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Jahresempfang der Caritas und der Dekanate

Nach zwei Jahren wieder Gespräche von Mensch zu Mensch

Dem gemeinsamen Jahresempfang von Caritas und den Dekanaten in Stadt und Landkreis war in der Kirche Christkönig ein Podiumsgespräch vorangestellt. Teilnehmer (von links) Caritas-Kreisgeschäftsführer Erwin Lehmann, Landrat Otto Lederer, Dr. Markus Roth vom Katholischen Bildungswerk, Oberbürgermeister Andreas März und Dekan Daniel Reichel.
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Dem gemeinsamen Jahresempfang von Caritas und den Dekanaten in Stadt und Landkreis war in der Kirche Christkönig ein Podiumsgespräch vorangestellt. Teilnehmer (von links) Caritas-Kreisgeschäftsführer Erwin Lehmann, Landrat Otto Lederer, Dr. Markus Roth vom Katholischen Bildungswerk, Oberbürgermeister Andreas März und Dekan Daniel Reichel.
  • VonJohannes Thomae
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„Jeder einzelne Kirchenaustritt schmerzt mich persönlich, denn dahinter steckt immer eine lange Entwicklungsgeschichte, oft geprägt von Frust und Enttäuschung“ Diesen Satz sagte Dekan Daniel Reichel anlässlich des traditionellen Jahresempfangs der Caritas und der Dekanate in Stadt und Landkreis Rosenheim.

Rosenheim – Das Motto des Jahresempfangs war „In Verbindung bleiben“. Das war zunächst ganz wörtlich zu nehmen: Der Jahresempfang ist die große Veranstaltung, an der alle, die am gesellschaftlichen und sozialen Wirken in der Region beteiligt sind, einmal zu informellen Gesprächen zusammenkommen können: Caritas, Kirche, Einrichtungen von Stadt- und Landkreis, alle anderen sozialen Verbände. Nach zwei Jahren Corona-Zwangspause war dieser Gedankenaustausch zum ersten Mal wieder möglich.

„In Verbindung bleiben“ – diese Herausforderung umfasse alle Menschen ohne jede Ausnahme, das hatten Dekan Daniel Reichel und Caritas-Kreisgeschäftsführer Erwin Lehmann schon zu Beginn der Veranstaltung in einem spirituellen Impuls betont. Eine der besonders drängenden Fragen derzeit sei deshalb: Wie mit jenen in Kontakt bleiben, die keinen Kontakt mehr wollen?

Oberbürgermeister Andreas März erläuterte, dass er sich gerade deshalb in den schwierigen Zeiten der Corona-Pandemie besonders darum bemüht habe, mit allen Lagern im Gespräch zu bleiben. Es sei viel, wenn nicht alles verloren, wenn es nicht gelänge ein Mindestmaß an Konsens zu erhalten.

Bildhafter Vergleich

Dr. Markus Roth, vom katholischen Bildungswerk, der das Gespräch moderierte, brachte einen bildhaften Vergleich: Es sei in der Gesellschaft wohl nicht anders als in der Chemie: Wenn man da Verbindungen aufspalte, entstünden sogenannte Radikale.

Hilfreich, da waren sich alle Gesprächspartner einig, sei aber wohl auch, wenn man das Problem öfter von der positiven Seite angehe. Es gelte auch, immer wieder deutlich zu machen, wie viel man durch Gemeinsinn erreichen könne: Nicht zuletzt die Caritas sei hier ein Beispiel. Caritas-Kreisgeschäftsführer Erwin Lehmann ergänzte, dass es sich bei der Gründung vor nunmehr 100 Jahren um einen Zusammenschluss von ehrenamtlich Tätigen gehandelt habe, die erkannt hätten, dass sie als Einzelne, selbst als einzelne Gruppen nicht genügend ausrichten könnten. Nötig war ein größeres Ganzes.

Nachholbedarf in Verbindungen

Dieses Ganze müsse man aber von der Kirche wörtlich genommen werden, wie Dekan Daniel Reichel selbstkritisch meinte. Zwar gäbe es hier nicht nur Negatives zu vermelden. Gerade in der Region sei die Verbindung zwischen Kirche und Caritas eng.

Vor allem nach außen, im Verhältnis zu anderen Glaubensrichtungen, selbst in der Beziehung zur Evangelischen Kirche bestehe aber eindeutig noch „Verbindungs-Nachholbedarf“. Hierin sehe er eine Aufgabe, wie er auch jeden Kirchenaustritt in gewissem Sinn als Aufgabe sehe.

Christliches Selbstverständnis

Solche Selbstkritik, so meinte Landrat Otto Lederer, dürfe aber nicht vergessen machen, dass Kirche, dass Caritas für Kommunen, Stadt und Landkreis ungemein bedeutende Partner seien. Mit ihnen werde eine wichtige Haltung tatsächlich gelebt: Die Überzeugung, dass jeder Éinzelne gleich wertvoll sei und deshalb Beachtung und Zuwendung verdiene. Das sei der Kit, der unsere Gesellschaft letztendlich zusammenhalte. Den Glauben, so ergänzte dazu Erwin Lehmann, müsse man dabei gar nicht demonstrativ vorwegtragen. Er verstünde sich gewissermaßen von selbst: „Wer Hilfe benötigt, dem ist zu helfen. Das ist die Basis christlichen Selbstverständnisses“.

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