Mit Maske, Abstand und Lautsprecher: Wie die Pfarrer gegen Corona um Allerheiligen kämpfen

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Allerheiligen ist für viele Menschen in der Region ein Trost in trüber Herbstzeit. Für diesen Lichtblick auch in besonders trüben Corona-Zeiten kämpfen die Pfarrer der Region. Mit Abstandsregeln und Maske wollen sie die Gräbersegnung möglich machen. Entwarnung will aber jetzt noch niemand geben.

Rosenheim/Mühldorf – Mit der Familie zusammenkommen, im Gedenken an liebe Angehörige, deren Gräber zu schmücken und eine Kerze anzuzünden: Allerheiligen mit Gräberrundgang und Segnung spendet vielen Menschen Trost.

Beschränkung auf 200 Menschen aufgehoben – Stand jetzt

Der Lichtblick zum Novemberauftakt soll möglichst vielen Menschen auch in trüben Corona-Zeiten erhalten bleiben, vorerst zumindest. Die generelle Beschränkung der Teilnehmerzahl für Gottesdienste im Freien sei mit Blick auf Allerheiligen aufgehoben worden, meldet Christoph Klingan, Generalvikar des Erzbischofs von München und Freising. Gräbersegnungen und Andachten auf den Friedhöfen könnten stattfinden. Jedenfalls, so sagt es der frühere Kaplan von Prien und Rimsting – „so nicht kommunale Regelungen entgegenstehen“.

Stadt und Landkreis Rosenheim ohne Einwände

Von Seiten der Kommunen gibt es keine Einwände, unter Einhaltung des Mindestabstands sei die Gräbersegnung möglich, sagt Michael Fischer, Pressesprecher des Landratsamts Rosenheim. Auch die Obergrenze von 200 Menschen gilt für den 1. November nicht. Was Christian Schwalm von der Stadt Rosenheim bestätigt: Die entsprechenden Worte in der Bayerischen Infektionsschutzverordnung seien gestrichen und damit die Obergrenze aufgehoben.

Schwierige Planung in Zeiten von Corona

Allerdings ist das gut zehn Tage vor Allerheiligen kaum eine Garantie, sondern eher eine Momentaufnahme. Die Corona-Lage im Freistaat ändert sich so schnell wie gravierend. Stadt und Landkreis Rosenheim befanden sich gestern mit einer 7-Tagesinzidenz von 81,8, beziehungsweise 73,9 im roten, der benachbarte Landkreis Mühldorf mit 102,7 Ansteckungen binnen einer Woche sogar im tiefroten Bereich.

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Der steile Anstieg der Infektionskurve in weiten Teilen Oberbayerns nährt Besorgnis und sät Zweifel. Wie werden die kommunalen Regelungen aussehen, wenn neue Allgemeinverfügungen fällig werden? Wie, wenn gar ein Lockdown verhängt wird?

Viele Gläubige sind verunsichert

Pfarrer Klaus Vogl, Dekan des Dekanats Wasserburg, berichtet vom Bangen der Gläubigen. Im Pfarrbüro in Rott erreichten ihn derzeit viele Anfragen von Christen, sagt Vogel, die Verunsicherung sei deutlich zu spüren. In Wasserburg wollen sich die Pfarrer am Donnerstag nochmals beraten.

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Auch in Rosenheim zeigt man sich gewarnt. Daniel Reichel, Dekan von Bad Aibling, Rosenheim und Chiemsee, sagt: „Ich bin mir bewusst, dass wir erst kurz vor Allerheiligen, in Absprache mit dem Gesundheitsamt, entscheiden können, wie die Feiern zu Allerheiligen stattfinden können.“

„Wollen keine schwarzen Sheriffs“

Skeptisch äußert sich Ulrich Bednara vom Dekanat Waldkraiburg. „In Corona-Zeiten geht es nicht wie geplant“, sagt der Dekan und verweist auf die Abstandsregeln, die am Grab nicht einzuhalten seien. „Die Gräber sind oft nur 40 Zentimeter auseinander, das ist nicht praktikabel“, findet Bednara. „Und wir wollen keine schwarzen Sheriffs aufstellen.“

Gräbersegnung für die Auserwählten?

Ohne Security, dafür mit einer Andacht, ohne Eucharistiefeier in der Kirche, aber mit Maskenpflicht – so können sich viele Geistliche das Feiertagsprogramm vorstellen. Der Brauch ist uralt, im Jahre des Herrn 2020 aber betritt die Kirche Neuland. Klaus Vogl fühlt sich im Zwiespalt. Er wünscht sich einerseits viele Gläubige, hofft andererseits auf Vernunft und Abstand. „Zur Entzerrung könne beitragen, wenn ein großer Familienverband diesmal auf den Gräbergang verzichte und statt aller Mitglieder nur ein paar Ausgewählte kommen würden“, sagt er.

Für weniger Besucher plädiert auch Bednara. Er kann sich für die zunächst Ferngebliebenen eine Segnung von Kerzen vorstellen, die sie dann „rund um Allerheiligen“ auf die Gräber ihrer Angehörigen tragen könnten. Damit der Lichtblick auch im Corona-Jahr erhalten bleibt.

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