Die Nacht der Brände

Mit dem Rettungskorb in Sicherheit: Die Feuerwehr holt in Rosenheim eine Frau aus einem der oberen Stockwerke des Wohnblocks in der Salinstraße. Fotos reisner/unf

Gestern Mittag in der Salinstraße 18 in Rosenheim: Kein Strom im ganzen Block, viele Wohnungen verdreckt und verrußt, manche Bewohner noch im Krankenhaus, die anderen gezeichnet von einer schlimmen Nacht. Es war kurz vor 4 Uhr früh, als sich starker Rauch ausbreitete - vom Keller durchs Treppenhaus bis ins oberste Stockwerk. 30 Frauen, Männer und Kinder musste die Feuerwehr mit Steh- und Drehleitern aus dem Gebäude holen. Nicht nur sie werden die Brand-Nacht noch lange in schlechter Erinnerung behalten.

Rosenheim/Eggstätt - Als sich in der Rosenheimer Innenstadt ein Großaufgebot von Einsatzkräften formierte, um den Brand zu löschen, die Menschen zu evakuieren und in Zelten zu versorgen, war auf dem Gelände einer Eggstätter Teefirma eine große Produktionshalle schon völlig ausgebrannt. Verletzte gab es bei dem Feuer in Weitmoos zwar nicht, der Schaden wird aber auf bis zu eine Million Euro geschätzt.

Brannte völlig aus: Die Produktionshalle einer Teefirma in Eggstätt.

Es war 23.15 Uhr, als ein Mitarbeiter der Teefirma den Brand in der Produktionshalle von der daneben stehenden Verpackungshalle aus bemerkte. Sofort rückten im Chiemgau zwölf Feuerwehren aus. Das lichterloh brennende Gebäude, in dem vermutlich ein technischer Defekt die Trocknungsanlage in Brand gesetzt hatte, war jedoch nicht mehr zu retten. Immerhin gelang es den Feuerwehrlern, die Hallen und Geschäftsräume daneben zu schützen. Um 2.15 Uhr war das Feuer schließlich gelöscht.

Zu diesem Zeitpunkt schliefen die meisten Bewohner in der Rosenheimer Salinstraße noch tief und fest. Zwei Stunden später waren sie alle wach. Rauch quoll aus dem dreistöckigen Block mit der Hausnummer 18, weil es im Keller brannte. Der Qualm breitete sich so schnell aus, dass das Treppenhaus in wenigen Minuten unpassierbar war. Wegen des versperrten Fluchtwegs musste die Feuerwehr 36 Personen in Sicherheit bringen. Mit Fluchthauben, Drehleitern und Rettungskörben holten sie Betroffene von Balkonen oder durch Fenster ins Freie.

Eines der Brandopfer: Abdi Degirmen zeigt, wie verdreckt seine Wohnung ist. Die weißen Stellen (rechts) - dort standen Schuhe - machen es deutlich.

Trotz der schnellen Räumung erlitten neun Personen Rauchgasvergiftungen, darunter ein Polizeibeamter. Auch ein fünf Monate alter Säugling wurde vorsorglich ins Romed-Klinikum gebracht. 80 Kräfte waren im Einsatz. Im Gebäude löschten die Männer der Stadtfeuerwehr und der Feuerwehr Aisingerwies mit schwerem Atemschutz den Kellerbrand und weckten die wenigen, die noch schliefen. Auf der Straße kümmerten sich Ärzte und Sanitäter um die evakuierten Hausbewohner, die zum Teil in beheizten Zelten betreut wurden.

Das Feuer hat vermutlich ein betrunkener Störenfried ausgelöst. Die Kripo ermittelt gegen den Mann, der nicht in dem Block wohnt, wegen Brandstiftung. Anwohner waren schon vor dem Brand auf den Mann aufmerksam geworden, weil er gegen Türen schlug. Als das Feuer ausbrach, dürfte er sich im Keller aufgehalten haben und dort eine Zigarette geraucht haben, so die Polizei. Er wurde vorläufig festgenommen.

Den Schaden am Gebäude schätzte die Polizei gestern auf 150 000 Euro. Die meisten Wohnungen gab die Feuerwehr schon Stunden später wieder frei. Viele Zimmer sind stark verrußt, so mancher Teppich wird nicht mehr zu gebrauchen sein. Abdi Degirmen ist einer der Leidtragenden. Obwohl seine Wohnung ganz oben im dritten Stock liegt, hat der Rauch Spuren hinterlassen. Nur mit Lüften und Staubsaugen ist es nicht getan. Wer keine Hausratversicherung abgeschlossen hat, wird wohl auf einem beträchtlichen Schaden sitzen bleiben.

von Ludwig Simeth

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