Jahreshauptversammlung des Verbands für landwirtschaftliche Fachbildung

Milchvieh bleibt rentabel, Biogas auch

Rosenheim/Landkreis - Der Trend in der Landwirtschaft geht derzeit dahin, dass die Zahl der Milchviehbetriebe abnimmt, aber die verbleibenden, vollerwerbstätigen Betriebe sich aufgrund wirtschaftlicher Erwägungen durchaus vergrößern möchten. Welche Möglichkeiten sich dafür anbieten, stand im Mittelpunkt der drei Fachreferate auf der Jahreshauptversammlung 2011 des "Verbands für landwirtschaftlicher Fachbildung (VlF)", zu der dieser seine über 1526 Mitglieder nach Westerndorf-St. Peter ins Gasthaus Höhensteiger eingeladen hatte.

Dass die Problematik den Landwirten - viele davon Absolventen der Staatlichen Landwirtschaftsschule Rosenheim - unter den Nägeln brennt, unterstrich die gut besuchte Veranstaltung. Die Krux an der beabsichtigten Erweiterung der Milchviehbetriebe ist die Flächenknappheit, denn "Fläche ist nicht vermehrbar". Die erweiterungswilligen Betriebe versuchten durch Zuerwerb mittels Kauf oder Pacht ihre Flächen zu vergrößern, denn ohne zusätzliche Flächen seien der beabsichtigten Erweiterung schon durch gesetzliche Vorgaben Grenzen gesetzt, so die Anwesenden.

Im ersten Vortrag "Realisierungsmöglichkeiten für wachsende Milchviehbetriebe" stellte Referent Uwe Gottwald vom "Milchviehteam Rosenheim" die Ist-Situation dar, nämlich die zunehmende Konkurrenzsituation zwischen erweiterungswilligen Milchbetrieben einerseits und Biogas-Betreibern anderseits. Der Ansturm auf die begrenzt zur Verfügung stehenden Flächen zwischen Milchviehbetrieben und Biogas-Betreibern habe begonnen. Und so resümierte Referent Gottwald: "Milchviehhaltung bleibt rentabel, aber Biogas auch."

Dass letzteres zutrifft, verdeutlichte anschließend Referent Stefan Haberstätter im zweiten Vortrag. Er stellte die Möglichkeiten der Kooperation mit Aufzuchtbetrieben vor und erläuterte aus wirtschaftlicher Sicht die Vorteile des Biosgasbetriebes. Problematisch sei allerdings, dass die meisten Biogasanlagen gerade in Regionen entstünden, in denen auch die Viehhaltung stark vertreten sei. Allein im Jahre 2011 seien in der hiesigen Region 15 weitere Biogas-Anlagen mit einer durchschnittlichen Leistung von 85 Kilowatt geplant. Und in naher Zukunft würden im Stadt- und Landkreis Rosenheim etwa 100 Biogasanlagen mit einer durchschnittlichen Leistung von zirka 125 Kilowatt installiert sein, für deren Betrieb etwa fünf bis sechs Prozent der Landkreisfläche benötigt werden.

Im dritten Vortrag ging Referent Dr. Peter Nawroth auf die zahlreichen gesetzlichen Rahmenbedingungen ein, die wachsenden Milchviehbetrieben Grenzen setzten. Als Beispiel nannte er die "Dün-geverordnung", dann die "Verordnung über das Inverkehrbringen und Befördern von Wirtschaftsdünger" (gemeint ist die Gülle) sowie der "Gülle-Abnahmevertrag", der mit einem viehlosen Landwirt abgeschlossen werden könne.

Zusammenfassend, so Fachreferent Gottwald, könnten vier Möglichkeiten einer Erweiterung von Milchviehbetrieben ins Kalkül gezogen werden: die Abgabe von Gülle an einen Biogasbetrieb , die 230-Kilogramm-Ausnahmeregelung entsprechend der Düngeverordnung, die Gülleabgabe an einen Ackerbaubetrieb und die Auslagerung der Jungviehaufzucht. Nach Ansicht des Referenten seien alle vier Varianten rentabel. Welche allerdings für den einzelnen, erweiterungswilligen Milchviehbetrieb am ehesten geeignet sei, müsse der Landwirt selbst herausfinden. Und so schloss Gottwald denn auch mit der bereits eingangs erwähnten Erkenntnis: "Milchviehaltung bleibt rentabel, aber Biogas auch !" je

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