in Bad Aibling als Kinderarzt und als Belegarzt an der Geburtenstation tätig, machte deutlich, dass jede Risikogeburt auch von einem Pädiater begleitet werden müsse und dafür in Bad Aibling einfach die Ärzte fehlten. „Moderne Medizin nach modernen Standards und mit der größtmöglichen Sicherheit für den Menschen funktioniert nicht mit Belegärzten“, betonte er.

Gleichzeitig erinnerte Dr. Wahnschaffe daran, dass es schon einmal das Bestreben gab, dass die Bad Aiblinger Geburtenstation von den Rosenheimer Kliniken für Gynäkologie und Geburtshilfe sowie Kinder- und Jugendmedizin im Verbund mit versorgt werde. Dies sei aufgrund des enormen personellen Mehraufwandes abgelehnt worden. Ob das neue Förderprogramm für Geburtshilfestationen des Freistaates für ein solches Modell jetzt neue Chancen biete, blieb an diesem Abend offen.

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Vielmehr forderte die Staatsministerin, dass vor Ort alle beteiligten Experten ins Gespräch kommen müssten, um nach neuen und individuellen Lösungen für Bad Aibling zu suchen. „Ein hebammengeführter Kreißsaal wäre eine Option, über die wir nachdenken sollten“, schlug Stephan Schlier vor, der Vorsitzende der CSU-Stadtratsfraktion Bad Aibling. Bei diesem neuen Betreuungsangebot werden Schwangere von der Aufnahme über die Geburt bis zur Entlassung von Hebammen betreut. Allerdings sei auch dafür ein Ärzteteam erforderlich, sollten sich im Geburtsverlauf Komplikationen ergeben.

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