„Mutmacher“: Wie ein Rosenheimer Projekt jungen Menschen eine zweite Chance gibt

Vom Schreiner bis zum Kaufmann für Büromanagement: Viele Auszubildende haben während des Projekts ihren Traumberuf gefunden. dpa
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Vom Schreiner bis zum Kaufmann für Büromanagement: Viele Auszubildende haben während des Projekts ihren Traumberuf gefunden. dpa

Bei der Abschlussfeier „Mutmacher“ war der Titel Programm: Die Agentur für Arbeit in Rosenheim ehrte 49 Jugendliche, die es aufgrund ihrer Voraussetzungen nicht einfach hatten, eine Ausbildung zu finden. Aber sie haben es geschafft – und machen anderen jungen Menschen Mut.

Rosenheim – „Ausbildung ist wichtig“, weiß Dr. Nicole Cujai, Vorsitzende der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Rosenheim. Wer eine abgeschlossene Ausbildung vorweisen kann, verdiene mehr Geld und sei laut Statistik vier Mal weniger arbeitslos.

Vielschichtige Gründe fürs Scheitern

Doch nicht immer klappt es mit der Ausbildung. Die Gründe dafür sind vielschichtig. Peter Feldschmidt war beispielsweise immer ein sehr guter Schüler. Das Abitur war für den 23-jährigen Kolbermoorer darum überhaupt kein Problem. Danach begann er ein Jura-Studium. Nach nur einer Woche musste er abbrechen. „Ich habe den Druck nicht mehr verkraftet, fühlte mich total überfordert und bekam psychische Probleme“, erzählt der junge Mann offen.

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Feldschmidt musste sich drei Monate lang in psychiatrische Behandlung begeben. Eine Reha schloss sich an und danach stand er dann erst einmal da und wusste überhaupt nicht mehr, wohin ihn sein Weg nun führen soll. „In einer solchen Situation weiß man erst einmal nicht mehr weiter“, so Feldschmidt. Über die Agentur für Arbeit kam er zu der Einrichtung „Junge Arbeit Rosenheim“, die sich seit dem Jahr 2003 für die Integration von benachteiligten Jugendlichen in den Arbeits- und Ausbildungsmarkt einsetzt und seitdem schon viele Erfolgsgeschichten vermelden kann.

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Auch die Geschichte von Peter Feldschmidt hat ein „Happy End“: Der junge Mann fand in einem Autohaus einen Arbeitgeber mit Mitgefühl und Verständnis und begann eine Ausbildung zum Kaufmann für Büromanagement.

Praktisch talentiert – doch Probleme bei der Theorie

Fares Heitz konnte seine Ausbildung ebenfalls erfolgreich absolvieren. „Ich bin jetzt Schreiner“, erzählt der 20-jährige Rosenheimer stolz. Auch er tat sich nicht leicht, eine Ausbildungsstelle zu finden. Praktisch talentiert, hapere es bei ihm in der Theorie. „Mit dem Lernen tue ich mich halt nicht so leicht“, berichtet Fares.

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Sabrina Damm bereitete in der Schule hauptsächlich nur ein Fach große Probleme: Sozialkunde. „Das hat mir keinen Spaß gemacht und darum habe ich auch nicht gelernt“, gesteht die 24-jährige Riederingerin. Mit entsprechender Nachhilfe klappte es aber dann doch mit dem Abschluss und Sabrina fand eine Ausbildungsstelle zur Hauswirtschafterin. „Ein Beruf mit großer Perspektive“, freut sich Sabrina Damm.

37 haben bereits eine Arbeitsstelle gefunden

Von den insgesamt 49 erfolgreichen Absolventen der kooperativen Ausbildung haben bereits 37 eine Arbeitsstelle gefunden, viele wurden von ihren Ausbildungsbetrieben übernommen.

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Den Ratschlag „Glaubt an Euch, lasst Euch nicht unterkriegen und nicht verbiegen“ gab Bürgermeister Anton Heindl den Absolventen mit auf den Weg. Ihr Abschluss sei das Eintrittsticket für die Arbeitswelt und für ein eigenständiges Leben. Lob für die Leistung gab es auch von der stellvertretenden Landrätin Alexandra Burgmaier. „Das habt Ihr richtig toll gemacht“, sagte sie. Sie sah in den Lebensgeschichten der Absolventen den „Stoff, aus dem Träume sind“.

Vom Kaufmann bis zum Gärtner

Ausgebildet wurden die 49 jungen Menschen in 20 Ausbildungsberufen. Die Bandbreite reichte von Verkäufer und Maler über Einzelhandelskaufmann bis hin zum Gärtner. Unterstützung kam in dieser Zeit von den Bildungsträgern vor Ort, die den Auszubildenden stets mit Rat und Tat zur Seite standen. Karin Wunsam

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