Nach Beschlüssen von Bund und Ländern

Corona-Pandemie: Neue Regelungen sorgen für Ungewissheit in der Region Rosenheim

Wo normalerweise um diese Jahreszeit eigentlich der Aufbau der Buden für den Christkindlmarkt laufen würde, herrscht jetzt gähnende Leere: der Max-Josefs-Platz in Rosenheim.
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Wo normalerweise um diese Jahreszeit eigentlich der Aufbau der Buden für den Christkindlmarkt laufen würde, herrscht jetzt gähnende Leere: der Max-Josefs-Platz in Rosenheim.
  • Michael Weiser
    vonMichael Weiser
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Geschäfte müssen die Zahl der Kunden drosseln, bis 20. Dezember soll die Gastronomie wohl ihren Lockdown fortsetzen - mindestens. Corona und die mit dem Kampf gegen die Pandemie verbundenen Verbote sorgen für Einschnitte. Was Geschäftsleute und Wirte in der Region zu den neuen Regelungen sagen.

Rosenheim/Wasserburg Sybille Schuhmacher weiß noch nicht, wann es so weit sein wird. Aber sie hat eine Ahnung, was sie dann machen wird. „Dann wird gefeiert“, kündigt sie für den Tag an, da Corona endlich und wahrhaftig für besiegt erklärt wird. Eine Party in ihrem Innkaufhaus, gemeinsam auch mit Kunden, ein Musikfestival am besten, mit den „Institutionen von Wasserburg“.

So wie Schuhmacher geht es vielen in der Region, die durch die neuen Einschränkungen wegen der Corona-Pandemie Einbußen erleiden: Nichts Genaues weiß man nicht. Man weiß nicht, wie lange die Einschränkungen noch dauern werden, kann noch nicht gänzlich absehen, wie sie sich auswirken werden. Kaum ein Einzelhändler, der nicht Corona verflucht. Aber Handel und Wirte wollen auch wieder durchstarten – vom Standby des späten Jahres 2020 auf Vollgas in 2021. Auch wenn jetzt noch Ungewissheit herrscht.

„Da müssen viele Kräfte zusammenkommen“

Paul Adlmaier ist Vorsitzender des City-Managements Rosenheim und Inhaber eines Herrenmodegeschäfts. Er bezeichnet die Lage als schwierig, schon wegen der Atmosphäre. „Vielleicht die Hälfte der normalen Frequenz“ verzeichneten die Einzelhändler in der Innenstadt. Weil Restaurants und Cafés dicht machen mussten, ziehe es die Menschen nicht mehr so in die Stadt, das eine funktioniert ohne das andere nicht nmal halb so gut. Besonders schlimm sei das, weil die Beschränkungen im Dezember den für viele umsatzstärksten Monat verhagele.

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Adlmaier bemüht sich dennoch um Optimismus: „Wenn das in nicht allzuferner Zukunft überstanden ist, dann werden wir versuchen, Kunden so gut wie möglich in die Innenstadt zu bewegen. Durch eine hohe Aufenthaltsqualität. Da müssen viele Kräfte zusammenkommen, das können die Händler nicht allein.“ Gemeinsam könne man hoffen, Umsatzanteile wieder vom Onlinehandel zurückzuholen.

„Ich glaube an die Zukunft des Einzelhandels“

Daran denkt auch Bernhard Ciniawsky, Filialleiter von Schuh Schmidt in Bruckmühl. Man mische mit im Onlinehandel, das schon, nach Corona aber wolle man sich wieder auf seine traditionellen Stärken besinnen. „Ich glaube an die Zukunft des stationären Einzelhandels“, sagt Ciniawsky.

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Derzeit aber geht längst nicht so viel wie sonst, an Einbußen durch die verschärften Regeln mit kleineren Kundenzahlen glaubt er daher nicht. Die Laune der Menschen stehe nicht auf Shoppen. „Probieren Sie mal eine Mütze an, wenn Sie eine Maske tragen. Da sieht das Gesicht einfach doof aus.“ Wenn aber die Krise vorbei sein wird, will er den Kunden ein Einkaufserlebnis bieten – „etwa mit einem Streetfood-Festival, oder einer Hüpfburg für die Kinder“.

Bangen vor Sonderwegen

Theresa Albrecht vom Hotel Post in Rohrdorf ist Kreisvorsitzende des Hotel- und Gaststättenverbands. Sie mahnt Zusammenarbeit und Zusammenhalt über Grenzen hinweg an. „Dass wir gegeisselt werden, aber die Leute nach Kroatien und Mallorca zum Feiern in die Clubs fahren – das sollte sich nicht wiederholen.“ Zumindest im Alpenraum muss eine gemeinsame Lösung gefunden werden, findet sie. Dass in Bayern noch die Türen von Hotels und Wirtschaften versperrt sind, während die Nachbarn in anderen Alpenregionen schon fröhlich um Winter-Touristen werben, geht für sie nicht an.

„Der Bayer lässt sich nicht einsperren“

Die Ansage von Ministerpräsident Markus Söder dürfte sie da ein wenig beruhigen. „Wer in Österreich Ski fährt, muss zehn Tage in Quarantäne“, sagte Söder gestern kategorisch.

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Für ähnlich klare Aussagen Söders in Bezug auf die Länge des Lockdowns wäre sie vermutlich dankbar. „Wir wissen gar nichts“, sagt sie. Die Dehoga-Kreisvorsitzende befürchtet daher eine weitere Verlagerung der Geselligkeit ins Private: „Denn der Bayer lässt sich nicht einsperren.“

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Bei aller Sorge um die Gesundheit der Menschen fühlen sich viele Wirte zu Unrecht als Pandemie-Treiber bestraft. Toni Sket zum Beispiel, der Wirt vom Wirtshaus Johann Auer in Rosenheim. Man solle doch nicht pauschal von „Gastronomie“ reden, schimpft er. Ein Speiserestaurant wie das seine, mit seinen ausgefuchsten Hygienemaßnahmen, sei doch etwas anderes als eine Diskothek oder Shisha-Bar.

Nun setzt er auf eine Unterbrechung der Zwangspause wenigstens um Weihnachten herum. Weitermachen, so sagt er, kann er nur mit der Unterstützung seiner treuern Kundschaft. „Davon lebe ich zu 90 Prozent.“ Daher will er auch öffnen, wann immer es die Politik erlaubt, und wenn es nur die paar Tage zwischen 20. Dezember und Neujahr sind. „Ich möchte den Kontakt zu meinen Stammgästen pflegen.“

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