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A94 bei Ampfing in Fahrtrichtung Passau voll gesperrt

Mehrere Kilometer Stau

A94 bei Ampfing in Fahrtrichtung Passau voll gesperrt

A94 - Am frühen Donnerstagabend (30. Juni) steht der Verkehr auf der A94 bei Ampfing.
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Was hat es mit Familienamen auf sich?

Namensforscher im Interview: Warum wir so heißen, wie wir heißen

Mayr, Wimmer, Stadler, Lechner sind typische Namen in Oberbayern. Oliver Utsch, selbst Oberfranke, erforscht, woher diese Namen kommen.
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Mayr, Wimmer, Stadler, Lechner sind typische Namen in Oberbayern. Oliver Utsch, selbst Oberfranke, erforscht, woher diese Namen kommen.
  • VonCornelia Schramm
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Namen sind nur Schall und Rauch? Einer, der mehr als das weiß, ist Oliver Utsch (42). Der Hobby-Ahnenforscher und Buchautor erforscht die Herkunft unserer Familiennamen. Und die ist oft anders, als man denkt.

Gleich vorweg: Nachnamen sind natürlich weder Schall noch Rauch. Sie verraten unsere Herkunft – den Wohnort, Beruf oder einen ganz bestimmten Wesenszug unserer Vorfahren. Oliver Ultsch aus Coburg erklärt im Interview Gespräch, warum es nicht unanständig ist, Fick zu heißen, ein Beckenbauer früher keineswegs Becken baute und es so kuriose Nachnamen gibt wie Ottovordemgentschenfelde.

Oliver Ultsch ist gebürtiger Coburger, verheiratet, hat zwei Kinder und lebt heute in Niederfüllbach, einem Vorort von Coburg in Oberfranken.

Fromm, Kühn, Böse – sagt der Nachname etwas über unseren Charakter aus?

Oliver Utsch: Eher über den Charakter oder eine Eigenschaft unserer Vorfahren. Der eine war klein oder eben kurz, am Nächsten war etwas anderes auffällig. Wenn ich mir Ihren Nachnamen anschaue, muss jemand mal eine große Narbe, eine Schramme gehabt haben. So etwas verwächst sich und wird nicht vererbt. (lacht) Zu den Beispielen: Der fromme Knecht war im Mittelalter nicht der, der jeden Sonntag zur Kirche ging. Er war eher besonders eifrig. Der Böse war auch nicht schlecht, eher von niederer Herkunft. Der Kühn aber war echt mutig und furchtlos.

Verrät Ihnen ein Nachname, woher man kommt?

Utsch: Bei weit verbreiteten Nachnamen ist es schwer. Durch Umzüge haben Leute in neuerer Zeit ihre Namen mitgenommen. Aber es gibt auch Namen, die in einem Radius von 50 Kilometern sehr oft vorkommen – und sonst fast gar nicht. Mit hoher Wahrscheinlichkeit kommt ein Neureuther aus Garmisch. Wer in Hamburg lebt und wie ich Ultsch heißt, dessen Vorfahren stammen ziemlich sicher aus Nordbayern.

Woher kommt denn eigentlich Ihr Nachname, Herr Ultsch?

Utsch: Das ist einfach! Es ist die thüringische Variante des Vornamens Ulrich, von dem durch eine undeutliche Aussprache viel verschluckt wurde. Aber bei mir ist das wie bei jedem anderen: Ich bin ja eigentlich nicht nur ein Ultsch. Ich bin auch ein Müller, ein Fischer, ein Steiner, ein Eckstein, ein Schultheiß und Morgenroth. Das sind die Nachnamen meiner Vorfahren, die ich in Kirchenbüchern recherchiert habe. Vom Interesse für Ahnenforschung kommt auch die Liebe zu Nachnamen. Seit zwölf Jahren sammle ich sie samt ihrer Geschichte wie Bilder fürs Panini-Heftchen.

Würden Sie gern anders heißen?

Utsch: Ich bin ganz zufrieden. Lieber stinknormal als skurril! (lacht)

Haben Sie ein Beispiel?

Utsch: In Nordbayern ist der Fick der Klassiker. Dieser Name hat keinen unanständigen Hintergrund. Der Vick war der Beutelmacher und die Vicke die Geldtasche, beides wurde einst mit „v“ geschrieben. Mit der Zeit wurde auf Urkunden und in Kirchenbüchern aus dem V ein F. Es galt: Wie gehört, so aufgeschrieben. Ich bin mir aber sicher, dass sich Herr und Frau Fick deshalb heute viel anhören müssen.

Welche Kuriositäten sind Ihnen noch begegnet?

Utsch: Hassdenteufel etwa, ein Satzname. Wie dem Morgenschweis ist der Name dem Träger heute oft peinlich. Früher stand er aber für eine positive Eigenschaft. Der Morgenschweis war jemand, der morgens schon vor Anstrengung getropft hat. Er stand auf dem Feld oder in der Werkstatt, als alle anderen noch geschlafen haben. Dann gibt es da noch den längsten Namen Deutschlands: Ottovordemgentschenfelde. Ein Otto wohnte neben einem Feld mit Gänsen – und sollte von der Familie Otto, die länger im Ort wohnte, unterschieden werden können.

Wie heißen die Oberbayern am häufigsten?

Utsch: Der Mayr ist ein südbayerisches Phänomen. Aber auch Wimmer, Stadler und Lechner. Dann gibt es Nachnamen, die es witzigerweise echt fast nur innerhalb eines Landkreises gibt. Den Eham in Miesbach etwa. In Deutschland gibt es 67 Einträge für Eham im Telefonbuch – 49 davon in Miesbach und zehn in Rosenheim. Eham kommt von Oheim, dem früheren „Mutterbruder“ – dem Onkel. Ein ähnliches Beispiel ist der Aiblinger. Zwei Drittel aller Einträge in ganz Deutschland habe ich in Rosenheim und Traunstein gefunden.

