LANDGERICHT TRAUNSTEIN

Nach Trennung wieder ausgerastet: Rosenheimer (27) scheitert mit Berufung und muss in Haft

Um einer Haftstrafe zu entgehen, war ein 27-Jähriger nach einem Urteil durch das Amtsgericht Rosenheim in Berufung gegangen. Doch die Argumente des gebürtigen Rosenheimers sowie dessen Anwalt konnten das Gericht nicht überzeugen.
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Um einer Haftstrafe zu entgehen, war ein 27-Jähriger nach einem Urteil durch das Amtsgericht Rosenheim in Berufung gegangen. Doch die Argumente des gebürtigen Rosenheimers sowie dessen Anwalt konnten das Gericht nicht überzeugen.
  • vonMonika Kretzmer-Diepold
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Nachdem einen 27-jährigen gebürtigen Rosenheimer auch mehrere Vorstrafen nicht von weiteren Straftaten abgehalten hatten, verurteilte das Amtsgericht Rosenheim den Mann zu einer Haftstrafe. Dagegen war er in Berufung gegangen, weshalb der Fall jetzt vor dem Landgericht Traunstein gelandet war.

Traunstein/Rosenheim– Bei Problemen mit seiner Freundin rastete ein inzwischen 27-Jähriger mehrmals total aus. Weder seine vielen Vorstrafen nach verschiedensten Delikten noch eine offene Bewährung hielten ihn von Straftaten ab. Zuletzt hatte er im April 2020 in Großkarolinenfeld zwei Polizisten beleidigt. Das Amtsgericht Rosenheim verhängte dafür drei Monate Freiheitsstrafe. Vor der Sechsten Strafkammer am Landgericht Traunstein mit Vorsitzender Richterin Jacqueline Aßbichler wollte der 27-Jährige jetzt unbedingt Bewährung. Das Gericht sah dafür keine Chance. Letztlich nahm der Angeklagte sein Rechtsmittel zurück.

Familie ruft die Polizei

Der jüngste Vorfall ereignete sich im Frühjahr 2020. Wieder wollte sich die Freundin von dem gebürtigen Rosenheimer trennen. Der 27-Jährige kündigte an, er werde seine Sachen aus der Wohnung holen. Angesichts früherer Ereignisse verständigte ihre Familie sicherheitshalber die Polizei. Prompt verursachte der Angeklagte einen Streit. Er wurde zunehmend aggressiv und beleidigte die Beamten massiv. Sie erstatteten Strafanzeige. Der Angeklagte wollte die folgende dreimonatige Freiheitsstrafe des Amtsgerichts Rosenheim nicht akzeptieren und zog zum Landgericht.

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Seit 2008 hat er 15 Vorahndungen im vor Gericht verlesenen Bundeszentralregister, etwa die Hälfte davon im Jugendalter. Der Angeklagte tat die anfänglichen Vorfälle als „Jugendsünden“ ab. Die Vorsitzende Richterin reagierte: „So jung sind Sie auch nicht mehr. Wenn man älter wird, wird man eigentlich schlauer.“

Von Bedrohung bis zum fahrlässigen Vollrausch

Der 27-Jährige machte damals weiter mit Delikten wie Bedrohung, Verstößen gegen das Gewaltschutzgesetz, fahrlässigem Vollrausch, Sachbeschädigungen, Körperverletzung, Beleidigungen und wieder Bedrohung. Häufig war Alkohol im Spiel. 2016 erhielt er vom Amtsgericht Rosenheim eine Freiheitsstrafe mit fünfjähriger Bewährungszeit – die wegen erneuter Taten mehrfach bis 2025 verlängert wurde.

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Während der offenen Bewährung kam es zu weiteren Verurteilungen, die zu Geldstrafen führten. 2016 hatte er zum Beispiel zwei Kilogramm schwere Holzscheite durch insgesamt fünf Fenster eines Anwesens geworfen. Seine im Haus wohnende Freundin und ein Mann erlitten leichte Verletzungen. Dazu schmierte er Nazi-Symbole an die Gebäudewand und beleidigte danach noch Polizisten. „Das war richtig schlimm von mir“, gab sich der 27-Jährige nun reuig.

Später rastete er als Mitfahrer aus, demolierte den Pkw der Lebensgefährtin. Er wurde als Schwarzfahrer im ÖPNV verurteilt – alles unter offener Bewährung. Gleiches galt für die Beleidigung und Bedrohung der Ex-Partnerin, die in eine Mutter-Kind-Einrichtung geflüchtet war, er werde sie und das Kind „abstechen“.

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Für das Verhalten des Angeklagten in der On-Off-Beziehung hatte die Vorsitzende Richterin wenig Verständnis. Das Paar hat sich zwischenzeitlich ein weiteres Mal versöhnt und zwei Kinder zusammen. Neuer Nachwuchs ist unterwegs. Dazu Aßbichler: „Ihre Freundin ist wieder schwanger. Sie können nicht einmal Ihr eigenes Leben bewältigen. Es ist schön, wenn Kinder auf die Welt kommen. Aber unter diesen Umständen? Ich bin sicher, die Frau hat viele Dinge gar nicht angezeigt. Sie neigen dazu, unter Alkohol auszuticken.“

Jobverlust durch die Pandemie

Verteidiger Alexander Kohut aus Rosenheim erwiderte: „Mein Mandant ist der Meinung, dass er es ohne Hilfe schafft, doch noch vom Alkohol wegzukommen, vielleicht in einer Orientierungsgruppe.“ Der 27-Jährige beteuerte, seit drei Monaten nicht mehr zu trinken. Er sei seit Kurzem arbeitslos wegen Corona, werde aber sicher bald wieder einen Job als Mechatroniker finden.

Die vorgetragenen Argumente für eine Bewährung genügten der Sechsten Strafkammer nicht, ebenso wenig Staatsanwalt Dr. Ralf Burkhard. Der Angeklagte und sein Anwalt zogen daraufhin die Berufung zurück.

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