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LANDGERICHT TRAUNSTEIN

Mit 26 Kilogramm Marihuana bei Kiefersfelden über die Grenze: Drogenkurier (62) muss in Haft

An der Grenze bei Kiefersfelden war der 62-jährige Lkw-Fahrer nach Deutschland eingereist.
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An der Grenze bei Kiefersfelden war der 62-jährige Lkw-Fahrer nach Deutschland eingereist.
  • VonMonika Kretzmer-Diepold
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Um sein Gehalt aufzubessern, hat ein 62-jähriger Lkw-Fahrer Drogen nach Deutschland geschafft. An der Grenze bei Kiefersfelden klickten allerdings die Handschellen. Nun musste sich der Mann in Traunstein vor Gericht verantworten.

Traunstein – Für eine Transportfirma übernahm ein 62-Jähriger Lkw-Fahrer in Freilassing regelmäßig Fahraufträge. Bei einer Tour von Spanien nach Tschechien stießen Drogenfahnder auf insgesamt 26,5 Kilogramm Marihuana mit einem Marktwert von einer halben Million Euro, die der Schweizer bei Kiefersfelden über die Grenze nach Deutschland gebracht hatte. Die Sechste Strafkammer am Landgericht Traunstein mit der Vorsitzenden Richterin Jacqueline Aßbichler verurteilte den Trucker jetzt wegen illegaler Einfuhr von Betäubungsmitteln und Beihilfe zum Handeltreiben, jeweils in nicht geringer Menge, zu einer Freiheitsstrafe von vier Jahren und drei Monaten.

„Angst um Leib und Leben“

Aus „Angst um Leib und Leben“ wollte der grundsätzlich geständige 62-Jährige von sich aus keine über die Vorwürfe von Staatsanwalt Nils Wewer hinausgehenden Angaben leisten. Jedoch erklärte er sich bereit, Fragen zu beantworten. An die Qualität der Aussage wollte der Staatsanwalt das Strafmaß binden.

Sein Verteidiger, Harald Baumgärtl aus Rosenheim, erklärte namens seines Mandanten, der 62-Jährige habe bei der besagten Tour im November 2020 von Drogen gewusst, aber nicht von dieser enormen Menge. Er sei vorher jahrelang finanziell knapp und obdachlos gewesen, habe sofort zugegriffen, als ihm offeriert wurde, für das österreichische Transportunternehmen tätig zu werden. Weisungsgemäß sei der Angeklagte nach Freilassing gereist, wo ihm eine Verbindungssekretärin, wie anderen Fahrern auch, die Einzelheiten des Auftrags gegeben habe.

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Der Verteidiger betonte, nahe Madrid sei der 62-Jährige auf einem Parkplatz angesprochen worden, er könne am Fahrtziel in Tschechien 1000 Euro für eine Kurierfahrt mit Drogen erhalten. Ein Fiat habe den Lkw-Lenker in die Nähe von Grenada gelotst. Während des Einbaus der Betäubungsmittel in den Auflieger durch drei Männer habe der Angeklagte in seiner Kabine bleiben sollen. DNA-Spuren an seinen Handschuhen gingen auf die Bitte von einer der drei Personen, die Handschuhe ausleihen zu dürfen, zurück.

Beauty-Produkte als Ladung

Nach Worten des Verteidigers lud der 62-Jährige schließlich in Madrid die beauftragten Paletten mit Beauty-Produkten und reiste Richtung Tschechien. Auf der Autobahn A 93 endete die Fahrt am 28. November 2020 gegen 13.45 Uhr. Polizeibeamte entdeckten in einem Hohlraum am Unterboden des Aufliegers die 27 Pakete mit Marihuana. Für den 62-Jährigen klickten umgehend die Handschellen.

Auf nur wenige Fragen erhielt das Gericht eine echte Antwort von ihm, etwa, warum er die Aufträge übernommen habe. Dazu meinte er: „Ich hatte damals keine Wohnung. Ich habe keine Fragen gestellt.“ Bei vielen Themen wich er sichtlich aus, etwa bezüglich Handynummern. Er habe nur mit Mitgliedern seiner Familie telefoniert, behauptete er.

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Eine Beamtin der Kripo Rosenheim informierte, hinter den Rauschgifttransporten stecke eine größere Organisation: „Wir bewegen uns im Bereich von zwei Tonnen.“ Der Angeklagte beteuerte nochmals, nichts hinterfragt zu haben: „Das sind gefährliche Leute.“

Staatsanwalt Wewer plädierte auf eine Freiheitsstrafe von vier Jahren zehn Monaten. Der 62-Jährige habe beim Einbau der Betäubungsmittel „die Augen zugemacht“. Viele Fragezeichen hätten nicht geklärt werden können. Unter den negativen Aspekten verwies der Ankläger auf die riesige Drogenmenge und die ziemlich gute Qualität der Drogen.

Verteidiger spricht von „schönem Zubrot“

Verteidiger Baumgärtl hob heraus: „Für einen Vollblut-Trucker war es eine Sensation, nach langer Arbeitslosigkeit wieder durch Europa zu reisen.“ Die 1000 Euro Kurierlohn wären „ein schönes Zubrot“, sein Mandant sei nur ein „kleiner Fahrer“ gewesen. Eine Freiheitsstrafe von nicht mehr als drei Jahren zehn Monaten sei angemessen.

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Richterin Aßbichler unterstrich, das Geständnis des 62-Jährigen sei von hohem Wert gewesen – auch wenn die Beweislage erdrückend war. Strafschärfend wirke die Menge.

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