Narren in der Warteschleife: Corona bringt die Faschingssaison in der Region ins Wanken

Faschingsnarren dicht gedrängt auf dem Umzugswagen und am Straßenrand: Derartige Bilder wie im Februar in Wasserburg wird es in der kommenden Faschingssaison wohl nicht geben.
+
Faschingsnarren dicht gedrängt auf dem Umzugswagen und am Straßenrand: Derartige Bilder wie im Februar in Wasserburg wird es in der kommenden Faschingssaison wohl nicht geben.

Polonaise mit einem Mindestabstand von 1,5 Metern pro Teilnehmer? Desinfizierte Süßigkeiten von den Faschingswagen? Und buntes Narrentreiben auf Distanz? Die Corona-Pandemie bringt auch die Faschingssaison, die eigentlich am 11. November beginnen soll, kräftig ins Wanken.

Rosenheim/Edling – In verschiedenen Faschingshochburgen der Bundesrepublik ist die Saison daher bereits abgeblasen. Doch wie sieht es im Raum Rosenheim aus? Ein Überblick in alphabetischer Reihenfolge:

Aschau – Zum jetzigen Zeitpunkt kann noch keine Auskunft gegeben werden, teilte Niki Hirner, Präsidentin der Faschingsgilde Aschau, gegenüber den OVB-Heimatzeitungen mit. „Wir sind aufgrund der Corona-Situation mit der Planung und den Vorbereitungen für die kommende Saison noch ein wenig zurückhaltend.“

Bad Aibling – Ob die Faschingsgilde Bad Aibling in die Faschingssaison starten wird, entscheidet sich im September. Die Garde trainiert bereits – im Freien. Doch Präsident Thomas Hofinger ist skeptisch. Er persönlich tendiert zu einer Absage der Saison. „Zum einen ist es schwierig, in dieser Situation ein Prinzenpaar zu finden, wenn man nicht weiß, ob und wie viele Auftritte überhaupt stattfinden können. Zum anderen wären auch Bälle mit eingeschränkter Besucherzahl wenig sinnvoll.

Auftritte in Altersheimen oder Kindergärten fielen weg, und wenn in der ohnehin nur kurzen Saison auch eventuell anvisierte Auftritte im Freien witterungsbedingt abgesagt werden müssten, sehe er keine Zukunft für den Fasching 2020/21.

+++ Aktuelle Nachrichten rund um das Coronavirus finden Sie in unserem News-Ticker. +++

„In erster Linie müssen wir schließlich auch unsere Gäste und uns als Verein schützen.“ Im Übrigen stimme man sich eng mit der befreundeten Faschingsgilde in Vagen ab, die am Faschingssonntag 2021 mit der Ausrichtung des Faschingszugs an der Reihe wäre, der im jährlichen Wechsel dort und in Bad Aibling stattfindet.

Bad Endorf – Die Endorfer Faschingsgilde wäre für die kommende Saison vorbereitet. Das Problem: „Wir kommen nicht zum Trainieren in die Turnhalle rein“, sagt Karl Zöberer, Präsident der Endorfer Faschingsgilde. Bezüglich des Proberaums gebe es derzeit Gespräche mit der Gemeinde. „Es ist alles bisschen schwierig“, findet Zöberer. Momentan sei man noch in „Wartestellung“.

Ein Prinzenpaar gebe es theoretisch auch. „Aber die warten ebenfalls“, so Zöberer. Ob es dann im November eine Vorstellung des Prinzenpaares gibt, steht noch nicht fest. Ein Faschingsumzug wäre für nächstes Jahr am 14. Februar und der Krönungsball am 9.    Januar geplant. „Ob das dann so stattfinden wird, wissen wir noch nicht“, sagt Zöberer.

Bernau – „Momentan sehen wir dem Fasching mit gemischten Gefühlen entgegen“, sagte Petra Bunk, Vorsitzende der Faschingsgilde Chiemseenixe in Bernau, in Hinblick auf die steigenden Infektionszahlen in der Region. Die Faschingsgilde hat sich mittlerweile mit verschiedenen Szenarien befasst. So werde es wohl weder bei der Prinzen- noch bei der Kinder- und Jugendgarde ein Prinzenpaar geben. Einen Marsch wollen die Chiemseenixen – auch aufgrund der bereits vorhandenen Kostüme – aber dennoch veranstalten. „Wir geben auf jeden Fall die Hoffnung nicht auf, dass es in irgendeiner Form den Fasching 2021 geben wird“, so Burk weiter.

