Winhart und Multusch positionieren sich

Nach Eklat bei Parteitag: AfD aus Rosenheim und Mühldorf stärkt Parteichef Meuthen den Rücken

Jörg Meuthen und Beatrix von Storch unterhalten sich beim AfD-Parteitag in Kalkar.
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Der AfD-Parteivorsitzende Jörg Meuthen (links) und Beatrix von Storch: Meuthen sorgte beim Parteitag in Kalkar mit seiner Rede für parteiinternen Streit.
  • Markus Honervogt
    vonMarkus Honervogt
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  • Norbert Kotter
    Norbert Kotter
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Der Frontalangriff des AfD-Parteivorsitzenden Jörg Meuthen auf rechte Provokateure in den eigenen Reihen, den er am Wochenende auf dem Bundesparteitag in Kalkar startete, sorgt auch in den Partei-Kreisverbänden Rosenheim und Mühldorf für Diskussionen. Mit klarer Stoßrichtung.

Rosenheim/Mühldorf – Der Rosenheimer Kreisvorsitzende Andreas Winhart hat sich im Gespräch mit den OVB-Heimatzeitungen am Montag in der Sache klar hinter Meuthen gestellt. „Er hat eine gute Rede gehalten, deren Kernbotschaft sehr klar war“, so Winhart. Er vertrat zusammen mit seinem Landtagskollegen Franz Bergmüller aus Feldkirchen-Westerham und Kreisrat Christian Demmel aus Kolbermoor den AfD-Kreisverband Rosenheim bei der Zusammenkunft.

Winhart: Nicht alle „Querdenker“ über einen Kamm scheren

Grundsätzlich hält es Winhart für bedauerlich, dass der Streit um die Äußerungen des AfD-Vorsitzenden die Diskussion um das sozialpolitische Konzept der Partei überlagert habe. Ein wenig unglücklich hat Meuthen aus Winharts Sicht den Verweis auf die sogenannte Querdenkerszene platziert, in der sich Corona-Leugner tummeln. „Das kam missverständlich rüber. Natürlich sind in der Szene Leute dabei, mit denen wir nichts zu tun haben wollen. Das unterschreibe ich sofort. Aber wir dürfen nicht alle über einen Kamm scheren und als Spinner abtun, die sich mit der Corona-Politik kritisch auseinandersetzen.“

Trotz der teilweise heftigen innerparteilichen Kritik an Meuthen sieht Winhart eine „glasklare Merhheit“ für den Vorsitzenden. Es gebe in der AfD zweifellos verschiedene Lager, aber Flügelkämpfe kenne man auch in der CDU oder bei den Grünen, meint Winhart. Eine Spaltung der AfD sei nicht zu befürchten. „Meuthen wurde mit rund 70 Prozent der Mitgliederstimmen zu unserem Vorsitzenden gewählt. Auch damals war er schon nicht unumstritten.“

AfD-Parteitag hatte „insgesamt abschreckende Wirkung“

Für den innerparteilichen Umgang mit seinen Kritikern gibt es nach Ansicht des AfD-Kreisvorsitzenden ein relativ einfaches Rezept. „Wir müssen diese Leute durch Wahlen aus unseren Gremien fernhalten. Entweder geben sie dann auf, oder sie gliedern sich wieder ein.“

Was den Parteitag in Kalkar betrifft, müsse man der Veranstaltung leider eine „insgesamt abschreckende Wirkung“ attestieren. Dieses Bild gelte es jetzt sehr schnell zu korrigieren. 

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Multusch: „Von Spaltung kann gar keine Rede sein“

Mühldorfs AfD-Kreisvorsitzender Oliver Multusch ist gerade mit dem Auto auf dem Rückweg vom AfD-Parteitag in Kalkar, als ihn der Anruf der Heimatzeitung erreicht. Der Mühldorfer Stadt- und Kreisrat sieht seine Partei nach dem Treffen nicht vor einer Spaltung.

Teilen Sie die Aussagen Ihres Parteivorsitzenden Jörg Meuthen, dass sich die Partei von radikalen Teilen distanzieren soll, die rumkrakeelen?

Oliver Multusch: Die Aussagen Meuthens waren sehr klar und eindeutig. Und es war richtig, was er gemacht hat. Das Thema nimmt mir in der Berichterstattung aber zu viel Raum ein. Denn bei dem Parteitag ging es vor allem um soziale Themen. Das Gesundheits- und Rentenkonzept haben wir sehr einmütig diskutiert und angenommen.

Besteht die Gefahr einer Spaltung?

Multusch: Von Spaltung kann gar keine Rede sein. Wenn es schwierige Entwicklungen gibt, ist es gut, sie offen anzuzeigen. Ich kann Meuthens Appelle deshalb voll unterschreiben.

Die Gegenseite hat aber versucht, gegen Meuthens Einschätzung mobil zu machen. Ist das gelungen?

Multusch: Leute, die eine andere Richtung vertreten, sehen klar genug, dass sie nur mit dem Gesamtpaket der AfD weiter kommen. Das ist außerdem nicht die größte Zahl, die Mehrheitsverhältnisse waren klar auf dem Parteitag.

Könnte die Gruppe der Rumkrakeeler die Oberhand gewinnen?

Multusch: Die Vergangenheit hat gezeigt, dass sich die bürgerlichen und konservativen Kräfte durchgesetzt haben. Die im Osten müssen sich zusammenreißen oder die Partei verlassen. Der Parteitag hat in der Durchführung gezeigt, dass wir keine Krakeel-Partei sind. Wir haben gezeigt, dass man unter Corona-Bedingungen eine solche Veranstaltung durchführen kann, wenn man diszipliniert ist.

Steht die AfD der sogenannten Querdenker-Bewegung zu nahe?

Multusch: Die Querdenkerbewegung ist in Deutschland so vielschichtig. Man hat natürlich Leute mit total verschrobenen Ansichten. Der große Teil demonstriert aber, weil er mit der gesamten derzeitigen Situation unzufrieden ist. Die Bewegung ist Zeichen der Unzufriedenheit in der ganzen Gesellschaft. Man kann also nicht sagen, alle sind Spinner. Als Volkspartei begleitet die AfD solche Bewegungen. Es ist doch ganz normal, diese Stimmungen aufzugreifen und sie auch ins Parlament zu tragen.

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