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Für Corona-Intensivpfleger „unerträglich“

Nervende Verweigerung in der Region: Experten drängen auf Impfpflicht in sensiblen Bereichen

Auf vielen Intensivstationen ist das Personal an der Grenze zur Überlastung.
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Auf vielen Intensivstationen ist das Personal an der Grenze zur Überlastung.
  • Michael Weiser
    VonMichael Weiser
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Ausbrüche in Altenheimen, Kliniken hoch belastet durch ungeimpfte Corona-Patienten: Immer mehr Experten in der Region Rosenheim fordern eine Impfpflicht für Mitarbeiter in sensiblen Bereichen. Derweil sieht der Geschäftsführer des Romed-Klinikverbunds sein Personal zunehmend ausgelaugt.

Rosenheim – Am Romed-Klinikum in Rosenheim wächst der Ärger: Angesichts der Dauerbelastung durch überwiegend ungeimpfte Covid-19-Patienten äußern Mitarbeiter Zweifel, berichtet Romed-Geschäftsführer Dr. Jens Deerberg-Wittram. Sie seien sauer angesichts der stockenden Impfkampagne.

„Wenn Sie heute eine Station besuchen, auf der alle Patienten nicht geimpft sind, dann werden Sie dort sicherlich auch Mitarbeiter treffen, die das als leichtfertig oder verantwortungslos einschätzen.“ Von 41 Intensivfällen der vergangenen Wochen seien 39 ungeimpft gewesen. Für manche Mitarbeiter sei das „unerträglich“.

Auf den Stationen hohe Krankenstände

Angesichts einer Reihe von Corona-Ausbrüchen in Senioren- und Pflegeheimen, bei steigenden Ansteckungszahlen an Schulen mehren sich in der Region Rosenheim überhaupt die Stimmen für eine Impfpflicht – zumindest was Mitarbeiter in sensiblen Bereichen betrifft.

„Man muss darüber nachdenken, ob man nicht wie in Frankreich eine Impfpflicht einführt für alle, die in Heimen oder Kitas arbeiten“, sagt etwa Dr. Nikolaus Klecker, Bezirksvorsitzender des Bayerischen Hausärzteverbandes. Sein Kollege Dr. Fritz Ihler stimmt zu. „Wir brauchen eine Impfpflicht in sensiblen Bereichen. Sonst kommen wir nicht weiter“, sagt der Vorsitzende des Ärztlichen Kreisverbandes Rosenheim.

1000 Euro tägliche Kosten für beatmeten Patienten

Es fließt viel Geld in die Bekämpfung der Corona-Pandemie und ihrer Folgen. Nach Angaben der AOK schlägt ein beatmeter Patient im Schnitt mit Behandlungskosten von 34.000 Euro zu Buche. Diese Schätzung könne er in etwa bestätigen, sagt Deerberg-Wittram. „Pro Tag fallen für einen beatmeten Patienten Kosten von 1000 Euro an“.

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Für die Behandlung ebenso wie als Ausgleich für das Vorhalten von Betten für Intensiv-Fälle haben die Krankenkassen bereits Milliarden von Euro überwiesen. Deerberg-Wittram befürchtet für sein Haus dennoch hohe Folgekosten. Für 2021 rechne er damit, dass der Romed-Klinikverbund aufgrund der Ausgleichszahlungen nur „ein leichtes Defizit“ einfährt.

Was bedeutet: einige Millionen Euro schlechter als in einem Normaljahr, aber „kein wirtschaftlicher Totalschaden“. Die große Herausforderung bedeute das kommende Jahr, sagt der Geschäftsführer des Klinikverbunds: „Für 2022 gibt es keinerlei Versprechungen für Ausgleichszahlungen.“

Auffallende hohe Krankenstände

Andere Kosten fallen weniger ins Auge. Deerberg-Wittram berichtet von einem hohen Krankenstand im Klinikum. Natürlich wisse man grundsätzlich als Arbeitgeber nie, wofür ein Arbeitnehmer krankgeschrieben werde. Aber: Die Ausfälle an manchen Stationen fielen eben auf.

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Gerade dort, wo Covid-19-Patienten behandelt werden, würden Mitarbeiter aus Erschöpfung erkranken. „Meistens löst das eine Spirale aus“, sagt Deerberg-Wittram. Ein, zwei Ausfälle in einer Schicht reißen bereits empfindliche Lücken. Die verbleibenden Mitarbeiter klotzen noch stärker ran, schließlich versucht die Klinik, Mitarbeiter aus anderen Bereichen in die Bresche zu werfen – „mitunter gegen ihren Willen“, gibt der Romed-Geschäftsführer zu.

Viele Experten begrüßen, dass kostenlose Tests bald der Vergangenheit angehören. Und manche würden den Wegfall der Lohnfortzahlung im Corona-Fall begrüßen. „Jeder hatte die Chance, sich impfen zu lassen“, sagt der Vorsitzende des IHK-Regionalausschusses Rosenheim, Andreas Bensegger. Wer sich nicht impfen lasse, müsse gegebenenfalls Konsequenzen tragen. Auch unter den Kollegen sei das die vorherrschende Meinung. Noch weiter geht die Diskussion, wenn es um Beschäftigte im Gesundheitsbereich geht. Klecker redet von einer „absurden Debatte“. Bei Masern gebe es eine Impfpflicht, bei Corona gebe es sie nicht.

Rosenheim verzeichnet besonders schlechte Impfquote

Es bleibt das Unverständnis, warum Rosenheim und Umgebung zu den Regionen mit der schlechtesten Impfquote in Westdeutschland zählt. „Wenn Leute ins Ausland reisen, lassen sie sich gegen drei, vier Krankheiten impfen“, sagt Fitz Ihler. „Und bei Corona haben dann offenbar einige auf einmal das Gefühl, dass Bill Gates höchstpersönlich einen Chip einpflanzen will.

Jens Deerberg-Wittram würde die Empfehlungen der Ständigen Impfkommission am liebsten „verpflichtend“ sehen: „Dann sind eben diejenigen von einer Impfpflicht befreit, bei denen medizinische oder andere Aspekte dagegen sprechen. Die anderen müssen.“

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