Lesen Sie auch:

Corona-Regeln: Die Wasserburger sind diszipliniert, aber der Umgang ist laxer geworden

Reiserückkehrer: Quarantäne statt kostenlose Coronatests – das müssen Sie wissen

Edling/Wasserburg – Der Faschingszug findet abwechselnd einmal in Wasserburg und im nächsten Jahr in Edling statt. Nachgefragt bei Edlings Bürgermeister Matthias nennt dieser den 14. Februar 2021 als Termin. Jedoch habe die Vereinsgemeinschaft als Veranstalter hier noch keine Entscheidung getroffen. „Vielleicht im Oktober, wenn eine Entwicklung wegen der Corona-Pandemie absehbar ist.“

Der große Ball Badriazzo wird von der Stadt Wasserburg veranstaltet. Hier gibt es noch keine Entscheidung, ob er stattfindet oder abgesagt wird. Laut Bürgermeister Michael Kölbl wird vor Ende September voraussichtlich noch keine Entscheidung getroffen.

Die Wasserburger Stadtgarde trainiert derzeit outdoor, weil die Turnhallen in den Ferien geschlossen haben. „Wir bereiten uns auf einen abgespeckten Fasching vor. Weil viele Auftritte wegfallen werden – wegen der Corona-Situation, etwa in sozialen Einrichtungen – wird die Saison ein finanzielles Fiasko für unseren Verein werden“, fürchtet Präsident Done Gartner. Ein Prinzenpaar gibt es heuer nicht, die Garde hat ohnehin nur alle fünf Jahre „Närrische Durchlauchten“, das nächste Mal wieder in der Saison 2025.

Feldkirchen-Westerham – Dünnheutig aufs Thema Fasching und Corona reagiert die Faschingsgilde Vagen auf die Anfrage der OVB-Heimatzeitungen. Wie es um die Planungen der Narrensaison stehe, dazu wollte ein Sprecher der Faschingsgilde keine Auskunft geben.

Flintsbach/Neubeuern – „Wir würden schon in den Start löchern stehen“, sagt Franz Astner, Präsident der Faschingsgesellschaft Flintsbach/Fischbach. Aber: „Wir wissen ja nicht, ob wir auch dürfen.“ Der Faschingszug würde am 14. Februar stattfinden und der Krönungsball am 9. Januar. Eine endgültige Entscheidung werde der Verein noch vor dem 11. November treffen. Falls der Fasching ausfallen sollte, will man sich ein Alternativprogramm überlegen. Astner gibt sich zuversichtlich: „Wir hoffen, dass wir den Flints bacher Fasching feiern können.“ Keinen Fasching wird es heuer in Neubeuern geben: „Wir sind faschingsfrei“, sagt Tobias Heinrich, Präsident der Faschingsgesellschaft Neubeuern. Seit Jahrzehnten wechsle sich der Verein mit seiner Saison im zweijährigen Turnus mit der Faschingsgesellschaft Flintsbach/Fischbach ab.

Lesen Sie auch:

Corona in Lieblings-Urlaubsländern der Deutschen – das müssen Sie bei Reisewarnung beachten

Corona-Fallzahlen für die Region Rosenheim, Mühldorf, Chiemgau + Bayern und Deutschland

Isen – In Isen zeigt das Faschingskomitee klare Kante: „Den Kappenabend sagen wir ebenso ab wie den wunderschönen Umzug. Das fällt uns sehr schwer, aber es geht nicht anders“, ist Rudolf Kellner überzeugt. Das Stark bierfest wollte man eigentlich im Herbst nachholen – mit einer bissigen Rede und vielen Seitenhieben auf die kommunale Obrigkeit, „doch das machen wir in diesen Zeiten natürlich auch nicht. Es wäre viel zu riskant.“ 250 Menschen passen in den Klement-Saal, 50 dürfen derzeit rein – für das Komitee zu wenig. Ob man sich wie in all den Jahren zuvor am 11.11. zusammensetzen werde, weiß Kellner noch nicht. „Mei, das wäre schon möglich. Wir sind 13, 14 Mitglieder. Zehn Leut‘ an einem Tisch sind ja erlaubt“.