Woher nehmen Sie die Inspiration zum Forschen?

Utsch: Ich führe Listen. Begegnet mir ein interessanter Name, notiere ich ihn. Das passiert oft beim Zeitunglesen oder unterwegs. Neulich war ich in Günzburg. Der Name eines Ladens, Gossner, ließ mich nicht los. Ich habe ihn zu Hause recherchiert – das war gar nicht so einfach. Die meisten würden Gossner von Namen wie Götz(e) ableiten, der wie einige andere auf Vornamen mit der Vorsilbe „god“ für Gott zurückgeht. Hier würde ich aber eher zur Gosse tendieren – heute ein Synonym für eine stinkende Abflussrinne. Damals war das nur eine Stelle, an der etwas ausgegossen wurde, und damit wortverwandt mit dem Begriff gießen und dessen Vergangenheitsform. Der Gossner wohnte wohl einst an einer Stelle, an der etwas Flüssiges hingeschüttet wurde – was auch immer das damals gewesen sein mag. Es kann sogar ein Gassner, also der Anwohner einer Gasse gewesen sein, der mit der Zeit anders geschrieben wurde.

Sie sind Versicherungskaufmann. Da stößt man auch auf skurrile Namen.

Utsch: Natürlich. Letztens ist mir ein Schmittschmitt begegnet. Den gibt es nur in der Nähe von Bamberg. Ich kann mir das nur so erklären: Ein Schmitt hatte zwei Söhne. Um die drei voneinander unterscheiden zu können, wurde ein Sohn zum Schmittbüttner und der andere zum Schmittschmitt.

Beckenbauer, Kinseher und Bayrhammer – woher kommen diese Namen?

Utsch: Beckenbauer ist einfach. Früher hieß der Bäcker Becke. Daher schreibt man den Nachnamen Becker heute mit e. Ein Bauer wurde zum Beckenbauer, wenn er gleichzeitig Bauer und Bäcker war – also eigenes Getreide zu Brot verarbeitete und verkaufte.

Und Kinseher?

Utsch: Kein Alltagsname! Meine erste Vermutung war, dass die Endung -seher nichts mit sehen oder schauen zu tun hat, sondern sich auf einen See bezieht. Um das zu belegen, war ein Blick in alte Kirchenbücher nötig. Im 17. Jahrhundert konnte ich den Namen nur in Altenhofen, einem Dorf im Kreis Straubing-Bogen, finden. Der Fluss dort heißt Kinsach. Und schon wird alles logisch: Entweder gab es tatsächlich einen See an diesem Fluss – oder, und das ist für mich noch wahrscheinlicher, wurde mit der Zeit durch undeutliche Schrift oder Aussprache aus dem Kinsacher der Kinseher.

War es erlaubt, den Nachnamen umzuschreiben?

Utsch: Als sich die Nachnamen entwickelten, wussten ihre Träger oft nichts von ihnen. Pfarrer führten zum Beispiel Buch über Geburten, Hochzeiten und Todesfälle. Gab es irgendwann zwei oder drei Michaels, mussten sie irgendwie auseinandergehalten werden. Beruf, Wohnort, Eigenschaft – die Geistlichen waren kreativ. Vergab ein Pfarrer bei der nächsten Taufe einfach einen anderen Namen, um Familien auseinanderzuhalten, lautete der Name prompt anders. So konnte auch ein Rechtschreibfehler eine Familie umbenennen.

Nomen est omen – traf das früher immer zu?

Utsch: Oft, aber es gab Ausnahmen: Wer heute König, Kaiser oder Prinz heißt, stammt eher nicht vom Adel ab – im Gegenteil. Die ersten Träger waren wohl Opfer von Spott und Hohn und wurden gerne auf den Arm genommen. Im besten Fall war der Ahn Bauer auf einem Königsgut und wurde in der Gemeinde deshalb König genannt – oder er war Schützenkönig. (lacht)

Den Bayrhammer sind Sie noch schuldig geblieben!

Utsch: Der ist selten! Hammer hießen früher Ortschaften, die auf eine große Schmiede zurückgingen. Bayer hieß in Bayern früher niemand – man wollte Menschen ja unterscheiden. Das gilt auch für Deutschländer, Frankfurter, Böhme etc. Die Herkunft spielte nur eine Rolle, wenn ein Bayer fernab seiner Heimat lebte. Dann diente sie der Unterscheidung. In der Nähe von Salzburg gibt es ein Dorf, das Bayerham heißt. Den Namen bekam es, weil dort ein Bayer eine Schmiede gründete. Seine Nachfahren nahmen den Namen mit – so kam der Bayrhammer auch wieder zurück nach Bayern.

DAS SIND DIE 40 HÄUFIGSTEN NACHNAMEN IN BAYERN:

1. Müller, 2. Schmidt, 3. Bauer, 4. Fischer, 5. Schneider, 6. Huber, 7. Wagner, 8. Weber, 9. Wolf, 10. Hofmann, 11. Maier, 12. Schwarz, 13. Mayer, 14. Schmid., 15. Schmitt, 16. Meier, 17. Lang, 18. Braun, 19. Weiß, 20. Kraus, 21. Klein, 22. Meyer, 23. Fuchs, 24. Hoffmann, 25. Schuster, 26. Götz, 27. Hartmann, 28. Schulz, 29. Koch, 30. Becker, 31. Richter, 32. Böhm, 33. Gruber, 34. Mayr, 35. Lange, 36. Schäfer, 37. Frank, 38. Werner, 39. Roth, 40. Walter