Kolbermoor – Die Prinzenpaare des Faschingsvereins Mangfalltal stehen bereits fest, die Schneiderin hat alle Hände voll zu tun und die Kinder-, die Jugend- und die Erwachsenengarde trainieren eifrig. „Im Moment sind wir darauf eingestellt, dass es eine Faschingssaison geben wird“, sagt Präsident Manuel Eckert. Er sieht die Vorbereitungen, die ebenfalls unter den gesetzlichen Auflagen stattfinden, auch unter dem sozialen Aspekt als wichtig an: Die Gruppen kommen wieder zusammen, das gesellschaftliche Miteinander wird aufrechterhalten. Das Präsidium stehe außerdem eng in Verbindung mit dem Dachverband, dem Bund Deutscher Karneval, werde die Entwicklung weiter verfolgen und sich eingehend abstimmen.

Prien – „Wir machen Fasching, solange ihn uns keiner verbietet“, sagt Pius Graf, Präsident der Priener Faschingsgesellschaft. Das heißt: Die Prienarria bereitet sich momentan so vor, als könnte alles wie geplant stattfinden. Die Garde und das künftige Prinzenpaar sind seit Mitte Juli schon im Tanztraining. Die Prienarria versuche, angesichts der Unsicherheit kostenneutral zu planen, aber „irgendwann kommt der Point of no return“.

Spätestens Ende September müsse der Auftrag an den Schneider erteilt werden, die Kostüme zu nähen. „Wir müssen so tun, als ob nichts wäre“, beschreibt Graf das Dilemma, sagt aber auch: „Natürlich haben wir schon einen Plan B in der Schub lade.“ In den Plänen der Priener spielen traditionell der Bürgerball zum Auftakt und der große Gildeball die zentrale Rolle. Einen Faschingszug soll es in Prien erst 2022 wieder geben.

Prutting/Vogtareuth – „Wir werden für die Faschings saison 2020/21 gar nix machen“, sagt Johann Bauer, Vorsitzender der Faschingsgilde Vogtareuth. Anfang Juli habe es eine erweiterte Vorstandschaftssitzung gegeben, zu der auch die Trainer eingeladen waren. Gemeinsam habe man sich Gedanken gemacht und beschlossen, heuer auszusetzen. „In erster Linie haben wir diese Entscheidung wegen Corona getroffen, aber das Ganze hat auch finanzielle Gründe“, so Bauer. Nächste Saison gehe die Faschingsgilde Prutting an den Start: „Wir befinden uns im zweijährigen Wechsel mit Prutting.“

Rohrdorf– „Wir sind in der glücklichen Lage, dass wir in der kommenden Saison sowieso keinen großen Fasching feiern“, erklärt Sebastian Hainzlmeir, Präsident der Rohrdorfer Faschingsgesellschaft. In einem Drei-Jahres-Turnus stellen die Mitglieder ein Prinzenpaar. Deshalb werden Katrin I. und Martin I. erst 2022 ihre Zepter weiterreichen. „Wahrscheinlich werden wir den Gildeball am 18. Januar absagen, 1000 Gäste in der Turnhalle sind nicht möglich.“ Sollten sie die Gästezahl halbieren, rechne sich die Veranstaltung für die Organisatoren leider nicht mehr.

Rosenheim – Die Rosenheimer Faschingsfreunde müssen sich derzeit noch in Geduld üben. Bis jetzt sei noch alles offen, sagte Klaus Gert reiter, Geschäftsführer des Wirtschaftlichen Verbandes, der das Faschingstreiben organisiert, gegenüber den OVB-Heimatzeitungen. Er steht aber in regelmäßigem Austausch mit der Faschingsgilde. Im September, wenn normalerweise die Vorbereitungen beginnen, soll laut Hertreiter die Entscheidung fallen, ob es einen Fasching geben wird oder nicht. Einen genauen Termin für die Entscheidung gäbe es aber noch nicht. Doch selbst wenn sich der Wirtschaftliche Verband in Absprache mit der Faschingsgilde zur Durchführung entschließen sollte, macht Hertreiter klar: „Einen Fasching, wie wir ihn kennen, wird es nicht geben.“ el/db/bfo/hei/kla/ahm

Kommentare